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Potsdam-Mittelmark Platz für die Retter – Ganz Ziesar schaut zu
Lokales Potsdam-Mittelmark Platz für die Retter – Ganz Ziesar schaut zu
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13:19 25.08.2017
Eine Rettungsgasse für Ole Utermark: Der Feuerwehrnachwuchs aus Ziesar zeigt wie es geht. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Ziesar

Kein Durchkommen zum Bahnhof, das Frauentor ist dicht. Wer mit dem Auto in die Altstadt von Ziesar will, muss derzeit vor lauter Baustellen Umwege einplanen. Und dann das: Der Breite Weg wird zur Autobahn erklärt, mitten auf der Fahrbahn brennt ein blauer Pkw. Nichts geht mehr. Doch diese Verkehrsbehinderung ist nur gespielt und dient einem guten Zweck.

Heute Wettkämpfe und Tanz

Die Stadt Ziesar ist in den vergangenen Jahrhunderten mehrmals von verheerenden Bränden heimgesucht worden. 1674 brannte das alte Rathaus ab. Das heutige Rathaus wurde 1828 errichtet. Unter Bürgermeister Fürstenberg kam es 1880 zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr.

In diesem Jahr rückten die Kameraden aus Ziesar bisher zu 58 Einsätzen aus. Davon führten 25 Alarmierungen auf die Autobahn 2. Es gab mehrere Kfz-Brände, Unfälle und technische Hilfeleistungen. Fünf Gebäudebrände mussten gelöscht werden.

Die Feierlichkeiten zum 137. Gründungstag werden am heutigen Sonnabend ab 10 Uhr mit Wettkämpfen auf dem Feuerwehrgelände fortgesetzt. Ab 14 Uhr spielen die Burgmusikanten zur Kaffeetafel auf. Ab 20 Uhr kann im Festzelt zu Discomusik das Tanzbein geschwungen werden.

Mädchen und Jungen der Kinder- und Jugendfeuerwehr führen den dicht an dicht stehenden Zuschauern vor, wie eine Rettungsgasse gebildet wird. „Aus aktuellem Anlass“, begründet Ziesars Ortswehrführer und Moderator Uwe Roßner den Aufmarsch der Tretautos und Bobby-Cars. Immer wieder kommen Feuerwehren, Krankenwagen und Polizei verspätet an den Unfallort, weil Kraftfahrer auf der Autobahn keinen Platz für die Retter gelassen haben. Durch Baustellen, die sich auch vor der Haustür Ziesars befinden, verschärft sich das Problem.

Die Feuerwehr bringt Bürgermeister Dieter Sehm samt Stadtkasse sicher auf den Boden. Quelle: Frank Bürstenbinder

Zunächst gibt Roßner Nachhilfeunterricht für jene Autofahrer, die immer noch unsicher sind, wenn sie in einen Stau geraten. „Bei drei Spuren fahren die Fahrzeuge auf den ersten beiden Spuren ganz nach rechts. Die dritte Spur hält sich ganz links. Damit wird Platz für die Rettungskräfte zwischen der zweiten und dritten Spur frei“, so der Feuerwehrchef. Die Mädchen und Jungen belassen es bei zwei Spuren und fahren ihre Tretmobile hart an die aufgesprühten Fahrbahnränder. Das bedeutet freie Fahrt für Ole Utermark in seiner Feuerwehr zum brennenden Auto. DJ Daddy sorgt derweil für Sirenengeheul vom Band. Natürlich löscht der Junge die gedachten Flammen tapfer mit seinem Strahlrohr. Beifall brandet auf.

Rettungskräfte von den Johannitern kümmern sich um Lukas Grewatsch, der einen Verletzten mimt. Quelle: Frank Bürstenbinder

Mit der Rettungsgasse sind die Vorführungen zum 137. Geburtstag von Ziesars Feuerwehr nicht beendet. Denn plötzlich steigt Rauch aus einem der oberen Rathausfenster. Brandgeruch macht sich breit. Der vom Aktenstudium hochgeschreckte Bürgermeister muss aus seinem Büro um Hilfe rufen. „Irgendetwas brennt im Vorzimmer. Ein Kabel oder die Kaffeemaschine“, mutmaßt Moderator Roßner am Mikrofon. Der Weg über die Treppe ins Freie ist Dieter Sehm versperrt. Wie in der Realität vergehen bange Minuten bis die ersten Blaulichter auftauchen. Angeführt von Amtsbrandmeister Andy Laube, der den Einsatzleitwagen steuert, rollt ein kompletter Löschzug vor das 1997 sanierte Einzeldenkmal. Die Kameraden aus Ziesar werden von den Löschgruppen aus Bücknitz und Glienecke unterstützt.

Feuerwehrleute tragen ihren verletzten Kameraden aus dem Rathaus. Quelle: Frank Bürstenbinder

Jetzt bekommen die Zuschauer richtig was zu sehen. Bier und Bratwürste sind Nebensache. Muttis holen die letzten Kinder von der Fahrbahn. Einsatzbefehle erschallen, Schläuche werden auf dem Pflaster ausgerollt, die Drehleiter samt Korb wird in Stellung gebracht, ein erster Angriffstrupp kämpft sich unter Atemschutz in das Rathaus vor. Menschrettung geht vor Brandbekämpfung. Doch wo ist der Bürgermeister? Plötzlich taucht Dieter Sehm wieder am Fenster auf, winkt mit der roten Stadtkasse in der Hand. Obwohl selbst in höchster Not hat der Mann Ziesar vor der Pleite gerettet.

Offenes Feuer gab es in diesem Jahr nicht, dafür prasselte echtes Löschwasser auf das Rathausdach. Quelle: Frank Bürstenbinder

Jetzt muss alles schnell gehen. Zwei Feuerwehrleute helfen dem Stadtoberhaupt in luftiger Höhe beim filmreifen Umstieg vom Fenster in den Korb der Drehleiter. Die Leute klatschen. Kaum hat Dieter Sehm wieder festen Boden unter den Füßen heißt es „Wasser marsch!“. Die ersten Flammen schlagen schon aus dem Dach, können aber von der Drehleiter aus gelöscht werden. Dafür ist im Treppenhaus etwas schief gelaufen. Ein Kamerad wird verletzt und schafft es nicht aus eigener Kraft aus dem Rathaus. Dafür ist der Sicherungstrupp da. Auf einer Trage wird Lukas Grewatsch in Sicherheit gebracht und der Johanniter-Rettungswagenbesatzung übergeben. Die Menschen sind begeistert. Um die Zukunft ihrer Feuerwehr muss den Ziesaranern 137 Jahre nach der Gründung nicht bange sein.

Von Frank Bürstenbinder

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