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Potsdam-Mittelmark Oma war der Lehrmeister
Lokales Potsdam-Mittelmark Oma war der Lehrmeister
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17:31 21.03.2017
Andy Niebisch hat in der Klause bei seiner Oma gelernt. Quelle: Greiner
Petzow

Zu DDR-Zeiten war ein Besuch der Petzower HO-Gaststätte ohne Vorbestellung insbesondere am Wochenende und zu Feiertagen undenkbar. Schon vor der Öffnung standen die Besucher oft Schlange. Die Lage der Fontane-Klause zwischen Schinkelkirche und Herrenhaus und die beliebte dort servierte Hausmannskost zogen Gäste magisch an.

Nach der Wende kaufte die langjährige Restaurantleiterin Kriemhild Czaplewski das Lokal der sogenannten Handelsorganisation ab. Gemeinsam mit ihrem Mann führte sie bis 2005 das Haus. „Oma und Opa kochten und verwöhnten die Gäste“, erzählt Koch Andy Niebisch. Sein Vater Andreas übernahm 2006 von seiner Schwiegermutter das Lokal. „Ich bin bei meiner Oma in die Lehre gegangen, wollte Koch werden. Aber bei Oma hatte ich nichts zu lachen“, sagt der 34-Jährige. „Oma ist eine starke Persönlichkeit, nun genießen meine Großeltern aber den Ruhestand.“ Die Gaststätte sei noch immer weit über die Grenzen von Werder hinaus bekannt. Ob bekannte Fußballspieler aus Berlin oder Teilnehmer des G-8-Gipfeltreffens 2007 im Resort Schwielowsee, viele Touristen und Geschäftsreisende lassen sich einen Besuch im Lokal und historischen Haus von 1870 nicht entgehen. „Ob Fontane hier speiste, ist bis heute aber nicht geklärt“, sagt Andy Niebisch. „Wir haben zwar in der Gaststube einen Kaminofen eingebaut, aber ansonsten an der rustikalen Einrichtung kaum etwas geändert.“ Den Garten hat die Familie umgestaltet, damit die Gäste mehr Freiplätze und die Aussicht auf die idyllische Umgebung mit Schlossgarten bis zum Schwielowsee genießen können.

Zu Festtagen ist das Bestellbuch wie zu DDR-Zeiten meistens voll. Wildgerichte sind besonders gefragt. Und für die Kleinsten stehen Nudeln mit Tomatensoße, Fischstäbchen oder Kinderschnitzel zur Auswahl in der Karte. In der Küche steht neben Andy Niebisch Koch René Lips am Herd. Der 32-Jährige zauberte zur Fußball-WM 2006 in Berlin schon für die Nationalmannschaft diverse Menüs zur Stärkung vor und zur Regeneration nach dem Spiel. „Das war schon eine große Herausforderung und alles andere als stressfrei, hat aber Spaß gemacht“, erinnert sich Lips. Heute bekocht er Einheimische, Ausflügler und Urlauber. Sie kommen mit dem Auto, Fahrrad, dem Dampfer oder über den Uferweg und haben immer guten Appetit. „Dass die Buslinie 607 seit Januar in Petzow hält, kann uns nur recht sein und wird von den Besuchern geschätzt“, sagt Niebisch. „Und wenn im Sommer die neuen Wohnungen im sanierten Schloss bezogen werden, hoffen wir, dass die Bewohner auch regelmäßig bei uns einkehren, um märkische Gerichte zu probieren“, sagt Niebisch. Die traditionsreiche Fontaneklause sei auf die neuen Bewohner von Petzow gut eingestellt.

Von Regine Greiner

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