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Prüffirma baut an der Bergmeierei um

Geltow Prüffirma baut an der Bergmeierei um

In den vergangenen Wochen ist auf dem Gelände der Bergmeierei in Geltow einiges passiert. Aus Betonfertigteilen ist der Anbau, in dem neue Ausbildungsräume unterkommen sollen, hochgezogen worden. Das im Bestandsgebäude ansässige Prüfunternehmen FSP hat sich bewusst für eine Investition in die älteren Gemäuer entschieden.

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Architekt Jochen Janssen (l.) und FSP-Geschäftsführer Ralf Strunk stehen vor dem neuen Anbau.

Quelle: Luise Fröhlich

Geltow. Die Bergmeierei am Rande des Wildparks in Geltow ist ein Buch mit sieben Siegeln. Daten und Unterlagen zum Bestandsgebäude am ehemaligen Ausflugsrestaurant sind nur noch wenige übrig, wie Architekt Jochen Janssen sagt. Derzeit wird das Gebäude, in dem die Fahrzeug-Sicherheitsprüfung (FSP) GmbH sitzt, erweitert. In den vergangenen Wochen ist viel passiert auf dem Gelände, denn mittlerweile stehen schon die beiden Geschosse des Anbaus, gefertigt aus Betonfertigteilen. „Wir mussten erstmal eine Basis für die Erweiterung herstellen, denn für das Bestandsgebäude war nicht mal mehr eine Baugenehmigung auffindbar“, berichtet Jochen Janssen. Aber auch die Lage der Bergmeierei im Außenbereich und in der Trinkwasserschutzzone haben die Erweiterungsplanung erschwert, wie der Architekt erzählt.

Seit der Gründung der FSP Anfang der 90er-Jahre sitzt die Überwachungsorganisation in Geltow. Nach Angaben von langjährigen Mitarbeitern, die noch zu Zeiten des Amtes für Sicherheit und Materialprüfung vor der Wende auf dem Gelände der Bergmeierei tätig waren, gab es noch bis 1997 einen Gastronomiebetrieb in dem Restaurant. Für die Mitarbeiter des Amtes sei damals das heutige Bestandsgebäude umfunktioniert worden. Bevor es aber genutzt werden konnte, kam die Wende. Entstanden sei es wohl in den 1980er-Jahren, so Jochen Janssen. Wo heute die FSP-Mitarbeiter sitzen, waren früher auf drei Etagen Zimmer mit eigenen Bädern. Im Erdgeschoss befinden sich noch immer die Schulungsräume.

Vier neue Räume entstehen

Das Unternehmen ist Eigentümer von Grundstück und Gebäude und braucht jetzt dringend mehr Platz. Denn sowohl die Zahl der Partner als auch die Umsätze steigen seit der Gründung stetig, sagt Susanne Häberer, Mitarbeiterin im Marketing und Vertrieb. „Ohne Erweiterung hätte sich FSP einen neuen Standort suchen müssen.“ Ein wichtiges Standbein am Unternehmenssitz in Geltow ist die Ausbildung von Kfz-Prüfingenieuren und Kfz-Sachverständigen. Etwa 80 studierte Ingenieure kommen jedes Jahr zur Bergmeierei. Untergebracht werden sie für diese Zeit in Hotels oder Pensionen in Geltow. Auf die einjährige Erstausbildung folgen im Laufe der Arbeitsjahre andere Pflichtweiterbildungen, so dass der Bedarf langfristig besteht, erklärt Suanne Häberer.

Der Anbau verlängert das Verwaltungsgebäude

Der Anbau verlängert das Verwaltungsgebäude.

Quelle: A3-Architekten

„Drei neue Ausbildungsräume und ein vierter flexibler Raum entstehen in dem Anbau“, so Jochen Janssen. Hinzu kommen Lagerflächen für Stühle sowie ein Sanitärbereich im Keller. Begonnen haben die Arbeiten im September. Wenn Mitte 2018 der Innenausbau fertig ist, wird anschließend das Bestandsgebäude saniert. „Die Räume werden den heutigen Standards angepasst“, sagt Jochen Janssen. In dieser Bauphase werden dann auch die einst beliebte Ausflugsgaststätte und der Verbindungsbau abgerissen. Die Terrasse des Restaurants, zu dem die Besucher von der B 1 aus über eine Treppe gelangt sind, ist mittlerweile zugewachsen. Gemütlich sitzen könne man dort bei dem Straßenlärm heutzutage ohnehin nicht mehr, sagt Jochen Janssen.

Herausforderungen bei der Planung

Die Suche nach Baufirmen erschwere eine konkrete Vorhersage, wann die Bauarbeiten insgesamt abgeschlossen sein werden, so der Architekt weiter. Geplant ist die Fertigstellung im Jahr 2020. Weil die Bergmeierei einerseits in der Trinkwasserschutzzone des Wasserwerkes „Potsdam Wildpark“ liegt und zudem noch das Landschaftsschutzgebiet „Potsdamer Wald- und Havelseengebiet“ tangiert, musste die Planung einige Auflagen erfüllen. So sollte sich der treppenartige Bau zum Beispiel an das vorhandene Gebäudevolumen anpassen. Die Dächer werden begrünt und das Wasser flach versickert, erklärt Jochen Janssen. Erforderliche Ausgleichsgutachten liegen vor. Die Untere Naturschutzbehörde (UNB) und das Bauordnungsamt des Landkreises sowie die Gemeinde Schwielowsee hatten der Erweiterung zugestimmt.

Seit 1993 sitzt die Zentrale in Geltow

Die Fahrzeug-Sicherheitsprüfung GmbH (FSP) bezog ihre Zentrale in Geltow im Juli 1993.

1989 wurden bereits die Weichen für die Gründung gestellt. Denn mit der Wende wurden für alle Bundesländer die gleichen Rechte für die Kfz-Überwachungs- und Zulassungssysteme eingeführt.

Mit der Liberalisierung des Prüfwesens konnten fortan freiberufliche Kfz-Sachverständige eine amtlich anerkannte Überwachungsorganisation (ÜO) bilden. Die Vorgaben der Straßenverkehrszulassungsordnung sahen jedoch vor, dass dazu mindestens 40 selbstständige, hauptberufliche tätige Sachverständige nötig sind.

Der Tüv Rheinland sandte ein Projektteam und wurde zum Gründungspaten der FSP, um die Kfz-Ingenieure zu informieren und zu begleiten. FSP begann im Februar 1991 mit den ersten Prüfungen.

Mit 40 Mitarbeitern sind derzeit alle Büros im Verwaltungsgebäude der Bergmeierei besetzt.

Laut Chronik des Heimatvereins Geltow ist der ursprüngliche Teil der Bergmeierei bereits im Jahr 1900 entstanden.

Bemerkenswert sei für den Architekten die besondere Verbindung der Mitarbeiter und Prüflehrlinge zum Gebäude und der Umgebung. „Sie fühlen sich hier sehr wohl. Ich habe selten erlebt, dass es einen so großen Außenbezug gibt“, sagt er. Dass FSP den Standort nicht aufgibt, sondern in ihn investiert, würde auch die Unternehmensphilosophie widerspiegeln, verrät Susanne Häberer. Denn Nachhaltigkeit werde bei dem Prüfdienstleister groß geschrieben. In den neuen Räumen will FSP künftig noch mehr Prüfingenieure und Sachverständige ausbilden.

Unternehmen ist in zwei Bereichen tätig

Das Unternehmen ist in zwei Bereichen tätig. Das amtliche Geschäft umfasst zum Beispiel die Hauptuntersuchung an Autos, die von den Prüfingenieuren abgenommen wird. FSP arbeitet dabei mit Werkstätten zusammen, die festgelegte Prüftage haben und bedient zudem auch eigene Prüfstellen, beispielsweise in Potsdam. Der andere Zweig liegt im Schaden- und Wertbereich und beinhaltet unter anderem Gutachten an Fahrzeugen nach Schäden oder Veränderungen, die Sachverständige vornehmen.

FSP ist einer von mehreren Dienstleistern auf diesen Gebieten und ein Partner des Tüv Rheinland. Andere Anbieter sind die Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ), der Konzern Tüv Rheinland selbst oder die Prüfgesellschaft „Dekra“.

Von Luise Fröhlich

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