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Potsdam-Mittelmark Prachttürme vollendet
Lokales Potsdam-Mittelmark Prachttürme vollendet
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00:23 04.01.2016
Das Team Müller Bau Ferch hat das Werk vollbracht. Quelle: Friedrich
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Petzow

Es ist vollbracht. Fercher Bauleute haben die zwei historischen Staffelgiebeltürme des ehemaligen Rittergutes in Petzow wieder aufgebaut. „Die sechseinhalb Meter hohen Türme als Einfahrtstor waren einmal Bestandteil der historischen Gutsgartenmauer, die den großen Garten der Gutsbesitzerfamilie von Kaehne umschloss“, sagt der Vorsitzende des Petzower Heimatvereins Karl-Heinz Friedrich. „Wie so viele historische Bauwerke in Petzow hatte man die Gutseinfahrt nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen, angeblich, weil Steine für Häuser von Neubauern benötigt wurden.“ Das gleiche Schicksal erlitt seinerzeit eine Reihe von Bauten im Hof des Petzower Herrenhauses.

Prächtige Remisengebäude und der alles überragende Taubenturm wurden laut Friedrich ein Opfer der Spitzhacke. Aber auch anderen Denkmalen ging es – offenbar nicht immer nur unter dem Druck der sowjetischen Besatzer – an den Kragen, erzählt der Petzower. Der an die Gutsbesitzer erinnernde und 1837 aufgestellte Obelisk sei von seinem Sockel gestürzt und verscharrt worden, die Familiengruft geschändet und später unter einem Haufen Erde und Schutt vergraben worden. Die Kirche war von ständigem Vandalismus heimgesucht, Dach und Orgel wurden zertrümmert, Gegenstände gestohlen. Das Spritzenhaus wurde bis auf die Grundmauern abgerissen. Am Schwielowsee verfielen Netze- und Bootshäuser, ebenso zum Fischerhaus gehörende Bauten. Das Waschhaus am Haussee stürzte in sich zusammen, nur die Außenwände blieben stehen. Der Park, „eine Schöpfung Lennés“, wie schon Fontane schrieb, verwilderte.

Erst spät besann man sich des historischen Erbes und begann nach und nach mit der Wiederherstellung und Erhaltung historischer Bauten und des Parkes. „Vielfach von bürgerschaftlichem Engagement vorangetrieben, wurden Park und Kirche restauriert, die einst geschliffenen Denkmale wieder zum Vorschein gebracht“, berichtet Friedrich. Die jetzt fertiggestellten und fortan ortsbildprägenden Türme stellen einen besonderen Höhepunkt in der historischen Ortspflege dar.

Die Idee wurde von Petzows Ortsbürgermeister Bernd Hanike vor zwei Jahren an die Stadt Werder herangetragen, er war auch der Hauptinitiator, erinnert sich Friedrich. Werders Stadtverordnete beschlossen einen Zuschuss von 51 500 Euro aus der Stadtkasse für den Bau der beiden Türme. Durch Sach- und Geldspenden kam das nötige Geld von 70 000 Euro zusammen. Zwei Fördermittelanträge, in die der Heimatverein große Hoffnung setzte, wurden allerdings abgelehnt.

Auf Bitte des Ortsbeirates und der Stadt Werder übernahm der Heimatverein Petzow die Bauherrenschaft. Er bekam im März 2015 die lang ersehnte Baugenehmigung, im August konnte endlich der Grundstein gelegt werden. Der Heimatverein Petzow organisierte in enger Zusammenarbeit mit dem Potsdamer Architekten Gerald Kühn-von Kaehne die notwendigen Planungen und Bauarbeiten. „Gerald Kühn-von Kaehne erwies sich als ein überaus erfahrener und fachkundiger Partner für die Baubegleitung und stand uns stets mit Rat und Tat zur Seite“, sagt Friedrich.

Die Firma Müller Bau aus dem Nachbarort Ferch sowie Dachdeckermeister Frank Schmidt aus Werder packten in den vergangenen Wochen tüchtig zu, setzten historische Ziegel und Dachziegel zu einem Kunstwerk zusammen. „Wesentlichen Anteil am Werk hat auch der Grundstückseigentümer Yves Zimmer, der im Zusammenwirken mit der Stadtverwaltung die Baufläche über eine Grunddienstbarkeit zur Verfügung stellte“, sagt Friedrich. Nun stehen die Türme in ihrer ganzen Pracht unweit von Petzows Kirche, Schloss und Park Petzow. „Anfang 2016 wird noch ein Holzflügeltor eingesetzt. Außerdem soll eine der in Stadt und Ortsteilen bekannten blauen Info-Tafeln aufgestellt werden“, sagt Friedrich. Auf einer kleinen Feierstunde zum Abschluss der Bauarbeiten bedankten sich der Ortsbeirat und Heimatverein bei Architekten und Bauleuten.

Weitere Projekte dieser Art kann man sich im Werderaner Ortsteil Petzow durchaus vorstellen. „Ein Wiederaufbau des verschwundenen Taubenturms und des zerstörten Kirchenkreuzes wären Ziele, um die historische Bausubstanz im denkmalgeschützten Ortskern behutsam weiter zu vervollkommnen“, sagt Friedrich. Somit sind für Verein und Ortsbeirat die nächsten Herausforderungen schon gesetzt.

Von Regine Greiner

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