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Potsdam-Mittelmark Ortsgeschichte für die Smartphone-Generation
Lokales Potsdam-Mittelmark Ortsgeschichte für die Smartphone-Generation
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11:04 27.07.2015
Diese Arbeiter bauten die Straße von Saarmund nach Philippsthal. Das genaue Datum der Aufnahme ist unbekannt. Quelle: Foto: Sammlung Junack
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Saarmund

Ein geschichtsträchtiger Ort ist Saarmund, dessen Besonderheiten nicht auf den ersten Blick zu sehen sind. Dem Betrachter soll nun geholfen werden, sie zu entdecken. Der Geschichtsverein will bis zu 20 Schautafeln platzieren. Die Tafeln sollen schrittweise aufgestellt werden – im Jahr des großen Jubiläums. 2016 wird Saarmund nämlich 800 Jahre alt und die Vorbereitungen für die Feier laufen auf Hochtouren. Ein Festkomitee plant einen Festumzug. Notieren sollten sich die Saarmunder auch den 3. Juli 2016, der in die Geschichte eingehen wird. An dem Tag soll die Turmuhr an der Kirche nach 70 Jahren erstmals wieder schlagen. Die neue, mit Spenden finanzierte Uhr ersetzt die alte, die vermutlich im April 1945 aufhörte zu schlagen, als ein Geschoss den Kirchturm traf.

Im Jahr 1912: Saarmunder Postkartenansicht. Quelle: Sammlung Otto Ruske

Fürs Jubiläumsfest entsteht zudem eine Festschrift, die die Historie in leicht verdaulichen Texten und vielen Bildern präsentieren soll. Das Geschichtsbuch wird auch mit Augenzeugenberichten angereichert, für die Saarmunds Methusalem-Generation befragt wurde. „Wir haben im Ort genug über 90-Jährige, sie haben wir interviewt“, erzählt Mareen Ruske vom Geschichtsverein. Dabei kamen interessante Details zum Vorschein. Etwa über ein Barackenlager für ausgebombte Berliner, das in den 1940er Jahren in der heutigen Waldkolonie entstand. Prominentester Bewohner der „Behelfsheime“ war Gerhard Stöck, 1936 Olympiasieger im Speerwerfen.

„Erstaunlich war auch, dass es im Ort in den 1920er Jahren vier Tankstellen und fünf Gasthöfe gab“, sagt Astrid Metting, die mit an der Festschrift arbeitet. Von den Tankstellen ist keine übrig geblieben, von den Gasthöfen – sie hießen etwa „Zum heiteren Hirsch“ und „Stadt Leipzig“ – gibt es heute nur noch einen: die Gaststätte „Zum Mühlengrund“. Auch das Handwerk florierte einst im Ort, der bis 1862 eine Stadt war. In Saarmund wirkten unter anderem vier Schuhmacher, 15 Schneidermeister, außerdem Tischler, Torfmeister, Stellmacher, Ölschläger und Nachtwächter, weiß Karin Kluge.

Gute Zeiten erlebte der Ort, der am 28. Dezember 1216 in einer Urkunde des Bischofs Siegfried II. erstmals erwähnt wurde, als ihn die Handelsstraße von Berlin nach Leipzig querte. „Als die Straße auf Befehl des Königs über Potsdam verlaufen sollte, verlor Saarmund an Bedeutung“, so Angela Schneider, Chefin des Geschichtsvereins.

Auf den Spuren der Geschichte

Der Nuthetaler Geschichtsverein sucht noch Mitstreiter für die Recherche der Saarmunder Ortshistorie – genauso wie alte Fotos und Dokumente.

Willkommen sind auch Hinweise zur Ortsgeschichte und zu Spuren, die heute noch sichtbar sind.

Die geplante Festschrift zum Jubiläum soll im Frühjahr 2016 erscheinen. Für den Druck fehlen noch 2000 Euro.

Interessierte Helfer und Spender können den Geschichtsverein über die E-Mail-Adresse Geschichtsverein-Nuthetal@gmx.de erreichen.

Den Verlust des Stadtrechts haben die Saarmunder selbst verschuldet. Sie wollten die Kriegssteuer sparen, die Städte zu entrichten hatten. Dem Antrag, aus dem Verbund der Städte auszuscheiden, lehnte König Friedrich Wilhelm IV. noch ab. Nach seinem Tod versuchten sie es beim Nachfolger Wilhelm I., der 1862 den Antrag genehmigte. Die Folgen spürten die Saarmunder erst später: Mit dem Stadtrecht verloren sie auch das Braurecht. Berufe – es gab etwa sechs Brauer und vier Branntweinschenker – verschwanden mit dem Braurecht. Ein Bittgesuch, den Beschluss rückgängig zu machen, lehnte der König ab. Auf den einen oder anderen verlorenen Handwerksbetrieb sollen auch die Schautafeln aufmerksam machen. Eine Info-Tafel wird auf dem Gelände des alten Amtsgehöfts aufgestellt, auf dem später die Tuchfabrik Busse Stoffe herstellte und danach die Gärtnerei Büdke entstand. Deutlich früher soll auf dem Areal eine slawische Burg gestanden haben, von der Fundamentreste gefunden wurden.

Das alles und noch viel mehr kann man an den Schautafeln erfahren, wenn man ein Zusatzangebot nutzt, das auch junge Leute für Saarmunds Geschichte begeistern soll. Alle Tafeln werden einen QR-Code haben, den man nur mit dem Smartphone abfotografieren muss, um auf dem Gerät weitere Informationen nachlesen zu können.

Von Jens Steglich

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