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Potsdam-Mittelmark Pastorin geht – wer will ihr Nachfolger werden?
Lokales Potsdam-Mittelmark Pastorin geht – wer will ihr Nachfolger werden?
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17:30 10.04.2018
Vor der Kirche in Päwesin: Pfarrerin Johanna Rief (3.v.l.) mit "Vierer-Bande" engagierter Ehrenamtlicher, wie sie sich selbst nennen. Annemarie Mannzen, Arnd Mannzen, Dietrich Schwalbe und Carola Klingberg (v.l.). Quelle: Marion von Imhoff
Päwesin

Der Pfarrsprengel Päwesin steht vor einem Einschnitt: Pfarrerin Johanna-Martina Rief geht am 31. Oktober in den Ruhestand. Schon jetzt, ein halbes Jahr vorher, bereitet sie die sechs Kirchengemeinden der insgesamt 13 Dörfer rund um den Beetzsee darauf vor.

An ihrer Seite stehen viele Ehrenamtler, darunter seit Jahren vier besonders engagierte Männer und Frauen, die bereit sind, den Übergang bis zur Neubesetzung der Stelle möglichst sanft zu gestalten.

Einen Tag nach Ostermontag endet die Bewerbungsfrist der Stellenausschreibung. Doch bisher hat sich niemand beworben. Das Leitungsteam rechnet mit einer langen Vakanz der Stelle und rüstet sich dafür. „Auf uns wird mehr zukommen“, sagt Arnd Mannzen, der zugleich auch Vize-Vorsitzender des geschäftsführenden Ausschusses ist.

Geschäftsführende Ausschuss, Leitungsteam – was so bürokratisch klingt, ist ein Rückgrat des Pfarrsprengels. Johanna-Martina Rief ist das so wichtig wie den Ehrenamtlern. „Das zeichnet unseren Pfarrsprengel hier aus“, sagt Arnd Mannzen.

Pfarrerin Johanna-Martina Rief (l.) im Gespräch beim Weltgebetstag in Brielow. Quelle: JACQUELINE STEINER

Der neue Pfarrer muss vor allem eines sein: teamfähig. Ein Pfarrer so gesehen als „Generaldirektor, der alles an sich reißt“, so Mannzen, hätte einen schweren Stand in dem Pfarrsprengel.

Den charakterisiert auch seine liberale Haltung, die gelebte Ökumene mit Katholiken und Buddhisten. Gerne hätte Johanna-Martina Rief ein gleichgeschlechtliches Paar getraut, es ergab sich nicht. Dafür viele Beerdigungen, „unzählige“, sagt sie. Die Kirchen des Pfarrsprengels Päwesin stehen auch für weltliche Bestattungen offen.

„Das ist eine Grundsatzentscheidung. Auch heftig diskutiert“, sagt Johanna Martina Rief. In den Dörfern „weiß man, wer bei der Stasi war und den Menschen das Leben schwer gemacht hat. Und nun soll plötzlich gleiches Recht für alle gelten. Damit können nicht alle leben.

Das muss man respektieren und trotzdem eine klare Entscheidung treffen und das haben wir im geschäftsführenden Ausschuss gemacht. Es ist gut dass wir uns dazu entschlossen haben, unsere Kirchen für alle zu öffnen.“

Päwesin – ein teamfähiger und teamorientierter Pfarrsprengel

Wieder so eine Entscheidung, im Team gefällt. Es funktioniert: Die Viererbande, wie sie sich humorvoll nennen, sichtet die Post, entscheidet, was von großer Bedeutung ist und was nicht. Dann gehen die Briefe an die Pfarrerin. „Für mich ist das ganz wichtig“, sagt die Pastorin.

Auch beim Weltgebetstag im Gemeindehaus in Brielow versammelten sich rund zwei dutzend Gläubige zum Gebet. Quelle: JACQUELINE STEINER

„Eine Offenheit für neue Sachen“, zeichne die Pfarrerin aus, sagt Annemarie Mannzen. „Sie ist eine sehr einfühlsame Pfarrerin, man muss nicht viel reden, sie hat ein Gespür dafür, wo sie gebraucht wird.“

Und: „Frau Rief hat ein hohes Ansehen. Sie wird im Kirchenkreis oft im Rat gebeten.“ Rief ist Vorsitzende der Arbeitsgruppe Struktur im Arbeitskreis, die den Evangelischen Kirchenkreis Mittelmark-Brandenburg personell und strukturell zukunftsfähig machen soll.

Sechs Gemeinden suchen einen neuen Pfarrer

750 Protestanten in sechs Gemeinden mit 13 Dörfern und elf Kirchen: Seit Januar 2012 ist Johanna-Martina Rief die Pfarrerin in Päwesin. Rund 250 Gemeindemitglieder mehr gab es damals. Zwei Jahre war der Pfarrsprengel zuvor ohne Pastor.

„Wir befürchten, dass der Pfarrsprengel wieder eine ganze Weile ohne Pfarrer bleiben wird“, sagt Arnd Mannzen. „Im Allgemeinen werden Pfarrstellen auf dem Lande nicht schnell besetzt. Kann man ja auch verstehen, ein Pfarrer, der kleine Kinder hat, ist sicher nicht scharf darauf, auf das Land zu gehen.“

Doch auch in Berlin sei es schwierig, sagt Johanna-Martina Rief. „Es gehen starke Jahrgänge in den Ruhestand und die Nachrücker sind absolut ausgedünnt. Es sind einfach viel zu wenig Leute, die jetzt nachkommen.“

Der Pfarrsprengel und seine Pastorin

Der Pfarrsprengel Päwesin besteht aus sechs Kirchengemeinden. Dies sind Brielow-Radewege, Ketzür mit Gortz und Butzow, Päwesin mit den Dörfern Riewend und Bagow, die Kirchengemeinden Weseram, Roskow und Lünower Dorfkirche mit Mötzow und Grabow. In allen 13 Dörfern betreut die Pfarrerin 750 Gemeindemitglieder. Die größte Gemeinde ist mit 300 evangelischen Christen Brielow-Radewege.

Johanna-Martina Rief wurde 1953 in Templin geboren. In Rabenau bei Dresden machte sie Berufsausbildung zur Facharbeiterin für Holztechnik mit Abitur. An der TU in Dresden studierte sie anfangs Maschinenbauwesen. „Das war nicht meins.“ Sie wechselte als Theologie-Studentin nach Ost-Berlin. 1983 zog sie zu ihrem Mann nach Köln und legte dort ihr zweites Staatsexamen ab. Ihre erste Pfarrstelle war in Saarbrücken, wo sie 22 Jahre blieb. Ihre zweite Pfarrstelle wurde Päwesin. „Ich wollte wieder zurück in meine Landesheimatkirche. Ich bin ja aus Berlin-Brandenburg.“ Nach der Pension zieht Johanna-Martina Rief nach Hohenferchesar.

Dietrich Schwalbe aus Radewege-Siedlung ist Vorsitzender des Geschäftsführenden Ausschusses. Sein Stellvertreter ist Arnd Mannzen aus Lünow. Zu dem Gremium gehörten noch Carola Klingberg aus Weseram und Annemarie Mannzen, die Organisationsspezialistin.

Den Pfarrsprengel möchte Johanna-Martina Rief „geordnet überlassen.“ Auch deswegen ist sie nicht unglücklich, in diesem Jahr erstmals keine Konfirmanden zu haben.

„Da muss man jetzt keinen Übergang gestalten.“ Als sie vor sechs Jahren kam, hat sie gelernt, schon im Spätsommer den Gottesdienstplan für Weihnachten „eingetütet sein“. Das gilt auch dieses Jahr: „Damit die Ehrenamtlichen, wenn sie dann möglicherweise ohne Pfarrer dastehen, wissen, wie es weitergeht, wenn die Pfarrstelle unbesetzt ist.“

Neun Heiligabend-Gottesdienste gilt es zu gewährleisten, auch mit Theologen, die schon in Rente sind. „Das sind gut besuchte Gottesdienste, es wäre unklug, einen davon zu streichen“, sagt die Pfarrerin. An den anderen Sonntagen ist im ganzen Pfarrsprengel ein Gottesdienst.

Der Blick auf das, was kommt

„Die Ehrenamtlichen müssen wieder mehr ran, zumal auch die Gemeindepädagogin Anja Puppe eine andere Stelle angenommen hat“, meint Annemarie Mannzen.

Johanna-Marina Rief richtet einen konzentrierten Blick auf das was war, auf das, was sie kommt. „Ich freue mich auf meine freie Zeit, zu meiner Familie, meinen Kindern, meinem Enkelkind zu fahren, ohne zu überlegen, wer macht meine Arbeit dann.“

Was sie nicht abschätzen könne, sei, „was mir dann fehlen wird. Man ist hier ja jemand, man steht oft im Mittelpunkt, steht vorne, hat etwas zu sagen. Die anderen hören einem zu, man hat eine gesellschaftliche Position, man ist bekannt. Wenn man dann raus ist aus dem Dienst, dann ist das alles nicht mehr da. Was das mit mir macht, weiß ich nicht. Ich bilde mir ein, dass ich es hinkriege.“

Von Marion von Imhoff

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