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Rehbrückes Pilzexpertin feiert 100. Geburtstag

Katharina Bickerich schrieb das meistgekaufte DDR-Pilzbuch Rehbrückes Pilzexpertin feiert 100. Geburtstag

Die Bergholz-Rehbrückerin Katharina Bickerich gehörte zu den bekanntesten Pilzexperten in der DDR. Ihre Bücher schrieb sie immer unter dem Doppelnamen Bickerich-Stoll – eine Ehrerweisung an ihren Vater Ferdinand-Erdmann Stoll, der in Lettland als der Mykologe und Ornithologe des Baltikums gilt. Am 24. Juni wird Katharina Bickerich 100 Jahre alt.

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Katharina Bickerich mit einem ihrer Pilzbücher.

Quelle: Christel Köster

Bergholz-Rehbrücke. Auf der Einladung ist sie wieder zu finden –  die Ironie, mit der sie gern ihre Sätze verpackt. „Das Johanni-Mädchen lädt ein...“, heißt es auf der Karte. Ja, es gibt etwas zu feiern: Katharina Bickerich begeht heute, zum Johannistag, ihren Geburtstag. Das Johanni-Mädchen wird 100 Jahre alt!

Wer mit ihrem Namen auf Anhieb nichts anfangen kann, sollte sich ein Pilzbuch aus früheren Zeiten zur Hand nehmen und nach dem Autor schauen. Mit großer Wahrscheinlichkeit steht auf dem Titel Katharina Bickerich-Stoll. Sie hat das zu DDR-Zeiten meistgekaufte Pilzbuch geschrieben. Sie schrieb es nicht nur, die Mykologin aus Bergholz-Rehbrücke malte auch die Pilz-Abbildungen im Werk selbst. Ihr Buch „Pilze sicher bestimmt“ bekommt auch in der Neuzeit noch beste Bewertungen. In einer Internet-Rezension heißt es: Es mag „kleinformatig und dünn sein und verblasst von den Jahren.... Doch wir lassen uns nicht täuschen: Mit diesem unscheinbaren Auftritt tarnt sich nichts anderes als ein Meisterwerk an Pilzratgeber. Wir verneigen uns vor diesem Geheimtipp und hervorragenden Büchlein, das in keinem Haushalt fehlen sollte, mit der Note 1!“

Schriften und Bücher über die Welt der Pilze schrieb sie immer unter dem Namen Bickerich-Stoll. Der Doppelname war eine Ehrerweisung, mit der sie an ihren Vater erinnern wollte. Ferdinand-Erdmann Stoll galt als der Mykologe und Ornithologe des Baltikums. Er ist auch der Mitbegründer des zoologischen Gartens in Riga. Vom Vater hat die Tochter alles über Pilze gelernt, von ihm hat sie das Talent, Waldfrüchte und nicht nur die mit erstaunlicher Genauigkeit zu malen.

Katherina Bickerich-Stoll wird am 24. Juni 1915 in Riga geboren. Ihre Kindheit und Jugend verbringt sie in Lettland, bis die Stolls als Baltendeutsche 1939 das Land verlassen müssen und nach Deutschland übersiedeln. Die Tochter des berühmten Mykologen studiert an der Staatlichen Hochschule für Kunsterziehung in Berlin und macht 1943 ihr Staatsexamen. Verschlungene Wege führen sie über Posen, Göttingen und Ostfriesland schließlich nach Bergholz-Rehbrücke, wo sie seit 1948 lebt. Sie und ihr Mann Günter Bickerich gehören später zu den bekanntesten Pilzexperten in der DDR. Ihre Kenntnisse auf diesem Gebiet bringen Katherina Bickerich eine Anstellung am damaligen Hygiene-Institut in Potsdam ein. Sie ist auch die Pilzsachverständige für den Bezirk Potsdam und rettet mit ihrem Mann so manches Leben. Ärzte rufen bei den Bickerichs an, wenn sie in Fällen von Pilzvergiftungen Expertenrat brauchen.

Mit ihrer künstlerischen Ader hinterlässt die Rehbrückerin nicht nur in Pilzbüchern Spuren. Auch das Kruzifix in der Friedhofskapelle in Bergholz-Rehbrücke ist ihr Werk. Es war eigentlich für die Bergholzer Kirche bestimmt. Diebe hatten das Kruzifix aus dem Gotteshaus gestohlen. Heimlich arbeitet sie an einem Ersatz, um die Lücke zu schließen. Der segnende Jesus der renommierten Mykologin schmückt einige Tage die Kirche, als auf wundersame Weise das gestohlene Kruzifix wieder auftaucht. Dann wird der Entschluss gefasst: Wenn eines Tages die neue Friedhofskapelle in Dienst genommen wird, soll dort das Kruzifix von Katharina Bickerich ihren Platz finden. So geschieht es 2006

Als legendär gelten noch heute die Lichterfeste im Garten der Bickerichs. So ein Sommerfest auf dem Waldgrundstück wollte sie noch einmal erleben. Heute bekommt sie den Wunsch erfüllt.

Von Jens Steglich

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