Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam-Mittelmark Unfall zu Weihnachten: War es Mord?
Lokales Potsdam-Mittelmark Unfall zu Weihnachten: War es Mord?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:47 13.12.2017
Am Unfallort bei Güterfelde bot sich den Helfern am 25. Dezember 2015 ein verheerendes Bild. Quelle: Julian Stähle
Anzeige
Saarmund

Ein Unfall wie so viele auf einer märkischen Landstraße – danach sah es zunächst aus, als Polizei, Feuerwehr und Notarzt am ersten Weihnachtsfeiertag 2015 vor dem völlig zerstörten Kleinwagen standen, der auf der L 77 zwischen Güterfelde und Saarmund gegen einen Baum gerast war. Die Frau, die auf dem Beifahrersitz saß, starb noch an der Unfallstelle. Der Mann, der den Wagen gelenkt hatte, kam mit schweren Verletzungen per Hubschrauber ins Krankenhaus. Seit März 2017 sitzt er in Untersuchungshaft in Wulkow (Ostprignitz-Ruppin), seit Dienstag auf der Anklagebank des Potsdamer Landgerichts: Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, seine damals 57-jährige Ehefrau Anna A. ermordet zu haben – heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen.

Auf der schnurgeraden Straße waren keine Bremsspuren zu finden

Als Jörg Möbius die Akte auf den Tisch bekam, sah auch für ihn zunächst alles nach einer fahrlässigen Tötung aus. Doch etliche Indizien machten den Staatsanwalt stutzig. Die Straße – schnurgerade. Bremsspuren fehlten. Ein Zeuge, der dem weißen VW Up entgegen gekommen war, berichtete, dass der Wagen kontrolliert auf den Straßenbaum – der einzige weit und breit – zugehalten hatte. Die Geschwindigkeit soll bei etwa 100 Stundenkilometern gelegen haben.

Der Angeklagte kam damals mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus. Quelle: Julian Stähle

Die weiteren Ermittlungen enthüllten, dass Michael A. – geboren in Moskau, Sohn eines Waffenkonstrukteurs und einer Hirnforscherin, selbst Facharzt für Psychiatrie und dreifacher Vater – in den vergangenen Jahren mehrmals mit dem Gedanken gespielt hatte, sich das Leben zu nehmen. Seine Depressionen kamen und gingen – und so auch die Frauen.

„Wenn ich einmal einen Unfall habe, dann war es kein Unfall“

Die Lettin Anna A. war seine dritte Ehefrau. Per Annonce hatte sie einen Mann in Deutschland gesucht und in Michael A. gefunden. Dieser war einst der Liebe den weiten Weg aus Russland nach Potsdam gefolgt, aber in der neuen Heimat sitzengelassen worden. Auch die Beziehung mit Anna A. war wohl eine brüchige: Laut Gerichtssprecher Sascha Beck hat sich die Frau mehrmals von Michael A. getrennt. Ende 2015, meint Staatsanwalt Jörg Möbius, wollte sie erneut Schluss machen. Wusste sie, dass sie womöglich in Gefahr war? Einer Freundin soll sie anvertraut haben: „Wenn ich einmal einen Unfall habe, dann war es kein Unfall.“ Weitere Zeugen berichteten den Ermittlern, dass Michael A. bereits 2014 angekündigt habe, dass er und seine Frau sich gemeinsam umbringen werden.

Das Gericht muss nun klären, ob der Unfall ein von beiden geplanter Selbstmord war – oder eben nicht. Staatsanwalt Jörg Möbius wirft dem Angeklagten vor, dass Anna A. nichts von dem Vorhaben, das Auto just auf dieser Tour gegen den Baum zu setzen und so aus dem Leben zu scheiden, wusste. Sie konnte sich demnach nicht wehren und war arglos, was der Angeklagte bewusst ausgenutzt und daher heimtückisch gehandelt habe. Dass die sterbende Frau Gummibärchen im Mund hatte, könnte ein Hinweis für ihre Ahnungslosigkeit sein.

20 Zeugen an acht Verhandlungstagen

Michael A. streitet die Vorwürfe ab. Für den Prozess sind acht Verhandlungstage angesetzt. Es sollen 20 Zeugen aussagen und zudem drei Sachverständige. Die Verhandlung wird am Donnerstag, 21. Dezember, fortgesetzt.

Von Nadine Fabian

Potsdam-Mittelmark Heimatverein stellt neuen Band vor - Werders Heimatheft in einer Doppelausgabe

Pünktlich zum Jahresende hat der Heimatverein Werder wieder seine Heimatgeschichtlichen Beiträge fertig gestellt und am Dienstag im Rathaus vorgestellt. Im Jubiläumsjahr der Blütenstadt ist es eine Doppelausgabe geworden, die 144 Seiten hat. Die Geschichten sind bunt und vielfältig, sowohl inhaltlich als auch stilistisch.

12.12.2017

Es ist ein mühsamer Weg, den die Gemeinde Kloster Lehnin und die Stiftung „Der Kinderfreund“ eingeschlagen haben, um in Reckahn aus einem abrissreifen Gebäude ein Kulturzentrum zu schaffen. Noch immer liegt für das Millionenprojekt keine Baugenehmigung vor.

15.12.2017

Lange haben die Caputher und die Gemeinde Schwielowsee dafür gekämpft: Auf der Michendorfer Chaussee soll bald Tempo 30 gelten. Der Kreis hat kürzlich die Zusage erteilt, nachdem das Verkehrsamt vorherige Anträge abgelehnt hatte. Es ist ein Erfolg, der aber auch einen kleinen Haken hat.

12.12.2017
Anzeige