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Protest gegen geplanten Brückenabriss

Tremsdorf Protest gegen geplanten Brückenabriss

Der einst zuständige Landkreis Zauch-Belzig verpflichtete sich vor gut 100 Jahren, die Brücke über die Nuthe, die Gröben und Tremsdorf verbindet, dauerhaft zu unterhalten. Die Straße und der Überweg gehören inzwischen dem Land, das die Verbindung jetzt kappen will. Gegen den Plan formiert sich allerdings immer breiterer Widerstand.

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Dieses Bild mit den beiden jungen Frauen aus Tremsdorf entstand Anfang der 1930er Jahre. Im Hintergrund ist die Nuthebrücke zu sehen, die Tremsdorf und Gröben seit mehr als 100 Jahren verbindet.

Quelle: Privat

Tremsdorf.  Gegen die geplante Kappung der direkten Verbindung zwischen Tremsdorf und Gröben formiert sich immer breiterer Widerstand. Die beiden betroffenen Kommunen Nuthetal und Ludwigsfelde planen einen neuen Protestbrief an Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) und den Landesstraßenbetrieb. In den Protest reihen sich jetzt auch wichtige Institutionen der Region ein, die sich im Schreiben mit zu Wort melden. Auf die Barrikaden steigen zum Beispiel die Akteure des Naturparks Nuthe-Nieplitz, der Agro Saarmund und des Tourismusverbandes Fläming. „Die Verbindung ist Teil der Teltow-Nuthetal-Route und damit ein wichtiges Tor zum Naturpark Nuthe-Nieplitz aus der Metropole Berlin. Andernorts in Brandenburg wird versucht, die Infrastruktur für eine umweltverträgliche Mobilität und Erholung zu verbessern – hier soll eine vorhandene wichtige Verbindung zerstört werden. Dies ist nicht zu verstehen“, heißt es etwa in der Stellungnahme der Naturparkleiterin Kordula Isermann.

Parallel laufen in Tremsdorf (Nuthetal) und Gröben (Ludwigsfelde) Unterschriftensammlungen für eine Petition ans Land. Alle vereint ein Ziel: Den Abriss der Brücke verhindern. Die Unterzeichner des Briefes, der noch auf dem Tisch des Ludwigsfelder Bürgermeisters liegt, fordern den Erhalt der alten Verbindung zumindest für Fußgänger, Radfahrer, Reiter und Landwirtschaftsfahrzeuge. „Der Rückbau der Brücke ist nicht akzeptabel ohne eine Alternative, die der Bedeutung für die Regionalentwicklung im Naturpark Nuthe-Nieplitz gerecht wird“, heißt es im Brief.

Der Überweg gilt als marode, das Land scheut die Kosten für die Instandsetzung oder den Neubau und verweist auf einen geringen Fahrzeugverkehr. Die Verbindung, es ist die Landesstraße 771, soll deshalb ersatzlos wegfallen. Auf die jeweils andere Seite der Nuthe gelangt man dann nur noch über Umwegen. Das trifft auch die Agro Saarmund. Der Betrieb bewirtschaftet auf beiden Seiten des Flusses Flächen. Gekappt wird auch eine der Genießertouren, die Dörfer, Gasthäuser, Museen und andere Hingucker in der Region für Ausflugsgäste verbindet. Sie führt über den Rad- und Wanderweg zwischen Gröben und Tremsdorf, der ohne Brücke zur Sackgasse wird.

Der Brückenabriss wäre auch ein unehrenhafter Schlussstrich hinter einer gut 100-jährigen Geschichte, in der enge Beziehungen zwischen den Ortsbewohnern auf beiden Seiten der Nuthe wachsen konnten. „Einige Tremsdorfer haben verstorbene Verwandte auf dem Friedhof in Gröben, besuchen die Gaststätten und Dorffeste dort oder sie gehen in die Gröbener Kirche. Tremsdorf hat kein eigenes Gotteshaus“, erzählt Angela Schneider. Die Tremsdorferin ist Vorsitzende des Nuthetaler Geschichtsvereins und hat in Archiven einiges zur Historie entdeckt: „Es war die erste befestigte Straße in Tremsdorf überhaupt.“ Gebaut wurde sie 1905/06 und damit 20 Jahre früher als die Verbindung nach Saarmund. Die Tremsdorfer hatten damit Zugang zu einem Straßennetz, das im Nachbarkreis Teltow unter Regie des Landrates Ernst von Stubenrauch entstanden war. Im Landkreis Zauch-Belzig, zu dem Tremsdorf gehörte, gab es zu der Zeit nur Sandwege. Den Bau der ersten Holzbrücke über die Nuthe hatte der Kreis Zauch-Belzig bereits 1904 übernommen. Aus Dokumenten geht hervor, dass der Landkreis sich verpflichtete, die Brücke nicht nur zu bauen, sondern auch dauerhaft zu unterhalten. Wäre Hitler nicht an die Macht gekommen, könnten die Tremsdorfer heute den Nachfolger-Landkreis bei der Erhaltung der Brücke in die Pflicht nehmen. „Erst unter Hitler ist die Straße nach Gröben zu einer Landesstraße gemacht worden“, weiß Angela Schneider. 1936/37 baute dann der Reichsarbeitsdienst eine Betonbrücke, die bis heute stehen geblieben ist, inzwischen aber nur noch von Fußgängern und Radfahrern genutzt werden darf.

„Zu DDR-Zeiten fuhr noch der Schulbus über den Gröbener Damm und brachte Fahlhorster Kinder in die Schule nach Tremsdorf“, erzählt Schneider. Noch früher, in den 1940er Jahren, schnappte sich der Ortsbauernführer Jugendliche, die in den Kriegswintern die Straße vom Schnee befreiten, damit das Milchauto durchkam. „Danach haben wir uns bei Bekannten umgezogen und sind zum Fastnachtsvergnügen nach Gröben gegangen“, erinnert sich Bruno Stoof, Jahrgang 1928, der beim Schneeräumen dabei war. „Seit September 2016 dürfen wir nicht mal mehr mit unserer Pferdekutsche über die Brücke fahren“, so Angela Schneider. Der Tremsdorfer Ortsverein organisiert traditionell Kutschfahrten für Rentner im Ort. „Jetzt ist die gesamte Richtung nach Osten versperrt.“

Von Jens Steglich

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