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Brandenburgs Porzellanmanufaktur schließt

Dramatisch verändertes Umfeld: Adam & Ziege hören auf Brandenburgs Porzellanmanufaktur schließt

Sie haben sich mit ihren kunst- und humorvollen Porzellankollektionen weltweit einen Namen gemacht, jetzt hören sie auf. Adam & Ziege, Brandenburgs einzige Porzellanmanufaktur, stellt zum Jahresende die Produktion ein. Der Stahnsdorfer Betrieb hatte in den vergangenen zwei Jahren mit einem dramatisch veränderten Umfeld zu kämpfen.

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Stephan Ziege und Thomas Adam (v.l.) hatten jahrelang Erfolg auf internationalen Märkten, jetzt geben sie auf.
 

Quelle: dpa

Stahnsdorf. In Stahnsdorf geht eine Ära zu Ende: Adam & Ziege, Brandenburgs einzige Porzellanmanufaktur, stellt zum Jahresende die Produktion ein und schließt. „Wir sind an dem Punkt angelangt, dass wir sagen müssen: Es funktioniert nicht mehr in der Porzellanbranche mit dem Konzept“, sagte Stephan Ziege der MAZ.

Die Designer Thomas Adam und Stephan Ziege gründeten die Manufaktur vor 25 Jahren und machten sich mit ihren kunst- und humorvollen Porzellankollektionen weltweit einen Namen. Ziege, der gebürtige Thüringer, nennt vor allem zwei Gründe für das Ende der Manufaktur – „die Übersättigung des Marktes und versaute Preise“. Die ganze Branche bekommt das zu spüren. Seit gut zwei Jahren bewegen sich die Umsatzzahlen des Unternehmens vorwiegend in eine Richtung – nach unten. Ziege spricht von einem völlig veränderten Kaufverhalten. „Heute verschenkt man Gutscheine für den Mediamarkt und gibt sein Geld für Handys aus.“ Auch die Tischkultur sei eine andere geworden. „Keiner deckt mehr den Tisch wie unsere Eltern an Sonntagen.“ Und die Schränke der Porzellanfans sind voll, Nachschub wird kaum noch gekauft. „Die Tasse oder den Teller bekommen sie heute auch für einen Euro. Ich kann nie eine Tasse für einen Euro herstellen“, so Ziege. Den Chinesen macht er keinen Vorwurf: „Die sind gut, die machen seit 2000 Jahren Porzellan, leben aber in einem ganz anderen Preisgefüge.“ Die Manufaktur in Stahnsdorf bekam freilich zu spüren, welche Folgen es haben kann, in der Branche einen Namen zu haben. Adam & Ziege kämpften jahrelang gegen billige Duplikate, prozessierten gegen Fälscher in Fernost, die etwa mit Vorliebe die Salzstreuer in Form lustiger Porzellanschweine nachmachten. Erschwerend kommt hinzu, dass der Absatz in Russland wegen des Rubelverfalls eingebrochen ist.

Der bittere Befund ließ den Entschluss reifen, selbst Schluss zu machen, bevor eine Insolvenz drohen könnte. „Wir möchten sauber herauskommen“, so Ziege. Er liebe Porzellan und wollte eigentlich nie etwas anderes machen. „Aber wenn die Leute die Produkte nur noch schön finden, aber nicht mehr kaufen, geht es nicht anders.“ Der Porzellandesigner will seine Branche verlassen. „Ich werde ganz aufhören und werde mein Werkzeug nicht mitnehmen“, sagte er. Eine Hoffnung haben Adam & Ziege noch: Dass sich ein Nachfolger findet, der den Betrieb übernimmt.

Von Jens Steglich

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