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Potsdam-Mittelmark Bevor der Pflegefall eintritt
Lokales Potsdam-Mittelmark Bevor der Pflegefall eintritt
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15:48 06.08.2015
Christian Höhne leitet das Team Pflege und Betreuungsmanagement in der Kreisverwaltung Potsdam-Mittelmark. Quelle: Heinz Helwig
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Potsdam-Mittelmark

Wenn jemand in der Familie plötzlich pflegebedürftig wird, merken die Angehörigen oft erst, dass sie der neuen Situation und der Suche nach einer schnellen Lösung rat- und hilflos gegenüberstehen. Diesen Schockzustand möchte der Pflegestützpunkt Potsdam-Mittelmark betroffenen Familien ersparen. Er wirbt deshalb dafür, sich rechtzeitig, spätestens aber bei den ersten Anzeichen einer drohenden Pflegebedürftigkeit, über die Möglichkeiten einer Betreuung des Angehörigen zu informieren.

Der Pflegestützpunkt Potsdam-Mittelmark berät und vermittelt in Fragen zu Hilfsmitteln und Reha-Maßnahmen, unterstützt Familien bei der Suche nach Haushaltshilfen oder speziellen Wohnformen im Alter. Er hilft bei Antragstellungen und informiert über Kurzzeit- oder Tagespflege sowie über die Dauer der Pflegezeit. Vor sechs Jahren richtete die Kreisverwaltung gemeinsam mit den Krankenkassen AOK und Barmer im allgemeinen sozialen Beratungszentrum des Kreises in Werder den Pflegestützpunkt ein, der paritätisch mit zwei Sozialarbeitern des Kreises und je einem zusätzlich ausgebildeten Pflegeberater der beiden genanten Kassen besetzt ist. Die Beratung erfolgt unabhängig davon, welcher Kasse der Pflegebedürftige angehört. Nur Privatversicherte müssen sich an die private Pflegeberatung „Compass“ wenden. Vor zwei Jahren konnte der mittelmärkische Pflegestützpunkt auch in Beelitz eine Außenstelle eröffnen.

Mehr als 2200 Beratungsgespräche und Hausbesuche führten die Pflegeberater im vergangenen Jahr im gesamten Landkreis von Teltow bis Wiesenburg durch. „In den Gesprächen weisen wir oft auch auf Fragen bei Antragstellungen oder Pflegeleistungen hin, die sich die Angehörigen bisher nie gestellt haben“, sagt Christian Höhne. Er leitet das Team Pflege- und Betreuungsmanagement in der Kreisverwaltung. Zuweilen würde der Pflegestützpunkt mit einer Hauskrankenpflege verwechselt. „Dabei beraten wir nur. Die Entscheidungen müssen die Pflegebedürftigen beziehungsweise die Angehörigen selbst treffen“, so Höhne.

Während sich in städtischen Ballungsgebieten wie der Region Teltow-Kleinmachnow-Stahnsdorf die Familien meist direkt an die Träger der Pflegeleistungen wenden, würden Bedürftige in weniger besiedelten ländlichen Gebieten wie dem Hohen Fläming eher zögern, sich beim Pflegestützpunkt zu melden, lautet die Erfahrung der Pflegeberater. Oft schämen sich Betroffene vor ihren Nachbarn, fremde Hilfe anzunehmen oder wollen diese auch selbst nicht in ihrem Haus haben. Andererseits würden im Fläming teilweise gleich mehrere Träger an einem Ort um Pflegeleistungen buhlen, aber zu wenig Bedürftige dafür finden, heißt es. „So ist halt der Markt. Wir können da nicht regulierend eingreifen“, bedauert Höhne. Mit Regionalkonferenzen, wie die nächste geplante Veranstaltung Ende September, Anfang Oktober, will der Pflegestützpunkt Kassen und Kommunen an einen Tisch holen und an sie appellieren, Angebote besser untereinander abzustimmen.

Auch bei den Ärzten haben die Pflegeberater schon vorgesprochen. Sie sind in der Regel die ersten, die eine Pflegebedürftigkeit erkennen und dem Pflegestützpunkt einen Hinweis geben könnten. Doch die Mediziner haben oft eine eigene Sicht auf den Patienten, bei der Merkmale für eine mögliche Betreuung nicht unbedingt an erster Stelle stehen. Demnächst will der Pflegestützpunkt die Ortsvorsteher in den Kommunen aufsuchen. Sie kennen sich meist am ehesten mit der Altersstruktur und der sozialen Lage der Menschen in ihrem Ort aus.

„Gern würden wir auch in Bad Belzig einen Pflegestützpunkt einrichten. Doch dafür können die Kassen nach eigenen Angaben derzeit kein Personal stellen“, bedauert Christian Höhne.

Von Heinz Helwig

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