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Potsdam-Mittelmark Zwischen Aspirin und Zimmervermietung
Lokales Potsdam-Mittelmark Zwischen Aspirin und Zimmervermietung
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19:45 29.06.2017
In Ferch begrüßt Rainer Müller seine Gäste gern im Paradies Schwielowsee. Quelle: Franziska Appelt
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Ferch

Verliebt hatte sich Conni Müller in das parkähnliche Grundstück in Ferch direkt am Schwielowsee, als sie mit ihrem Mann Rainer im bayrischen Biergarten saß. Dieser hatte 2014 an dieser Stelle eröffnet. Die Verhandlungen mit der Gasag über den Erwerb dauerten schließlich drei Jahren. Nun kann sich das Ehepaar Besitzer des Uferwegs 1-3 nennen.

Auf einer Gesamtfläche von etwa 25 000 Quadratmetern befinden sich im Resort Paradies Schwielowsee neun Ferienbungalows, vier Unterkünfte für Kinder, ein Spiel-, Volley-, Fuß- und Basketballplatz sowie zwei Locations. Gespräche mit der Gemeinde über einen direkten Seezugang, den sich die Müllers wünschen, stehen aktuell an. Das Logo mit Sonne und Boot am Eingang und auf der Homepage erinnert stark an den Schriftzug des benachbarten Resorts Schwielowsee in Petzow. Es sei aber bereits markenrechtlich von ihm geschützt worden, sagt Rainer Müller.

Als promovierter Pharmazeut und Professor, der Medikamente entwickelt und ein eigenes Pharmaunternehmen leitet, ist Müller seit September 2016 Neuling in der Tourismusbranche. Doch ins kalte Wasser geworfen fühlt sich der 62-Jährige nicht: „Ob ich nun Aspirin verkaufe oder Zimmer vermiete“ – die Organisation sei identisch, die Fragen dieselben: Wo kaufe ich günstig ein? Außerdem profitiert der erfolgreiche Geschäftsmann von seinen eigenen Hotelerfahrungen: „Wegen meiner Arbeit habe ich viele Nächte in Hotels verbracht. Ich weiß genau, was mir gefallen oder gefehlt hat“. Dies wären vor allem die Kleinigkeiten gewesen, sagt Müller. Zucker, Salz und Gewürze gibt es deshalb in jedem Bungalow. Auch Mikrowellen, Flachbildfernseher und Leselampen wurden in allen Ferienwohnungen ergänzt.

Seine Frau Conni kommt ursprünglich aus Dresden und mochte Müllers Wahlheimat Berlin nie. Als sie eines Tages die falsche Autobahnabfahrt nahm, kam sie nach Ferch und beschloss: Wir brauchen ein Sommerhaus. „Jetzt wohnen wir dort. Selbst ich als Berlin-Anhänger habe mich verliebt“, gibt Müller zu. Hauptsaison im Schwielowsee-Paradies ist der Sommer. „Wir machen dann auch keinen Urlaub mehr, sondern genießen die Zeit hier“. Zur Probe hat Müllers Schwiegermutter im Resort übernachtet. Fazit: „Sie kommt jetzt öfter.“

Neben Stammkunden wollen die Müllers nun auch neue Ferch-Touristen und Monteure beherbergen. „Unser Ziel ist eine ganzjährige Auslastung“. Die Buchungen seien schon deutlich gestiegen. Müller rechnet mit schwarzen Zahlen im ersten Jahr. Wenn er in zwei Jahren in Pension geht, will er sich dem Projekt ganz verschreiben. „Ich rechne damit, dass wir in drei bis vier Jahren die Anlage grundsaniert haben und weitere Bungalows restaurieren können“. Sechs weitere Ferieneinheiten sollen dann entstehen.

Entlang einer Ahornbaumreihe zweigen die terracotta-farbenen Bungalows, die drei bis vier Personen Platz bieten, ab. Zuvor strich Hausmeister Jürgen Welle (61) sie bereits grau, gelb und blau und ist mit dem aktuellen Ergebnis endlich zufrieden. Seit zwölf Jahren übernimmt der Neuseddiner die Grünpflege, kümmert sich um kleinere Reparaturen und gibt Tipps für den Winter. Viele Gäste kennen den Hausmeister als gute Seele der Anlage. „Ich werde auch mal zum Essen oder Grillen eingeladen“, sagt der Neuseddiner. Mankos der Anlage in Ferch sind seiner Ansicht nach die Anbindung und die fehlenden Einkaufsmöglichkeiten. „Wenn was fehlt, bin ich auch schon mal zusammen mit den Gästen einkaufen gefahren“, so Welle.

Die Anlage wurde zu DDR-Zeiten als Betriebsferienlager vom VEB Energiekombinat genutzt. Ein bis zwei Mal im Jahr wurden zweiwöchige Ferienlager im Sommer für etwa 30 Kinder angeboten. Dieses Angebot galt für Kinder der Mitarbeiter der Gasag-Gruppe. Eine Fercherin erinnert sich, dass es zu DDR-Zeiten sogar bis zu 100 Kinder in den Ferien waren. Im Zuge der Umwandlung des Betriebs gelangte das Gelände zur Berliner Erdgas AG und durch die Fusion der Betriebe von Ost und West nach der Wende zur Gasag. 2016 waren letztmals Kinder im Ferienlager untergebracht.

Auch Vereine, Schulungsgruppen oder Sportmannschaften könnten sich in die Anlage einbuchen und alle Einrichtungen vor Ort nutzen. Mit potenziell 1000 Übernachtungen im Monat ist das Resort die größte Anlage dieser Art in Schwielowsee und Werder und „schließt eine Lücke“, sagt Müller.

In der zum Club „Ferchi“ umbenannten Gaststätte können etwa 30 Gäste DDR-Nostalgie mit stoffbezogenen Lampenschirmen, Mitropageschirr und Holzstühlen erleben. Weitere 25 Personen finden auf der Terrasse Platz. Müller, der im Rheinland aufwuchs, wünscht sich noch mehr DDR-Dekoration und ein Honecker-Porträt für die Wand. Kontrastprogramm bietet dagegen die Villa Schwielowsee mit Blick auf Wasser und Boote. Sie bietet innen und außen Platz für etwa 70 Personen. Den Sanssouci-Saal hat Familie Müller mit Kronleuchtern, Polsterstühlen und Ölgemälde-Repliken des Alten Fritz‘ ausgestattet. In der dazugehörenden Profiküche könnten die Besucher ihr eigenes Catering mitbringen. Hier wurde auch für die Ferienkinder täglich frisch gekocht.

Auf dem Boden fand Müller eine alte Anzeigetafel des ehemaligen Café Landhaus, das an dieser Stelle 1925 eröffnete. Es war allzeit beliebt und zog viele Maler darunter Karl Hagemeister und Gäste an. Geführt wurde die Gaststätte von Margarete Weick, der Mutter vom Maler und Kunsthändler Wilhelm Weick. Über sie schreibt Velio Bergemann in seinem Buch über das Malerdorf, sie sei die Erste mit elektrischem Licht im Dorf gewesen. Neben ½ jungen Huhn und Sahneeis konnte man sich in dem Ausflugscafé ab 1 Uhr selber Kaffee aufbrühen.

Kontakt: www.paradies-schwielowsee.com, Telefon: 0173-6 07 58 58, E-Mail: info@paradies-schwielowsee.com

Von Franziska Appelt

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