Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 8 ° Sprühregen

Navigation:
Preußen-Schatulle macht Leckerei berühmt

Rogäsen Preußen-Schatulle macht Leckerei berühmt

Potsdam-Mittelmark hat ein neues regionales Produkt. Marion und Karl Geyer kreierten die Rogäsener Schlosswaffeln. Hergestellt wird die Leckerei in einem ortsansässigen Süßwarenbetrieb. Das Designvorbild für die exklusive Verpackung haben die Schlossbesitzer Friedrich dem Großen zu verdanken.

Voriger Artikel
Lachtherapeut will Bürgermeister werden
Nächster Artikel
Planenschlitzer stehlen Kaugummi-Paletten

Marion und Karl Geyer falten Schatullen für die Rogäsener Schlosswaffeln. Im Vordergrund ist das königliche Original zu sehen.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Rogäsen. Marzipantorte mit Schokolade und Sauerkirschen soll seine Lieblingsspeise gewesen sein. Heute würde sich Friedrich II. bei seinem Minister Hans Dietrich von Werder die Taschen des blauen Uniformrocks mit dem knusprigen Betthupferl vollstopfen. Immerhin erlebte Rogäsen mehrfach majestätischen Besuch über Nacht. Doch der Geheime Finanzrat ist wie sein König schon lange tot. Es bleibt also süße Spekulation ob der Alte Fritz vom neuesten regionalen Produkt aus dem Fiener Bruch, dass er höchstpersönlich trocken legen ließ, entzückt wäre. Es sind die Rogäsener Schlosswaffeln.

Seit 1972 Waffeln aus Rogäsen

Auf dem Weg nach Magdeburg hat Friedrich II. mehrfach bei seinem verdienten Staatsminister Hans Ernst Dietrich von Werder (1740 bis 1800) in Rogäsen übernachtet. Der König selbst hatte 1765 den Bau des Schlosses auf den Grundmauern eines Vorgängerbaus unterstützt.

Zusammen mit dem Architekten Gerald Kühn von Kaehne haben Karl und Marion Geyer eine Gesamtkonzept für die künftige Nutzung des Herrenhauses entwickelt. Es wird nach historischem Vorbild restauriert. Das aus Franken stammende Ehepaar erfüllt sich in Rogäsen einen Lebenstraum.

Seit 1991 produziert die Firma Stenger im Gebäude der ehemaligen Rogäsener Molkerei verschiedene Eiswaffeln und anderes Gebäck. Zuvor war dort seit 1972 ein Zweigbetrieb des Konsum-Waffelspezialbetriebes Brandenburg ansässig. Mit der Wende kam das Aus für die in viele Länder exportierte Konsü-Waffeln.

 

Erfunden wurden sie von Marion und Karl Geyer. Das aus Nürnberg stammende Ehepaar kaufte das Herrenhaus 2013 und lässt es Schritt für Schritt sanieren. Inzwischen können sich Paare im einstigen Adelssitz das Jawort geben. Es gibt Konzerte, Ferienwohnungen entstehen. Gerade wird das Dach mit historischen Biberschwänzen eingedeckt. Doch die Besitzer wollten bei allen Plänen, Zahlen und Baugenehmigungen auch etwas für’s Herz entwickeln. Eine Kleinigkeit, die sich jeder Besucher als Erinnerung an Rogäsen mit nach Hause nehmen kann.

Die Rogäsener Schlosswaffeln gibt es in zwei Geschmacksvarianten

Die Rogäsener Schlosswaffeln gibt es in zwei Geschmacksvarianten.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Der Gedanke es mit Waffeln zu probieren lag nahe. Der ortsansässige Süßwarenhersteller Jörg Stenger war von der Idee der Geyers begeistert. Der Firmenchef stellte dem Ehepaar einen Experten zur Seite, der schon seit vielen Jahren für den Waffelproduzenten tätig ist. Eigentlich ist Heinrich Petzold (71) seit einigen Jahren Rentner. Doch den Lebensmittelchemiker, der 30 Jahre am Institut für Getreideverarbeitung in Bergholz-Rehbrücke arbeitete, reizte die Aufgabe eine neue Produktlinie umzusetzen.

Die in Rogäsen produzierten Waffelblätter werden in Glienecke mit Creme versehen und auf Maß geschnitten

Die in Rogäsen produzierten Waffelblätter werden in Glienecke mit Creme versehen und auf Maß geschnitten.

Quelle: privat

Was dabei herausgekommen ist, können die Besucher am morgigen Adventssonntag bei der 1. Rogäsener Schlossweihnacht im Marstall des Herrenhauses selbst testen. Die Waffelkreation, die sich die Geyers patentieren ließen, gibt es in zwei Geschmacksrichtungen. „Wir wollten unbedingt ein regionales Produkt machen. Da boten sich Sanddorn und Kirsche an“, berichtet Waffelexperte Petzold. Zum Beispiel liefert Christine Berger aus Werder den Rohstoff für die Sanddorncreme, die am Stenger-Standort Glienecke produziert wird.

In der ehemaligen Molkerei bekommen auch die in Rogäsen hergestellten Waffelblätter das richtige Maß für die edle Umverpackung. Helle Waffelblätter mit Tiefkarree umhüllen die Sanddorncreme. Die Kakao-Variante ist mit einer Creme aus Kirschen gefüllt. Ein flaches drittes Waffelblatt in der Mitte teilt die Cremeschicht in zwei Hälften.

Ein königliches Präsent

Ein königliches Präsent: Die Rogäsener Schlosswaffeln mit der Original-Hochzeitsschatulle von 1744.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Der einer Schatulle nachempfundene Karton nimmt jeweils vier einzelne in alukaschiertem Papier eingeschlagene Waffeln auf. Und dabei kommt wieder Friedrich der Große ins Spiel. Bei dieser im Besitz der Schlossbesitzer befindlichen Schatulle handelt es sich um das lederne Original, dass der preußische König 1744 seiner Schwester Luise Ulrike von Preußen zur Vermählung mit dem späteren König Adolf Friedrich von Schweden schenkte. „Dieses Hochzeitspräsent diente als Vorlage für eine exklusive Verpackung unserer Waffelspezialität“, berichtet Marion Geyer, die persönlich das Design für die Leckereien aus Rogäsen entworfen hat.

500 Kartonvorlagen hat das Ehepaar zur morgigen Verkaufspremiere selbst zu Waffelschatullen gefaltet. Eine Arbeit, die künftig die Stenger-Frauen übernehmen sollen. Vorausgesetzt die Schlosswaffeln kommen bei den Rogäsen-Besuchern und Friedrich-Fans an. Die Original-Schatulle tut übrigens noch heute ihre Dienste. In ihr werden die Ringe der Brautleute präsentiert, die im Trauzimmer des Schlosses den Bund fürs Leben eingehen.

Von Frank Bürstenbinder

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam-Mittelmark

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg