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Potsdam-Mittelmark Potsdams Umland leidet unter Stau und Abgas
Lokales Potsdam-Mittelmark Potsdams Umland leidet unter Stau und Abgas
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06:20 09.06.2017
Schon am ersten Tag der Markierungsarbeiten für den Modellversuch auf der Zeppelinstraße staute sich der Verkehr. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Werder/Schwielowsee

Die Verengung der Zeppelinstraße in Potsdam hat massive Folgen für das Umland. Seit Anfang der Woche kommt es speziell in Spitzenzeiten des Berufsverkehrs zu kilometerlangen Staus auf der B 1 bis nach Geltow und Werder hinein. Die ohnehin schon angespannte Lage hat sich also schon während der Markierungsarbeiten für den Modellversuch verschärft. Werder und Schwielowsee fühlen sich vor den Kopf gestoßen.

Mehrere Versuche, mit Potsdam ins Gespräch zu kommen, seien gescheitert, wie der 1. Beigeordnete von Werder, Christian Große (CDU), auf Anfrage der MAZ erklärt. Eine Verbesserung der Luftwerte in der Zeppelinstraße könne seiner Ansicht nach nur durch ein gemeinsames Maßnahmenpaket aller Beteiligten erreicht werden, zu dem auch ein guter Verkehrsfluss gehören muss. „Das an Pfingsten begonnene Experiment am Bürger ist, wie sich schon nach den ersten Tagen zeigt, vermutlich zum Scheitern verurteilt“, sagt Christian Große. Auch in der Gemeinde Schwielowsee geht speziell in Hinblick auf Geltow die Angst um, dass sich die Verkehrsströme dramatisch verschlechtern. Bürgermeisterin Kerstin Hoppe (CDU) bezeichnet dies als große Gefahr: „Wir befürchten, dass es zu einer Eskalation im Berufsverkehr kommt“, erklärt Hoppe. Sie wirft der Landeshauptstadt vor, nur sich selbst zu sehen. „Es ist schade, dass unsere Hinweise und Appelle ignoriert worden sind. Wir haben, um dem vorzubeugen, viel in der Arbeitsgruppe Verkehr mitgewirkt“, so die Gemeindechefin.

Eine Umfahrung bringt kaum Vorteile

Die Stadt Potsdam habe ihrer Aussage nach der Gemeinde sogar vorgeworfen, dass der erhöhte Verkehr dadurch zu Stande komme, dass Bürger aus der Gemeinde nach Potsdam pendeln. „Aber das gehört doch heutzutage zum Leben dazu“, sagt Hoppe. Das Allerschlimmste sei, dass man den Stau wegen der Dauerbaustelle auf der Autobahn nicht mal umfahren könne. Auch kritisch sieht sie den bevorstehenden Ausbau der Templiner Straße zwischen Potsdam und Caputh, durch den eine weitere Umgehung ab September wegfällt. „Aber wir brauchen die Sanierung der Straße und haben lange dafür gekämpft“, sagt die Bürgermeisterin. Für Geltow steht zudem der Titel „Staatlich anerkannter Erholungsort“ auf dem Spiel, sollten die Schadstoffwerte in der Luft durch im Stau steckende Autos weiter ansteigen.

Umfrage unter Pendlern und Potsdamern

Das Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung Potsdam (IASS) führt derzeit eine Umfrage unter Anwohnern und Pendlern zur Zeppelinstraße durch.

Das Institut fragt: Wie beeinflussen die Eingriffe die Lebensqualität der Anwohner? Wie nehmen Einwohner und Pendler die Veränderungen wahr? Akzeptiert die Öffentlichkeit die Maßnahmen oder sieht sie diese eher kritisch?

Bis 30. Juni läuft die Umfrage online unter www.climpol.iass-potsdam.de/umfrage

Offensiv sei aus dem Potsdamer Rathaus kommuniziert worden, dass mit der probeweisen Einengung der Zeppelinstraße jedes fünfte Auto aus der Stadt ausgesperrt werden soll. „Bis heute unbeantwortet ist unsere Frage, wie das mit diesem Versuch funktionieren soll und wie diese Nutzer von täglich 5000 Fahrzeugen denn ihre Ziele anders erreichen sollen“, erklärt Christian Große. Wesentliche Elemente wie eine Busspur bis nach Geltow und ein Radschnellweg von Werder nach Potsdam fehlen. Auch der Umsteigepunkt Pirschheide sei für Pendler nicht erreichbar. „Potsdam agiert nach Gutsherrenart“, so Große. Ein einstimmiger Beschluss der Werderaner Stadtverordneten sei einfach übergangen worden. Zudem gehe die Potsdamer Verwaltung mit einer nicht abgestimmten Verlängerung des Versuchs auf bis zu zehn Monate über eine Empfehlung der eigenen Stadtverordneten für einen lediglich drei- bis sechsmonatigen Versuch hinweg. Die Luft in der Zeppelinstraße werde nicht sauberer, wenn das Potsdamer Rathaus mit ihren Aktionen alle vor den Kopf stößt, kritisiert der 1. Beigeordnete. Er bezweifelt, dass der Versuch überhaupt Erfolg hat. Stau, Schritttempo sowie ständiges Bremsen und Beschleunigen von Tausenden Autos seien kaum ein Weg, den Schadstoffausstoß zu reduzieren.

Von Luise Fröhlich

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