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Kein zusätzlicher Schutz für Flüchtlinge

Nach dem mutmaßlichen Anschlag in Nauen Kein zusätzlicher Schutz für Flüchtlinge

Nicht mal eine halbe Autostunde von Potsdam entfernt, im havelländischen Nauen, ist eine Flüchtlingsunterkunft niedergebrannt. Die Halle war noch nicht bezogen – aber der Schock sitzt tief. Auch in Potsdam? Die Stadt und der Landkreis halten ihre Flüchtlingsunterkünfte für ausreichend gesichert.

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Die in der vergangenen Woche errichtete Wellblech-Siedlung in Brück ist einfach und wie alle anderen Flüchtlingsunterkünfte nur mit dem Nötigsten ausgestattet.

Quelle: dpa

Potsdam/Potsdam-Mittelmark. Nach dem Brand einer als Flüchtlingsunterkunft vorgesehenen Sporthalle in Nauen (Havelland) sehen die Behörden in Potsdam und Potsdam-Mittelmark keine Notwendigkeit, die hiesigen Sicherheitsvorkehrungen zu verschärfen. Die rund 2000 in der Region untergebrachten Asylbewerber seien ausreichend geschützt.

Für die Sicherheit der Liegenschaften und ihrer Bewohner sind in erster Linie die jeweiligen Betreiber zuständig. Das sind in Potsdam die Hoffbauer-Stiftung, der Internationale Bund (IB), die Arbeiterwohlfahrt (Awo) und der Verein Soziale Stadt. Verträge mit der Stadt verpflichten sie dazu, private Sicherheitsdienste einzusetzen. Und diese sind laut Potsdamer Stadtverwaltung auch in allen Einrichtungen im Einsatz.

Dass in Potsdam keine zusätzlichen Wachleute Streife laufen sollen, hängt auch mit der Art der Unterbringung zusammen: Asylbewerber sind in verschiedenen Wohngebieten statt in einer großen Sammelunterkunft in einem dezentralen Industriegebiet einquartiert. „Wir sind eben kein Heim“, sagt etwa Chris Hoffmann vom Wohnungsverbund Haeckelstraße in Potsdam-West. „Die Menschen leben als normale Nachbarn in normalen Wohnungen.“

Auch die Polizei sieht keine Verschärfung der Sicherheitslage in Potsdam, wie Stadtsprecher Jan Brunzlow sagte. Und das Innenministerium betont: „Der wirksame Schutz der asylsuchenden Menschen ist eine prioritäre Aufgabe der Polizei, die sie gewissenhaft umsetzt.“

2013 hatte es bereits einen Brandanschlag auf eine geplante Asylbewerberunterkunft in Beelitz-Heilstätten gegeben. Aber auch im Potsdamer Umland seien die Sicherheitsvorkehrungen heute ausreichend, heißt es von der Kreisverwaltung. „Wir haben überall Wachschutz im Einsatz“, sagte Potsdam-Mittelmarks Sprecherin Andrea Metzler der MAZ. Zusätzliche Mitarbeiter sind nicht geplant. Und auch hier fährt die Polizei regelmäßig Streife.

Hilfe für Flüchtlinge

Eine Sperrzone um Flüchtlingsunterkünfte hält Robert Lüdecke von der Amadeu Antonio Stiftung nicht für sinnvoll. Er fordert stattdessen eine 24-Stunden-Bewachung – „und zwar ab dem Zeitpunkt, wenn klar ist, dass sie an einem bestimmten Ort eingerichtet werden sollen.“ Der Namensgeber der Stiftung, Amadeu Antonio wurde 1990 von rechten Jugendlichen im brandenburgischen Eberswalde zu Tode geprügelt, weil er schwarz war.

„Potsdam ist sehr tolerant“, findet Stadtsprecher Jan Brunzlow. Natürlich gebe es in Bezug auf Flüchtlingshilfe auch in der Landeshauptstadt vereinzelt Neiddebatten, aber „man spürt eine sehr große Hilfsbereitschaft“.

Praktische Hilfe für Flüchtlinge bieten in Potsdam und Mittelmark eine Reihe von öffentlichen Stellen und privaten Initiativen.

Die Servicestelle Tolerantes und Sicheres Potsdam (Tosip) koordiniert und fördert seit kurzem die zahlreichen Netzwerke zur Flüchtlingshilfe in der Stadt. Hier können auch Bedarfslisten für Spenden eingesehen werden: Telefon 0331-2893421

Für Kleinmachnow, Teltow und Stahnsdorf kümmert sich eine kommunale Kontaktstelle um die Flüchtlingshilfe und die zentrale Annahme von Spenden. Diese sollen nicht direkt in die Unterkünfte gebracht werden, sondern können montags bis freitags von 8.30 bis 13 Uhr Am Fuchsbau 47 abgegeben werden: Telefon 033203-8772411. mck

Von den mehr als 2000 Flüchtlingen in der Region, ist der überwiegende Teil im Landkreis Potsdam-Mittelmark untergebracht. Derzeit sind es rund 1200 Menschen. Es gibt jeweils zwei Unterkünfte in Teltow und Stahnsdorf und jeweils eine in Beelitz-Heilstätten, Bad Belzig und Brück. Im Beelitzer Ortsteil Schäpe wird eine weitere derzeit vorbereitet. „Wir wollen künftig keine Turnhallen oder Zelte mehr benutzen“, so Metzler gegenüber der MAZ. Auch die vorübergehend als Notunterkunft genutzte Turnhalle in Michendorf sei inzwischen geräumt.

In der Landeshauptstadt leben derzeit 815 geflüchtete Menschen in zehn Unterkünften. Eine weitere soll im Herbst eröffnet werden. Die Verwaltung achtet auf eine Verteilung der Hilfesuchenden über das gesamte Stadtgebiet, bevorzugt kleinere Wohneinheiten. Die meisten Asylbewerber an einem Standort sind am Lerchensteig untergebracht. Dort wohnen 200 Menschen zusammen. Über 180 Plätze verfügt das Heim im Stadtteil Am Schlaatz, 100 Plätze stehen in Groß Glienicke zur Verfügung. Alle anderen Gemeinschaftsunterkünfte sind kleiner. Außerdem setzt man auf Wohnungsverbundsysteme, in denen geflüchtete Menschen mit anderen Bürgern zusammenleben. Etwas über 100 Geflüchtete sind zudem bereits in eigene Wohnungen einquartiert worden.

Ob, wie bisher prognostiziert, in diesem Jahr einige hundert weitere Flüchtlinge nach Potsdam kommen, ist noch nicht sicher, sagte Stadtsprecher Jan Brunzlow der MAZ. Neu ankommende Asylbewerber müssen sich erst in der Zentralen Aufnahmestelle in Eisenhüttenstadt (respektive in deren Außenstelle in Ferch) einfinden. „Wie schnell die dann auf die Kommunen verteilt werden, bleibt abzuwarten“, so Brunzlow. Dennoch ist die Stadtverwaltung Potsdam noch immer auf der Suche nach weiteren Unterbringungsmöglichkeiten: „Wir prüfen alles!“ Bereits geduldete Flüchtlinge sollen Wohnungen erhalten, wodurch Heimplätze freiwerden.

Auch Mittelmark schafft noch zusätzliche Schlafplätze für Flüchtlinge: 30 in Götz, rund 150 in Neuseddin und 46 in über den Kreis verteilten Wohnungen.

Von Marcel Kirf

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