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Pfiffe vor dem Landratsamt

Denkmaleigentümer fühlen sich von Bürokratie gegängelt Pfiffe vor dem Landratsamt

Denkmalbesitzer haben am Donnerstag vor dem Landratsamt Potsdam-Mittelmark in Bad Belzig demonstriert. Sie beklagen sich über unfachmännische und herzlose Auflagen für Denkmäler. Besitzer fühlen sich von Auflagen überzogen.

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Der amtierende Landrat Christian Stein (CDU/rechts) stellt sich dem Unmut der Denkmal-Eigentümer aus verschiedenen Orten.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Bad Belzig. Eigentümer und Nutzer von denkmalgeschützten Immobilien befürchten, dass der Kreisverwaltung Potsdam-Mittelmark der Dienstleistungsgedanke abhanden gekommen ist. „Lange Bearbeitungszeiten kosten unsere Lebenszeit“ oder „Für Denkmalschutz mit Herz statt Bußgeld“ war auf Transparenten zu lesen, mit denen Mitglieder der Bürgerinitiative „Denk mal! PM“ am Donnerstagvormittag vor das Landratsamt in Bad Belzig marschierten. Mit Trillerpfeifen machten sie erst im Zentrum, dann an der Niemöllerstraße ihrem Unmut über die ihrer Ansicht nach unfachmännischen und herzlosen Auflagen durch die Untere Denkmalschutzbehörde richtig Luft.

„Es wird nur darauf gewartet, dass wir Fehler machen“, beklagte sich zum Beispiel Gudrun Haderlein. Sie hat in Boecke (Amt Ziesar) ein denkmalgeschütztes Pfarrhaus gekauft. Seither wird sie von der Verwaltung mit Auflagen und Bußgeldern überzogen. „Wir werden wie Straftäter behandelt“, warf sie dem amtierenden Landrat Christian Stein (CDU) vor. Er vertritt gerade den erkrankten Verwaltungschef Wolfgang Blasig (SPD), stellte sich aber trotzdem dem Frust der Eigentümer. Thomas Gandow aus Buckau forderte bei der „Protestwache“ eine Reform der Bau- und Denkmalschutzbehörden. Diese sollten sich nicht nur als Genehmigungsbehörde verstehen, sondern den Bürgern mit Rat und Tat zur Seite stehen. Erneut wurde in diesem Zusammenhang Kritik über eine bestimmte Sachbearbeiterin laut.

Kommentar von René Gaffron

Paragrafenreiter statt Pragmatiker

Der Tag des offenen Denkmals  war einst Magnet für Einheimische und Touristen. Nicht selten zeigten Besitzer, Architekten und Handwerker sowie Verwaltungen stolz, was sie geschaffen haben. Solch Einklang besteht zwischen Havel und Fläming schon lange nicht mehr.

Zwar  rühmen   sich Politik und Verwaltung  im Landkreis Potsdam-Mittelmark  gern der freiwilligen Ausgabe von 200000 Euro jährlich. Wie es heißt, ergibt sich daraus die sechsfache Investitionssumme  für den Denkmalschutz – der Großteil wohl privates Geld.

Diese Lobeshymne  wird längst überlagert von Trauerspielen. Wo einst Pragmatiker am Werk waren, regieren leider  Paragrafenreiter. Augenscheinlich dient das der Sache nicht. Davon konnten die Teilnehmer der Protestwache gestern Lieder singen, darüber werden sie zum Tag des  Denkmals an Ort und Stelle klagen.

Im Gegensatz zur Bürgerinitiative engagiert sich die Behörde schon seit Jahren nicht mehr in dieser bundesweiten Aktion.  Sie verschenkt nicht nur die Chance, mit Leuten ins Gespräch zu kommen und gelungene Beispiele ins rechte Licht zu rücken. Sie bleibt wofür sich wohl hält: unantastbar.

Christian Stein bedauerte, dass die Fronten leider verhärtet seien. Die Mitarbeiter müssten sich bei ihrem Handeln an Recht und Gesetz halten. Zur angesprochenen Personalie sagte er: „Wir haben eine neue Stelle ausgeschrieben. Jetzt warten wir die Bewerbungen ab. Erst nach einer Entscheidung kann die betreffende Person mit anderen Aufgaben betraut werden. Aber da hat der Personalrat ein Wörtchen mitzureden.“

Mitglieder der Bürgerinitiative beteiligen sich am Sonntag mit ihren „unbequemen Denkmalen“am bundesweiten Tag des offenen Denkmals. Bei der zentralen Veranstaltung der Bürgerinitiative wird bei einem Vortrag in der Dorfkirche Buckau mithin das offene Schicksal des Ringofens der Alten Ziegelei Reetz in den Fokus gerückt. Vor Ort werden zudem Führungen angeboten.

Das Landratsamt Bad Belzig, einst koordinierend tätig, zeigt zum Tag des offenen Denkmals wie schon seit mehreren Jahren kein Engagement. Gleichwohl sei es mit den Bürgern im Gespräch, wie Gernot von Arend, die MAZ wissen ließ. Beim Tag der offenen Tür am Standort Bad Belzig habe sich bei den Führungen bereits Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch gegeben.

Einige Kommunen, Vereine und Privatbesitzer haben indes schon gute Ergebnisse bei der Sanierung historischer Substanz erzielt. Diese wollen sie Sonntag dem interessierten Publikum präsentieren.

Von Frank Bürstenbinder und René Gaffron

Tag des offenen Denkmals im Hohen Fläming

Das Programm zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 8. September

Bad Belzig Burg Eisenhardt, 10 bis 17 Uhr, Themenführung mit Ritter Thomas Schmöhl durch sonst verschlossene Bereiche der Anlage.

Cammer Bockwindmühle (am Ortsausgang nach Golzow), 11 bis 17 Uhr, Glücksmehl als Souvenir, Führungen und Trödelmarkt (5 Euro Standgebühr).

Buckau „Unbequemes Denkmal“, Dorfkirche, 10 bis 19 Uhr, Führungen 10, 12, 14 Uhr; Vortrag „Ziegel für Berlin und die Mark“ (unter anderem über das Schicksal der Alten Ziegelei Reetz mit Fachmann Karl-Ludwig Lange aus Berlin. Um 17.30 Uhr Abschlusskonzert mit Harald Berghausen an der Böttcher-Orgel.

Reetz „Unbequemes Denkmal“, historischer Ringofen der Ziegelei im Verfall (gegenüber des Röben-Werkes), Führungen mit Bernd Müller aus Wiesenburg.

Gräben „Unbequemes Denkmal“, Mühlenensemble, 12 bis 15 Uhr, Führungen um 12 und 14 Uhr mit Eberhard Seidel,  (030) 2 8273 30.

Wiesenburg „Unbequemes Denkmal“ Fachwerkhaus, Hermann-Boßdorf-Straße 34, 10 bis 15 Uhr. Führungen um 13 und 14 Uhr mit Ulrich Kaunath,  (0177) 5388729.

Wiesenburg „Unbequemes Denkmal“nur Außenbesichtigung Rote Villa in der Friedrich-Ebert-Straße (neben Netto).

Wiesenburg Schlossturm mit Heimatstube, von 10 bis 18 Uhr, Ortskern und Park – Abschlusskonzert mit Johannes Penzler an der Hübner-Orgel um 16 Uhr in der Marienkirche.alle Termine sonntags

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