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Potsdam-Mittelmark Plastiken aus Styropor für den großen Umzug
Lokales Potsdam-Mittelmark Plastiken aus Styropor für den großen Umzug
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00:16 30.05.2017
Horst Bertz sägt ein Stück Styropor in seiner Werkstatt zurecht – die Techniken hat er sich alle selbst beigebracht. Quelle: Julian Stähle
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Werder

Gewehre, Ziegelsteine, Koffer, Kleeblätter und Schraubzwingen – viele große und kleine solcher Gegenstände liegen kreuz und quer in Horst Bertz’ Werkstatt und Garten verteilt. Der Werderaner steht an der Stichsäge und schiebt ein Teil nach dem anderen mit Leichtigkeit durch das Sägeblatt. Als „Abfallkünstler“ ist er in der Vergangenheit betitelt worden. Da ist etwas dran, denn das Material, das Bertz verarbeitet, ist auf Baustellen entsorgtes Styropor. Dem haucht der 69-Jährige neues Leben ein. Derzeit bastelt er Wappen, Folterinstrumente und andere Requisiten für den Festumzug der Stadt zur 700-Jahr-Feier im Juli. Auftraggeber sind der Ortschronist Baldur Martin und der Heimatverein Werder, in dem Bertz schon seit 20 Jahren aktiv ist.

Ziegel dürfen beim historischen Festumzug der Stadt natürlich nicht fehlen. Quelle: Julian Stähle

Eine Woche hat es gedauert bis Horst Bertz das Wappen der Blütenstadt mit dem halben roten Adler, den drei Kleeblättern und der Mauerkrone mit drei Türmen fertig hatte. „Die Buchstaben sind das schwierigste“, sagt Bertz. Ansonsten sei es von der Sache her nicht sehr kompliziert, Styropor zu Requisiten zu verarbeiten. „Ich war mein eigener Lehrmeister. Als ich für den Karnevalsverein Gewehre aus Holz gebaut habe, bin ich auf das Material Styropor gestoßen. Das ist viel leichter in der Verarbeitung“, so Bertz. Bereits in den 1980er-Jahren sicherte er sich Styropor in Massen, als sowjetische Soldaten in den Havelauen ihre Schwimmpanzer abmontiert hatten. Wie er das Cutter-Messer, den Lötkolben und die Heißluftpistole am besten einsetzt, hat er sich selbst beigebracht und über die vielen Jahre verschiedene Techniken entwickelt. Als herausragend würde sich Horst Bertz deshalb aber nicht bezeichnen: „Jeder Mensch ist ein Künstler und kann Dinge, die ein anderer nicht kann.“

Kein Unbekannter in der Blütenstadt

Schon im Kunstunterricht hat er gern gemalt, allerdings nicht die Sonnenblumen, die seine Lehrerin haben wollte. Er hat sich lieber selbst verwirklicht und dafür schlechte Noten geerntet. Noch heute werkelt er lieber ohne Entwürfe. „Ich arbeite einfach drauf los“, sagt Bertz. Neben Styropor verwendet er auch Styrodur, das etwas fester ist. Vor anderthalb Monaten hat er angefangen, die Requisiten für den Festumzug anzufertigen. Sechs Wochen hat er noch Zeit. Am 16. Juli muss dann alles sitzen. Die Werderaner zeigen an diesem Tag die Geschichte der Stadt seit der Ersterwähnung 1317 mit historischen Höhepunkten anhand von mehr als 50 Schaubildern. Der Umzug geht vom Kugelweg bis zum Hartplatz. Viele Unternehmen, Vereine, Kitas, Schulen und andere Gruppen arbeiten seit Monaten gemeinsam mit Baldur Martin daran, dass der Festumzug zu einem einzigartigen Erlebnis wird.

Viel Liebe zum Detail beweist Horst Bertz bei seinen Arbeiten. Quelle: Julian Stähle

Mehr als 15 Requisiten bastelt Horst Bertz auf ehrenamtlicher Basis für den Festumzug. „Aus Spaß an der Freude“, wie er sagt. Und es ist nicht das erste Mal. Denn seine Kunstwerke sind schon von einigen Baumblütenumzügen bekannt. Für den Wagen des Heimatvereins baute er beispielsweise eine Obstweinpresse, eine historische Pferdebahn oder einen Schaufelraddampfer nach. Was den Koffern und Ziegeln, die gerade in seinem Garten liegen, so viel Echtheit verleiht, ist die Relief-Optik, die Bertz mithilfe der Heißluftpistole erzielt. Zuerst bringt er Wasserfarbe auf der gewünschten Stelle auf und lässt dann den Kunststoff schmelzen. Dadurch bekommen die Plastiken ein benutztes Aussehen. Das passt auch besser zu seiner Ansicht von Kunst, denn er sei nicht so für die modernen Sachen zu haben, wie er sagt.

Das Ende der „billigen Bildhauerei“ steht für Bertz bevor

Auch kleinere Stücke hat er in der Vergangenheit schon für den Heimatverein oder das Theater in Werder angefertigt. „Ich habe nie Geld genommen, aber die Leute haben sich darüber gefreut und das ist eine große Anerkennung für mich“, so Horst Bertz. Auch für Hochzeiten oder Bäcker hat er Brautschleier oder Brotattrappen angefertigt. Immer wieder hat Bertz an den unterschiedlichen Aufträgen und Anforderungen gelernt.

Horst Bertz sägt ein Stück Styropor in seiner Werkstatt zurecht – die Techniken hat er sich alle selbst beigebracht. Quelle: Julian Stähle

Nach dem Festumzug aber soll mit der „billigen Bildhauerei“, wie er sie nennt, Schluss sein. „Mein Leben mit Styropor ist vorbei. Es gibt auch noch andere schöne Sachen, wie zum Beispiel meinen Garten“, erzählt er. 1980 kam der gebürtige Kemnitzer nach Werder und arbeitete 20 Jahre als Kraftfahrer, bis die Wende kam. Danach war er zunächst arbeitslos, habe aber immer etwas getan, um nicht bloß herumzusitzen. Etwa 15 Jahre lang arbeitete er dann für einen internationalen Künstler.

Mittlerweile ist er Rentner und will sein Leben in dem 150 Quadratmeter großen Haus direkt an der Havel genießen. Bevor er das in vollen Zügen tun kann, will er die Styroporreste allerdings noch loswerden. Während die Anschaffung meist kostenlos war, weil er das Material vom Müll gesammelt hat, müsse er für die Entsorgung als Bauschutt nun blechen, sagt Bertz. Vorher aber gilt es für den großen Festumzug noch einige Kleeblätter auszuschneiden und Apfelformen auszusägen.

Die Festwoche in der Blütenstadt

Am 13. Juli beginnt die Festwoche zur 700-Jahr-Feier in Werder mit der Festsitzung der Stadtverordneten.

Angekündigt wurden in der Festschrift für diesen Abend Ansprachen und Auszeichnungen.

Am 14. Juli ist um 18.30 Uhr ein Festempfang am Schützenhaus geplant, bei dem Städtepartner, Kommunalpartner, die Stadtverwaltung, Ortsvorsteher und Fraktionen anwesend sein werden.

Der Sonnabend, 15. Juli, ist dem Ehrenamt gewidmet. Bei „Werder hilft“ wird die Vielfalt des freiwilligen Engagements gezeigt. Bei „Musik liegt in der Luft“ können die Werderaner ab 16 Uhr an der Regattastrecke feiern.

Ein ökumenischer Gottesdienst wird am 16. Juli an der Regattastrecke um 10.30 Uhr abgehalten. Um 13 Uhr folgt dann der historische Festumzug.

Von Luise Fröhlich

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