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Potsdam-Mittelmark Potsdam-Mittelmark wählt neuen Landrat: Stichwahl am Sonntag
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15:02 09.10.2016
Quelle: dpa
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Bad Belzig

Rund 180.000 Menschen sind am Sonntag dazu aufgerufen, im Kreis Potsdam-Mittelmark einen neuen Landrat zu wählen. Bereits vor zwei Wochen konnte ein Landrat gewählt werden. Weil es keinen Sieger gab, muss nun die Stichwahl entscheiden. Dass sie einen Sieger bringt, hängt von einem wichtigen Faktor ab, dem sogenannten Quorum. Wir erklären, wie viele Stimmen der Sieger braucht und beantworten alle wichtigen Fragen zu Wahl.

Warum wird überhaupt gewählt?

Bereits vor zwei Wochen konnten die Anwohner von Potsdam-Mittelmark ihren Landrat wählen. Weil sich aber keiner der fünf Kandidaten im ersten Wahldurchgang durchsetzen konnte, soll nun die Stichwahl entscheiden.

Wer tritt an?

Amtsinhaber Wolfgang Blasig (SPD) und Franz Herbert Schäfer (CDU) gehen in die Stichwahl. Beim ersten Wahldurchgang vor zwei Wochen konnte Blasig einen deutlichen Wahlsieg erringen, allerdings holte er nur 45,6 Prozent der abgegebenen Stimmen. Für eine erfolgreiche Direktwahl hätte er mehr als 50 Prozent benötigt. Der CDU-Kandidat Schäfer holte mit 21,2 Prozent das zweitbeste Ergebnis der fünf Kandidaten.

MAZ berichtet aktuell vom Wahltag

Die MAZ berichtet am Sonntag aktuell über den Wahltag in Potsdam-Mittelmark. Ab 18 Uhr beginnt die Auszählung, kurz danach werden erste Ergebnisse erwartet, sie lassen eine Tendenz erahnen.

Was wollen die Kandidaten?

Der 62-jährige Amtsinhaber Wolfgang Blasig (SPD) stellt sich zum ersten Mal der Direktwahl eines Landrats. Sein erklärtes Ziel war es, bereits im ersten Durchgang gewählt zu werden. Das hat er knapp verpasst. Eines seiner Hauptthemen ist der öffentliche Nahverkehr, der ausgebaut werden soll. Außerdem sollen sich so die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft verbessern. Ein ausführliches Porträt über Blasig lesen Sie hier.

Der 57-jährige CDU-Kandidat Franz Herbert Schäfer will die Verwaltung bürgerfreundlicher machen. Derzeit ist er Personaldezernent am Brandenburger Oberlandesgericht, wo er 1300 Mitarbeiter unter sich hat. Schäfer will frischen Wind in die Dienstorte der Verwaltung bringen und die Mitarbeiter dazu ermuntern, bei kritischen Entscheidungen die Ermessensspielräume besser zu nutzen. Ein ausführliches Porträt über Schäfer lesen Sie hier.

Wer gilt als Favorit?

Wolfgang Blasig. Er holte im ersten Wahldurchgang nicht nur deutlich die meisten Stimmen aller Kandidaten. Im Vorfeld der Stichwahl haben außerdem die Linken zu seiner Wahl aufgerufen. Der Kandidat der Linken, Klaus-Jürgen Warnick, kam auf 14,1 Prozent.

Spannend wird es sein, wie die AfD-Wähler sich entscheiden. Ihr Kandidat Sven Schröder holte im ersten Durchgang mit 16,3 Prozent ein starkes Ergebnis. Schröder hat nicht zur Unterstützung eines Kandidaten aufgerufen.

Wolfgang Blasig (SPD) ist amtierender Landrat und hat gute Chancen, es zu bleiben. Quelle: MAZ

Ist der Sieger der Wahl zum Landrat gewählt?

Nein. Der Sieger der Wahl muss eine Mindestanzahl an Stimmen auf sich vereinen und damit das sogenannte Quorum erfüllen. Gewählt ist, wer mehr als 50 Prozent der abgegebenen Stimmen holt und mindestens 15 Prozent der Stimmen aller Wahlberechtigten auf sich vereint. Das Quorum liegt bei 26.737 Stimmen. Kurios: im ersten Wahldurchgang schaffte Blasig es zwar nicht die 50-Prozent-Hürde zu reißen, erfüllte dafür aber das Quorum mehr als deutlich. Deswegen könnte der Sieg im ersten Wahldurchgang einen bitteren Nachgeschmack bekommen (siehe nächste Frage).

Die Kandidaten im gemeinsamen MAZ-Interview – das würden sie tun, wenn die Kanzlerin zu Besuch käme.

Was passiert, wenn das Quorum nicht erreicht wird?

Dann gilt die Direktwahl als gescheitert und es gibt eine dritte Wahlrunde – im Kreistag. Die Karten werden dann neu gemischt. Dabei könnte es für Amtsinhaber Blasig durchaus eng werden. Im Kreistag ist Schäfers CDU die stärkste Fraktion und bildet mit Blasigs SPD und den Freien Bürgern und Bauern eine Koalition.

Auch, wenn seine Stimme am Sonntag ihm gehört, Franz Herbert Schäfer (CDU) gilt nicht als Favorit in die Stichwahl. Quelle: Steiner

Ist es wahrscheinlich, dass das Quorum erreicht wird?

Schwierig zu sagen. In der Vergangenheit sind die meisten Direktwahlen von Landräten an dieser Hürde gescheitert – so hatte der Kreistag das entscheidende Wort. Deswegen war das Ergebnis des ersten Wahldurchgangs so überraschend. Die Wahlbeteiligung lag bei 46,6 Prozent, was für eine Landratswahl recht hoch ist. Wolfgang Blasig schaffte zwar das Quorum, nicht aber die 50-Prozent-Marke. Sollte die Wahlbeteiligung am Sonntag ähnlich hoch sein, wird der Sieger das Quorum ohne Probleme erreichen. Bleiben viele Wähler fern, kann es knapp werden. Eine große Rolle spielt auch hier das Verhalten der AfD-Wähler. Für Schröder stimmten mehr als 13.000 Menschen. Entscheiden sie sich fürs Nichtwählen, nimmt das auch Einfluss auf die Wahl.

Welche Rolle spielt die Kreisstadt Bad Belzig?

Eine wichtige. Denn in Bad Belzig wird am Sonntag ein neuer Bürgermeister gewählt. Auch hier muss eine Stichwahl entscheiden. Vor zwei Wochen lag die Wahlbeteiligung bei der Bürgermeisterwahl bei mehr als 62 Prozent. Die Doppelwahl könnte sich also positiv auf die Wahlbeteiligung der Landratswahl auswirken, was wiederum Folgen für das Quorum haben könnte.

Fazit

Die spannende Frage wird am Sonntag wohl eher lauten, schafft Wolfgang Blasig das Quorum und nicht, ob er die Wahl gewinnt. Er geht als klarer Favorit in die Stichwahl. Es wäre eine große Überraschung, sollte er verlieren. Verfehlt er das Quorum, bekommt das Rennen um den Landratsposten eine ganze neue Dynamik. Dass Blasig vom Kreistag zum Landrat gewählt wird, ist wegen der dort starken CDU-Fraktion längst nicht sicher.

Von MAZonline

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