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Petzow hat seine zwei Türme zurück

Nach dem 2. Weltkrieg zerstört Petzow hat seine zwei Türme zurück

Die Stadt Werder, der Heimatverein Petzow und der Ortsbeirat haben sich gemeinsam für den Wiederaufbau zweier Staffelgiebeltürme am einstigen Gut eingesetzt. Am Freitag ist das Bauwerk offiziell übergeben worden. Es gehört zum Gesamtensemble des Ortes und der historischen Gutsgartenmauer der Familie von Kaehne.

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Bernd Hanike, Manuela Saß, Karl-Heinz Friedrich und Gerald Kühn-von Kaehne vor den Türmen (v.l.)

Quelle: Luise Fröhlich

Petzow. Mit alten Ziegeln sind die zwei stattlichen Staffelgiebeltürme an der Fercher Straße in Petzow wieder aufgebaut worden. Einst sollen sie das Tor markiert haben, von dem aus der Weg zur Gutsanlage und zum Garten der Familie von Kaehne führte. Dieser Teil des denkmalgeschützten Gesamtensembles von Petzow und seiner Schloss- und Parkanlage ist nun wieder sichtbar und am Freitag bei einer offiziellen Feierstunde eingeweiht worden. Gemeinsam mit der Stadt Werder haben sich der Ortsbeirat Petzow und der Heimatverein für den Bau der historischen Türme eingesetzt. Im Jahr 2015 begann das Bauvorhaben, mit dem ein langgehegter Wunsch des Heimatvereins in Erfüllung ging.

„Es ist schön, dass es zum Jubiläumsjahr der Stadt auch in den Ortsteilen Historisches zu entdecken gibt“, sagte Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU). 70 000 Euro sind insgesamt in das Projekt geflossen. 56 500 Euro stammen aus der Stadtkasse, rund 13 000 Euro sind Spenden, die der Heimatverein gesammelt hat, wie dessen Vorsitzender Karl-Heinz Friedrich berichtete. An Fördermittel sei kein Herankommen gewesen. Bei Konzerten, dem Kuchenbasar der „Petzower Waschweiber“ oder mittels einer Briefmarke, auf der die beiden Türme zu sehen sind, kam mühsam Geld in die Spendenkasse.

Petzow hat nach dem Krieg schlimme Zeiten erlebt

Fehlende Bauzeichnungen hatten zunächst die originalgetreue Errichtung der Türme verhindert. „Als Orientierung mussten gerade einmal zwei alte Fotos und noch vorhandene Dokumente herhalten“, so Karl-Heinz Friedrich. In akribischer Kleinarbeit sei es aber mit dem Architekten Gerald Kühn-von Kaehne gelungen, die Maße der Bauten zu ermitteln. Maßgeblich am Wiederaufbau beteiligt waren die Firmen Müller-Bau Ferch und der Dachdecker Frank Schmidt aus Werder.

Die Idee kam ursprünglich vom Petzower Ortsvorsteher Bernd Hanike. Er selbst hat viel dazu beigetragen, dass Petzow sein heutiges Erscheinungsbild hat. Einige Petzower Kleinode sind auf seine Initiative hin seit den 1980er-Jahren rekonstruiert wurden. Dazu zählen etwa das Spritzenhaus, die Alte Schmiede oder das Waschhaus im Park. „Petzow hat nach 1945 eine schlimme Zeit erlebt. Viele Heimatsuchende kamen hierher, alte Gebäude wurden abgerissen“, berichtete Hanike. Dieses Schicksal ereilte auch die Staffelgiebeltürme. Nur einer dieser Türme, die in der Mauer rund um das Gut der Familie von Kaehne platziert worden waren, hatte überlebt und steht noch heute an der Seeseite. „Wir können zufrieden sein mit dem, was wir geschafft haben und sind froh, von der Stadt so viel Unterstützung erfahren zu haben“, so Hanike.

Bauabnahme war Anfang des Jahres

Der Heimatverein trieb das Projekt Wiederaufbau der Türme mit der Übernahme der Bauherrenschaft vom Bauantrag bis zur Fertigstellung voran. Auch Nachfahren der Gutsfamilie sahen sich das Ergebnis bei der Einweihung an. „Die Türme standen schon Ende 2015, aber da hatte noch einiges gefehlt, wie zum Beispiel das Tor oder das Hinweisschild“, sagte Karl-Heinz Friedrich. Die Bauabnahme war Anfang dieses Jahres. „Die Arbeiter hatten richtig Spaß daran, mal wieder mit altem Material zu arbeiten“, erzählte der Architekt Gerald Kühn-von Kaehne. Bei den Ziegeln habe es sich nicht um Originalteile, aber immerhin um historische Steine gehandelt.

Am Beispiel der beiden Türme lasse sich ablesen, wie viel im Laufe der Zeit in Petzow wieder entstanden ist, sagte Petra Rauschenbach vom Heimatverein.

Heimatmuseum startet in die neue Saison

„Es bedeutet für uns auch ein Stückchen Lebensqualität, die nun zurückkehrt.“ Der Heimatverein befasst sich seit vielen Jahren intensiv mit der Geschichte Petzows und den ursprünglichen Siedlungsstellen. Immer wieder stoße man auf neue Erkenntnisse. Im vorigen Jahr etwa war der Hofbesitzer Klaus Kosakowski auf der Suche nach dem alten Friedhofskreuz an der alten Schule auf zwei Grabsteine gestoßen.

Am Sonntag um 13 Uhr startet das Heimatmuseum im Waschhaus mit Live-Musik sowie Kaffee und Kuchen in die neue Saison.

Einzigartiges Ensemble

Ab 1820 hatte Carl Friedrich August von Kaehne im großen Stil den kleinen Ort mit seinem Herrenhaus im Mittelpunkt zu einem einmaligen Ensemble von Dorf, Park, Schloss und Kirche umgestaltet.

Karl Friedrich Schinkel und Peter Joseph Lenné halfen ihm dabei.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sind große Teile der historischen Bauwerke abgerissen worden. Andere verfielen mit der Zeit.

Auch die Dorfkirche ist 1842 auf dem Grelleberg nach den Plänen von Schinkel gebaut worden. Friedrich Wilhelm IV. hatte sie eingeweiht.

1419
wurde Petzow erstmals urkundlich als „Pessöw“ in einem Schriftstück erwähnt, das einer Lehnsaufzeichnung aus diesem Jahr entstammt.

Das Dokument ist im Thüringischen Landeshauptarchiv Weimar zu finden.

Durch die Herzöge von Sachsen-Wittenberg als Lehnsherren, die die Landesherrschaft am Westufer des Schwielowsees ausübten, wird hier ein Eigentumswechsel bestätigt.

Der Hof Petzow ging 1437 an das Kloster Lehnin über und verblieb dort bis 1542.

Seit dem Jahre 1630 gab es das Lehnschulzengut der Familie Kaehne. Die Familie war nachweislich seit 1638 in Petzow ansässig.

Von Luise Fröhlich

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