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Politikneuling strebt Chefposten an

Landratswahl Potsdam-Mittelmark Politikneuling strebt Chefposten an

Als einer von fünf Kandidaten will Sven Schröder (AFD) aus Borkheide Landrat Potsdam-Mittelmarks werden. Erfahrungen gesammelt habe er inzwischen als Abgeordneter des Landtages Brandenburg. Dort bekleidet der 52 Jahre alte gelernte Maurer für die rechtspopulistische Partei Alternative für Deutschland seit zwei Jahren erstmals politische Ämter.

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Sven Schröder (AFD) kandiert für den Landratsposten in Potsdam-Mittelmark.

Quelle: Thomas Wachs

Borkheide. Plötzlich war er Landtagsabgeordneter. Als die rechtspopulistische Partei Alternative für Deutschland (AFD) im September 2014 in den Brandenburger Landtag einzog, wurde aus dem gelernten Maurer Sven Schröder ein Abgeordneter. Seinen Job als Projektberater einer Hausbaufirma legte der bis dahin politisch völlig unerfahrene Borkheider zunächst auf Eis. Zwei Jahre später nun möchte der 52-Jährige in Potsdam-Mittelmark Landrat werden. Zur Direktwahl am 25. September ist er einer von fünf Kandidaten.

Die anderen Kandidaten

– Franz Herbert Schäfer (CDU): Metzgersohn will Landrat werden

– Klaus-Jürgen Warnick (Die Linke): „Mit mir wird es keine Zwangsfusion geben“

– Wolfgang Blasig (SPD): Amtsinhaber kämpft um seinen Job

– Andreas Schramm (Piraten): Kandidat will sich für mehr Transparenz einsetzen

Der Protest gegen weitere Windräder im Fläming habe ihn damals politisch sensibilisiert und motiviert, selbst aktiv zu werden. Im Jahr 2013 trat er der AFD bei. Schließlich zieht Schröder 2014 auch in die Gemeindevertretung von Borkheide ein. Dort wohnt der gebürtige Ost-Berliner, der um die Wendezeit ins Saarland ging, um 1994 nach Brandenburg zurückzukehren, seit 2011. Zu Sitzungen des Ortsparlamentes und dessen Gremien fehle Schröder allerdings häufig, sagen Beobachter.

Die Arbeit im Landtag fordere ihn „stärker als ich mir das anfangs vorgestellt habe“, bekennt der Abgeordnete. Freizeit sei selten geworden. Die zwei Jahre als Abgeordneter sieht Schröder für sich als „Lehrzeit, in der ich sehr viel mitgenommen habe“. Direkte Verwaltungserfahrungen habe er jedoch nicht, räumt er ein. Doch die Arbeit als Vorsitzender des Ausschusses für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landtages sowie als Mitglied der Enquete-Kommission „haben mich viele Erfahrungen und Einblicke gewinnen lassen, die mich mit den Gegebenheiten Brandenburgs und damit auch den Problemen und Chancen Potsdam-Mittelmarks vertraut machen“, zitiert Schröder aus seinem Wahlprogramm.

 

Obwohl der Landkreis „gute Voraussetzungen mitbringt und gut da steht“, sei „mehr Kreativität nötig, um diesen Wohlstand zu erhalten“, glaubt der AFD-Mann. Die Umsetzung eines regionalen Verkehrskonzeptes zur besseren Anbindung des ländlichen Raumes, die Sicherstellung einer flächendeckenden medizinischen Versorgung sowie die Optimierung ländlicher Wertschöpfungsketten und der inneren Sicherheit des Landkreises sieht er als zentrale Themen seines Wahlkampfes.

Die Funktion eines Landrates sieht der Politik-Neuling als „Ideengeber“. „Gestalten statt nur verwalten“, ist seine plakatierte Devise. Die Verwaltungsarbeit umsetzen müssten vor allem die Ressortleiter der einzelnen Fachbereiche.

Der zweifache Vater setzt auf Land-Themen: Schnelles Internet überall, Stärkung von Landwirtschaft und Tourismus sowie der Stopp des Windkraftausbaus sind seine Schlagworte. Als Landrat würde er einen Dörfertag als Diskussionsgremium ins Leben rufen und den ländlichen Raum mit einem Mobilitätskonzept stärken wollen, sagt er im MAZ-Gespräch. Probleme sieht er dabei freilich in den „so sehr unterschiedlichen wirtschaftlichen Ausgangslagen der beide Regionen des Landkreises im Berliner und Potsdamer Speckgürtel sowie im eher ländlichen Süden“. Hier sei der Staat in der Pflicht, gleichwertige Lebensverhältnisse zu schaffen und zu finanzieren. Darauf müsse das Leitbild des Kreises völlig neu ausgerichtet werden. Eine Legislaturperiode von acht Jahren biete genug Zeit für eingehende Analysen als Basis für „ein neues Leitbild, das nicht nur aus bunten Bildern besteht“, glaubt Schröder.

Zum Thema Asyl folgt der AFD-Kandidat den allgemeinen Devisen seiner rechtspopulistische Partei. Geflüchtete Menschen sollten kein Bargeld erhalten, um Wirtschaftsflüchtlinge abzuhalten. Ein Praxis, die fast bundesweit als zu bürokratisch und diskriminierend abgelehnt wird. Schröder fordert Einzelfallprüfungen für Asylsuchende und ein Einwanderungsgesetz, das dazu beitragen müsse, „die Leute auf eine Rückkehr in ihre Heimat und den Wiederaufbau dort vorzubereiten“. Kinder von Asylsuchenden sollten in gesonderten Vorschulen unterrichtet und nicht über Integrationsklassen für die jeweilige Schulform qualifiziert werden, sagt der Landtagskandidat gegenüber der MAZ.

Ungefragt schneidet er dann – schon im Gehen – ein Kapitel seiner zwischenzeitlich doch wohl schon einmal politischen Vergangenheit an. In der als rechtsextreme deutsche Kleinpartei eingestuften „Bürgerbewegung pro Deutschland“, kurz Pro Deutschland, sei er nur kurz Mitglied gewesen. „Ich hab aber nicht mal Mitgliedsbeitrag gezahlt“, sagt Sven Schröder.

Von Thomas Wachs

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