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Potsdam-Mittelmark Politik-Pause: Baaske geht ins Praktikum
Lokales Potsdam-Mittelmark Politik-Pause: Baaske geht ins Praktikum
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11:43 25.08.2016
Packt mit beiden Händen zu: Praktikant Günther Baaske Quelle: Dirk Froehlich
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Niemegk

In der Frühstückspause auf der Baustelle fällt er gar nicht auf. Er sitzt in Arbeitskleidung zwischen den anderen Bauarbeitern, liest Zeitung und kaut an seinem Brot. Aber nicht lang. Brandenburgs Bildungsminister Günter Baaske (SPD) wird die Latzhose bis Mittag gegen den Anzug tauschen, der bereits im Auto liegt und von der Niemegker Baustelle nach Potsdam fahren. Das Kabinett tagt. Sein Sommerpraktikum bei einem Dessauer Landschaftsbaubetrieb muss dann kurz pausieren.

Zum elften Mal schnuppert Baaske in die Brandenburger Arbeitswelt hinein. In den 14 Jahren als Sozial-, später Arbeits- und heute Bildungsminister ist die Woche im Sommer zur Tradition geworden. Kinderhort, Straßenbau, Altenpflege, ökologische Sanierung – Baaske hat alles mitgemacht. „Mich erdet das ungemein“, sagt Baaske. Ihm sei es wichtig, mit den Menschen, die ihr Geld durch harte körperliche Arbeit verdienen, in Verbindung zu bleiben. „Das Schuften gibt mir wirklich viel, nicht nur Rückenschmerzen und Muskelkater.“

„Könnte auch an der Ostsee liegen“

Und schuften muss Baaske wirklich. Neun Stunden am Tag abzüglich einer Stunde Pause heißt es Steine schneiden, Boden begradigen, den Außenbereich des Souterrains der Schule anlegen – der prominente Praktikant wird von seinen Kollegen nicht geschont. „Gerade gestern haben wir den Eingangsbereich gepflastert“, sagt Baaske und deutet auf die grauen Steine.

Besser nicht auf die Schippe nehmen lassen: Auf der Baustelle erwartet den Berufspolitiker harte Arbeit Quelle: Dirk Froehlich

„Die weißen Reihen sind spezielle Pflasterungen für sehbehinderte Menschen.“ Der Minister erklärt, zeigt und kennt sich offenbar tatsächlich gut aus mit Normen und Pflastertechniken. Die Sommerarbeit absolviert der Politiker in seiner Freizeit. „Ein Minister hat ja eigentlich keinen richtigen Urlaub“, sagt er, „aber ja, ich könnte jetzt auch an der Ostsee liegen.“

Gerd Bölke ist auf der Baustelle zuständig für Baaske, er hat nichts Negatives über seinen Schützling zu sagen: „Er ist fleißig, pünktlich und steht nicht im Weg.“ Die Sommerarbeit ist dabei auch für Bölke ein Novum. „In den 17 Jahren, die ich im Landschaftsbau tätig bin, kam noch kein Politiker zum Arbeiten vorbei“, sagt er. Das findet auch Günter Baaske bedauerlich: „Ich kann das ganz vielen Kollegen nur empfehlen.“ Im Landtag gäbe es einige Abgeordnete, die ähnliche Einsätze absolvierten, doch im Kabinett sei ihm niemand bekannt.

Abba singen, die Sonne brennt

Einen Arbeitgeber für das nächste Sommerpraktikum hat sich der in Lütte lebende Politiker noch nicht gesucht. „Wichtig ist ja, dass ich die Abläufe nicht aufhalte.“ Die Post habe ihn etwa zu einer Schnupperwoche eingeladen, doch „da kann ich nichts sinnvolles machen, ich wäre keine Hilfe, sondern hätte nach einer Woche vielleicht kapiert, wo die Häuser jeweils sind.“

Als die Frühstückspause für die Männer vorbei ist – im Radio singen Abba, die Sonne brennt – geht Günter Baaske zurück an den Steinschneider mit Diamantfräse. In drei Stunden muss er im Kabinett sitzen. „Die Haare werde ich mir aber nicht mehr waschen können“, sagt er. Tags darauf um 7 Uhr geht es weiter auf der Baustelle.

Von Saskia Kirf

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