Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam-Mittelmark Preispoker um historische Mühle
Lokales Potsdam-Mittelmark Preispoker um historische Mühle
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:20 18.08.2017
Ex-Bürgermeister Gerhard Stahlberg und Ortsvorsteher Harry Strauch (re.) wollen die Mühle von Marzahna für das Dorf erhalten. Quelle: Thomas Wachs
Marzahna

Ein besonderes Immobilien-Inserat sorgt in Marzahna für Verwunderung. Im Internet zum Verkauf angeboten wird die historische Bockwindmühle. Hintergrund ist ein Streit zwischen der Mühlenvereinigung „Fläming“ e. V., der das historische Holzgebäude offiziell gehört, und dem Ortsbeirat, der das Bauwerk in den zurückliegenden Jahren betreut hat.

Das seit 1895 am Dorfrand stehende Wahrzeichen des Treuenbrietzener Ortsteiles wird zum Kaufpreis von 39 000 Euro – zuzüglich 7,14 Prozent Courtage für das Bad Belziger Maklerbüro – angeboten. Mit im Paket ist das 944 Quadratmeter große Grundstück um die Mühle herum.

Für rund 21 000 D-Mark war das Areal im November 1995 durch Gerd Kehling aus Mellnsdorf (Teltow-Fläming) von den privaten Vorbesitzern und Nachfahren der letzten Müllerfamilie erworben worden. Der Vorsitzende der Mühlenvereinigung „Fläming“ hat den Verkauf damals aus Enthusiasmus privat vollzogen und das Grundstück sodann dem Verein übertragen. Nur so konnte der Mühlenverein Fördergeld für die Sanierung des Technik-Denkmals beantragen. Es sollte zur Schau- und Arbeitsmühle ausgebaut werden. Das gelang nicht.

Verein fehlt das Finanzpolster

Nun beschloss der Verein, dem rund 14 Mitglieder – vor allem private Mühlenbesitzer – angehören, das Gebäude zu verkaufen. Aus dem Erlös sollen die privaten Auslagen an Gerd Kehling zurückgezahlt werden. In den Verkaufsverhandlungen listet der Mühlenverein bei seinen Ausgaben zum damaligen Grundstückspreis zudem rund 29 000 D-Mark für die Erstsanierung des Mühlenhauses samt Technik und Elektroanschluss sowie 18 000 Euro für Nebenkosten, Zinsen und Reparaturen auf. Daraus ergab sich eine Preisvorstellung von 43 000 Euro an den Ortsbeirat.

Zur Historie der Mühle

Im Jahr 1828 gründet Andreas Gottlieb Gensicke, junger Wind- und Mahlmüller-Meister aus Neuenhütte bei Niemegk, die erste Bockwindmühle in Marzahna, damals an der Straße nach Kropstädt.

1892 wird diese Windmühle aus Unachtsamkeit bei Reparaturarbeiten durch einen Brand zerstört.

1895 kauft Friedrich Karl Gensicke in Treuenbrietzen die dort wegen des Neubaus einer Holländermühle nicht mehr benötigte Bockwindmühle und baut sie in Marzahna am heutigen Standort wieder auf.

Die Mühle stammte ursprünglich aus Mecklenburg, wo sie 1839 abgebaut worden war.

1928 erhält sie in Marzahna zur Unterstützung bei Flautre einen elektrischen Antrieb.

1960 wird der Mühlenbetrieb eingestellt, weil er sich nicht mehr rentiert.

1991 erwirbt der Verein „Mühlenvereinigung Fläming“ die Mühle und beginnt mit der Restaurierung.

Im Jahr 2000 wird die Bockwindmühle als technisches Denkmal eingestuft.

Der Mühlenverein verfüge selbst über kein Finanzpolster, um das Bauwerk zu erhalten. Das bestätigt Geschäftsführer Gerhard Rettig aus Cammer auf Nachfrage der MAZ. Daher habe die Mitgliederversammlung dem Verkauf zugestimmt. „Denn sobald mal wieder größere Arbeiten an der Mühle oder Eigenanteile für Fördergelder anstehen, könnten diese nur über Umlagen an Vereinsmitglieder gestemmt werden“, erklärt Rettig.

Er will sich dafür einsetzen, dass die Mühle in Regie des Ortes bleibt. „Ein privater Verkauf wäre nicht optimal. Eine Mühle gehört zum Dorf“, so der Geschäftsführer. Mit einem Kreis von Enthusiasten des Dorf- und Heimatvereins betreut er selbst eine Mühle in Cammer. Rettig bedauert, „dass es seitens von Kommunen überall im Fläming kaum Interesse und Möglichkeiten gibt, historische Mühlen zu erhalten“.

Erstaunt über das Verkaufsinserat

In Marzahna ist Ortsvorsteher Harry Strauch erstaunt über das Verkaufsinserat. „Der Preis ist viel zu hoch“, sagt der Ortschef. Ihm und weiteren Akteuren schwebte bereits die Gründung eines historischen Mühlenvereins im Dorf vor. Dieser könnte die Mühle übernehmen und weiter im Sinne des Ortes als Anziehungspunkt betreiben. So könnten auch Fördergeld und Spenden akquiriert werden, die für die weitere Sanierung und Reparaturen nötig wären. Dazu gab es Gespräche mit dem Mühlenverein.

„Wir hatten einen Kaufpreis von rund 6000 Euro angeboten“, sagt Harry Strauch. Er habe dafür bereits einen Sponsor in der Hinterhand. Das Gebot entspreche nun gut dem Grundstückswert von sechs Euro je Quadratmeter für ein Gewerbeareal. Denn Baurecht bestehe auf dem Platz zwischen Gemeindezentrum und Sportplatz gar nicht. Die Mühlenvereinigung stützt sich indes auf eine Preisauskunft des kreislichen Gutachterausschusses. Der weise für das konkrete Areal 13 Euro je Quadratmeter aus.

Treuenbrietzen hat ein Vorkaufsrecht

Die Mühle selbst kann nach Ansicht von Harry Strauch gar nicht so einfach verkauft werden. Denn sie ist im Jahr 2001 offiziell per Nutzungsvereinbarung dem Ortsbeirat übertragen worden. Er organisiert über Horst und Elke Lange die Pflege des Gebäudes und des Grundstückes sowie Besuche. Zudem habe die Stadt Treuenbrietzen ein Vorkaufsrecht für das historische Bauwerk, das offiziell als Denkmal eingetragen ist.

Schon im Jahr 1995 gab es Bestrebungen, die Mühle an die damalige Gemeinde zu verkaufen. Damals waren 230 000 D-Mark im Gespräch. „Das hatten wir aber abgelehnt“, erzählt Gerhard Stahlberg, der Gemeindevertreter und Bürgermeister war.

„Mit berücksichtigt werden müsste in jedem Fall heute auch das umfangreich aus Steuergeldern geflossene Fördergeld, das zweckgebunden war“, sagt Harry Strauch. Das Geld floss in den 1990er-Jahren für die damals erfolgte Sanierung des Bauwerkes. In mehreren Bauabschnitten wurden von 1993 bis 2001 umgerechnet rund 115 000 Euro verbaut, um die marode Mühle grundhaft zu sanieren.

Mit Spenden die Flügel repariert

Als im Januar 2015 ein Sturm die Windräder beschädigte, kümmerten sich Ortsbeirat und Sportverein um Spenden von Besuchern des im Ort organisierten Festes zum Deutschen Mühlentag sowie von Sponsoren. 8000 Euro kamen zusammen. So wurde voriges Jahr der Neubau der Flügel möglich. Der Ortsbeirat hofft nun auf eine Einigung, um die Mühle in seiner Regie zu behalten.

Von Thomas Wachs

Die Sommerpause ist vorbei, die Michendorfer Volksbühne startet mit vollem Programm noch im August in die Herbstsaison. Theaterfreunde können sich unter anderem auf Komödien, eine tragisches Jugendstück und auf ein Wochenende mit Michendorfer Künstler freuen, bei dem auch Filmlegende Herbert Köfer einen Auftritt hat.

16.08.2017

Etwa einem Dutzend Anwohner in Elsholz stinkt es seit Wochen mal wieder gewaltig. Wenn die einige hundert Meter entfernte Sonac Elsholz GmbH, die tierische Abfälle zu hochwertigem Rohfett verarbeitet, ihre Abwässer in die Elsholzer Kanalisation einleitet, steigt der faulige Geruch aus den Gullys um ihre Siedlung herum zum Himmel hinauf, behaupten die Elsholzer.

15.08.2017
Potsdam-Mittelmark Kleinmachnower gestalten ihr eigenes Museum - Wo die Menschen Wurzeln schlagen

Mit einem modernen Museumskonzept machen sich Kleinmachnower auf die Suche nach ihrer Identität. Mehrere Projektausstellungen bis ins Jahr 2020 sollen den Grundstock für ein digitales Depot und ein festes Heimatmuseum schaffen. Beteiligung ist gefragt, auch für das laufende Projekt zum Thema „Wurzeln“.

15.08.2017