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Paul und Hannelore: Beim Rosenball funkte es

Diamant-Paar aus Wusterwitz Paul und Hannelore: Beim Rosenball funkte es

In 60 Ehejahren gab es bei Hannelore und Paul Mewes aus Wusterwitz (Potsdam-Mittelmark) nie ein böses Wort. Die Familie ist den 81-Jährigen heilig. Das Diamant-Paar, das im Rosenthaler Weg wohnt, hat drei erwachsene Kinder, zehn Enkel und 13 Urenkel.

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Das Diamant-Paar: Hannelore und Paul Mewes.

Quelle: Jacqueline Steiner

Wusterwitz. Hannelore und Paul Mewes waren noch nie einen Tag getrennt. „Als wir mal ins Krankenhaus und zur Reha mussten, besuchten wir uns oder sind mitgefahren“, erzählen die 81-Jährigen. Die Familie ist ihnen heilig. Das Diamant-Paar hat drei Kinder, zehn Enkel und 13 Urenkel. Gefeiert wird morgen aber nicht wie sonst im „Deutschen Haus“, denn die Wusterwitzer Traditionsgaststätte ist seit Ende vorigen Jahres geschlossen, sondern „Am Fischerufer“ in Kirchmöser.

Das Ja-Wort gaben sie sich heute vor 60 Jahren erst standesamtlich in Karow und dann in der Kader Kirche, wo die 70 Leute zählende Hochzeitsgesellschaft auf das junge Brautpaar wartete. Während Hannelore aus Kade stammt, ist Paul gebürtiger Wusterwitzer. In seinem Elternhaus im Rosenthaler Weg leben beide noch. „Gleich Nebenan wohnt Tochter Silvia und unsere Marion 500 Meter weiter“, erzählen sie. Zwei Enkeltöchter haben in dieser Straße neu gebaut.

Die Chemie stimmte nicht nur beim Tanzen

Verguckt hat sich Paul in seine Hannelore mit den langen kastanienbraunen Haaren beim Rosenball in Kade. Schnell merkten sie, dass die Chemie nicht nur beim Tanzen stimmt. „Wir kannten uns aber schon, denn wir sind im gleichen Zug zur Arbeit gefahren“, erzählen sie. Er arbeitete damals bei einer Baufirma in Genthin, sie im Büro des Katasteramtes beim Rat der Stadt.

Als sie nach der Hochzeit nach Wusterwitz zogen, war Sohn Jürgen ein halbes Jahr. Das Haus hatte Paul Mewes, dessen Vater im Krieg blieb, für seine Familie und für Großmutter Minna Lenk umgebaut und saniert. „Damals gab es sehr schlecht Material und man musste betteln.“ Die Mädchen erblickten 1958 und 1959 kurz hintereinander das Licht der Welt. Während sich Hannelore Mewes um Kinder, Haus und Garten kümmerte, arbeitete ihr Mann sein ganzes Berufsleben als Maurer. In Genthin, Plaue, Brandenburg und ab 1963 bei der LPG „Clara Zetkin“ in Wusterwitz. Als die Wende kam, wurde die Handwerkerbrigade nicht mehr gebraucht. Mewes übernahm die Leute und machte sich mit einem Baubetrieb und zwölf Beschäftigten selbstständig. Als Rentner verkaufte er die Firma.

Cheforganisator des Rosenthaler Straßenfestes

Paule war jahrelang Cheforganisator des alljährlichen Rosenthaler Straßenfestes. „Los ging es noch zu DDR-Zeiten“, erzählt er. Tochter Marion und Schwiegersohn Siegbert Habermann fingen vor ihrer Haustür klein an. Mit 30 Leuten, die sich ihre Stühle und Salate zum Grillen selber mitbrachten. Dann gab es eine Pause, denn durch die Wende hatte jeder mit sich zu tun. Außerdem war der Rosenthaler Weg damals eine Baustelle, weil Trink- und Abwasserleitungen verlegt wurden. Als Mewes sich den Hut aufsetzte, ließ er zwei Dutzend Fuhren Mutterboden anfahren, um den Platz unter den Linden mit der Nachbarschaft herzurichten, denn er fortan pflegte. Das Straßenfest sprach sich herum, sogar ein Festkomitee gab es und ein bisschen Programm. Zum Schluss waren es um die 300 Leute. Da sich kein Nachfolger fand, hörte er vor drei Jahren aus gesundheitlichen Gründen auf. Für die jahrelangen fleißigen Helfer gibt es im Garten der Mewes noch ein kleines gemütliches Frühlingsfest.

„Wir hatten eine schöne Zeit“, sagen Oma Hannelore und Opa Paul, wie man sie in ihrer Straße nennt. „Nie gab es ein böses Wort. Meinungsverschiedenheiten wurden ausdiskutiert und dann war die Welt wieder in Ordnung.“ In Wusterwitz lebe es sich gut. Nur der Rosenthaler Weg müsste gemacht werden, denn er sei die schlechteste Straße im Ort.

Von Claudia Nack

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