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„Mister Parkinson“ im Gepäck

Pfarrer aus Caputh schreibt persönliches Buch „Mister Parkinson“ im Gepäck

Es sind viele Bücher über die Parkinson-Krankheit erschienen. Der Pfarrer im Ruhestand Paul-Gerhard Platte aus Caputh schrieb als Betroffener jetzt ein eigenes Werk über sein Leben und seine Wanderungen mit „Mister Parkinson“. Es erscheint im Tauberverlag in Schwielowsee, der Wahlheimat des einstigen Seelsorgers aus Limburg.

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Autor Paul-Gerhard Platte und seine Frau haben den Umzug nach Caputh bisher nicht bereut.

Quelle: Greiner

Caputh. Zu Fuß mit „Mister Parkinson“ begab sich Paul-Gerhard Platte aus Caputh auf Reise durch acht Landkreise rund um Berlin. Seine Erfahrungen und Gefühle, seine Höhen und Tiefen während und nach der Tour in mehreren Etappen hat er in einem Buch aufgeschrieben, das jetzt im August erscheint.

Doch auch den Urlaub im Mecklenburg-Vorpommern vor zehn Jahren werden Paul-Gerhard Platte und seine Frau Liselotte nie vergessen. „Plötzlich konnte mein Mann das Boot nicht mehr rückwärts einparken, beim Wandern hielt er den Stock so merkwürdig“, erinnert sich die Ehefrau. Für den evangelischen Pfarrer aus Limburg und die Familie war seit diesen Ferien alles anders. Dabei kannte sich der Geistliche gut aus, schließlich hatte der Seelsorger die Tücken der Erkrankung Morbus Parkinson schon bei vielen seiner Patienten in Krankenhäusern erlebt. Nun aber hatte es ihn selbst erwischt. „Die Schüttellähmung hat meinen Leben von Grund auf verändert, heute fühle ich die Symptome selbst, über die Patienten mir früher erzählt haben. Und was das Schlimmste daran ist, man verliert Stück für Stück die Persönlichkeit“, sagt der 73-Jährige. Er musste wegen seiner Krankheit mit seiner Familie Haus und Hof an der Lahn aufgeben, ließ ein Häuschen in Caputh bauen. „Die Landschaft und die Seen sind so schön, und die Tochter wohnt in Berlin, das passt.“

 

250 000 Menschen betroffen

Das Parkinson-Syndrom gehört zu den häufigsten Erkrankungen des Nervensystems, an der in Deutschland mehr als 250.000 Menschen leiden.

Die Erkrankung, die umgangssprachlich auch als „Schüttellähmung“ bezeichnet wird, wurde nach dem englischen Arzt Dr. James Parkinson benannt, der diese Art der Bewegungsstörung 1817 erstmals beschrieben hat.

Charakterisieren mehrere Krankheitszeichen (Symptome) ein Erkrankungsbild, spricht man von einem Syndrom. Beim Parkinson-Syndrom umfassen diese Symptome eine Verlangsamung der Bewegungen (Hypokinese), eine Muskelsteifigkeit (Rigor), ein Zittern (Tremor) und eine gestörte Haltungsstabilität.

Die Ursache ist in den meisten Fällen unbekannt. Das Parkinson-Syndrom ist nicht ansteckend

Es gibt viele Bücher von Ärzten und Wissenschaftlern über die Krankheit, sagt der Pfarrer im Ruhestand. Aber er kenne kein Werk, in dem ein Betroffener über seine persönlichen Erfahrungen mit der neurologischen Erkrankung berichtet. Und obwohl ihm das geliebte Schreiben immer schwerer fällt, kann er es nicht lassen. „Ich will mein Leben nicht durch ’Mister Parkinson’ bestimmen lassen“, verrät Platte, Vater von inzwischen vier erwachsenen Kindern, sein Lebensmotto. Darum wird er nicht müde, so oft es geht zu wandern, so weit sein Körper mitspielt. Doch die Krankheit ist ein schwerer Rucksack. Er sieht sich täglich mit schwindenden Kräften, Stimmungsschwankungen, Bewegungseinschränkungen und Zitterattacken konfrontiert. Mit dem Buch „Kann ich sie ein Stück mitnehmen?“ will Platte alle, die an Parkinson oder anderen unheilbaren Krankheiten leiden, ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen. Er möchte auch den Angehörigen und Freunden Betroffener zeigen, mit welchen Schwierigkeiten Parkinson-Patienten zu kämpfen haben, wie sie gewinnen, oft auch Niederlagen verkraften müssen. Im Nachwort zum Buch des Caputhers schreibt der Chefarzt des Neurologischen Krankenhauses in Beelitz, Georg Ebersbach: „ Wir haben gelernt, dass diese Krankheit eine eigentümliche Last, aber auch ein Ansporn sein kann, sich nicht unterkriegen und von ’Herrn Parkinson’ besiegen zu lassen.“

Als Pfarrer, Seelsorger und im Hospiz war Platte das Gespräch mit seinen Mitmenschen immer sehr wichtig. Heute fällt ihm auch das schwer. Dennoch engagiert er sich in der Kirche, denkt gegen den Rat seiner treu sorgenden Frau nur an eine kleine Verschnaufpause – denn in seinem Kopf arbeitet er schon am neuen Buch: die Lebensgeschichte des Paul-Gerhard Platte.


Paul-Gerhard Platte: „Kann ich Sie ein Stück mitnehmen“, Tauberverlag Schwielowsee, 1. Auflage 2015, ISBN: 987-3-943462-11-1

Von Regine Greiner

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