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„Präsidentinnen“: Zwischen Komik und Tragik

Michendorf „Präsidentinnen“: Zwischen Komik und Tragik

Stehende Ovationen bei der Premiere von „Die Präsidentinnen“ des Theatervereins Kleine Bühne Michendorf. Einziger Handlungsort ist eine Art Wohnküche, die Bühnenbildner Dirk Seesemann wie ein biederes ärmliches Seniorennest mit Teppich, Stehlampe und Uraltfernseher möbliert hat.

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Ortrud Meyhöfer, Marlies Hanowski und Karina Lehmann (v.l.).

Quelle: D. Seesemann.

Michendorf. Werner Schwab, dessen Erfolgsstück „Die Präsidentinnen“ am Freitagabend von der „Kleinen Bühne Michendorf“ im Gemeindezentrum Premiere hatte, war 35 Jahre alt, als er an einer schweren Alkoholvergiftung starb. Seine Biografie liest sich wie ein Horrorszenario. Mit „Die Präsidentinnen“, das 1990 in Wien uraufgeführt wurde, kam die Anerkennung. Schwabs Wortgewalt ist offenkundig und im Lutherjahr ist man geneigt zu sagen: Auch er hat dem Volk aufs Maul geschaut.

Dass diese Sprache auch dem Michendorfer Publikum vertraut vorkam, deutete sich schon nach wenigen Sätzen an, als die ersten mutig drauflos lachten. Dabei geben weder die Protagonistinnen noch deren Geschichte wirklichen Anlass zur Heiterkeit. Die drei Präsidentinnen Erna (Ortrud Meyhöfer), Grete (Karina Lehmann) und Mariedl (Marlies Hanowski) sind zwar befreundet, aber grundverschieden. Was sie eint, sind ihre Enttäuschungen und Verletzungen, aber auch das daraus erwachsene riesige Sehnsuchtspotenzial. Einziger Handlungsort ist eine Art Wohnküche, die Bühnenbildner Dirk Seesemann wie ein biederes ärmliches Seniorennest mit Teppich, Stehlampe und Uraltfernseher möbliert hatte. Regisseurin Christine Hofer hielt sich nicht immer an die Vorgaben des Autors und passte Schwabs Groteske den Gegebenheiten in Michendorf an. Das Ergebnis aber kann sich sehen lassen.

Hofers Inszenierung balanciert auf dem schmalen Grat zwischen Komik und Tragik. Den Darstellerinnen gelang es mit einer Spielwut, die phasenweise ekstatische Züge annahm, das kontaktnah an der Bühne sitzende Publikum von der ersten bis zur letzten Minute zu fesseln. Dabei ähneln etliche Szenen einem Bandauftritt, bei dem jeder der Musiker Gelegenheit für furiose Soloeinlagen bekommt. Als Erna, auf Enkel hoffend, enttäuscht berichtet, dass ihr Sohn Hermann schon „wieder keinen Verkehr aufgenommen hat“, klagt Grete danach bitter, dass ihre Tochter vor neun Jahren nach Australien auswanderte und sich zuvor die Eierstöcke entfernen ließ. Fäkalisch sind die sprachlichen Bilder der katholisch frömmelnden, leidenschaftlichen Klofrau Mariedl mit Berichten von lustvollen Handgriffen ins Innere verstopfter Toilettenkeramik. Sie ist es auch, die mit ihren düsteren Prophetien am Schluss die Freundinnen gegen sich aufbringt. Wie in Trance redet sich die Klofrau um Kopf und Kragen. Das Sterben der letzten Lebensträume von Grete und Erna aber hat für Mariedl furchtbare, kaum zu ahnende Konsequenzen. Unvermittelt hebt sich der letzte noch verbliebene Zivilisationsschleier der Damen. Dabei tönte Leonard Cohens berühmter Song „Hallelujah“, von Jeff Buckleys gesungen, aus dem Lautsprecher als Auftakt eines grausamen Schlussakkords, dem nahtlos der Jubel und die Bravorufe eines restlos begeisterten Publikums folgten.

Info: Nächste Aufführungen am 16. und 17. Dezember, jeweils um 19.30 Uhr, sowie am 18. Dezember um 17 Uhr im Michendorfer Gemeindezentrum „Zum Apfelbaum“

Von Lothar Krone

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