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Querfeldein mit der Kutsche in die Lutherstadt

Bad Belzig Querfeldein mit der Kutsche in die Lutherstadt

Im Lutherjahr gibt es unzählige Veranstaltungen, die sich um den großen Reformator drehen. Auch im Hohen Fläming beteiligen sich viele daran. So werden in diesem Sommer Fahrten mit einer alten Postkutsche angeboten, die – wie es in alten Zeiten tatsächlich war – querfeldein von Bad Belzig in die Lutherstadt Wittenberg führen. Die MAZ ist mitgefahren.

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Stilecht in alten Gewändern ging es für die Teilnehmer auf die Postkutschen-Tour.

Quelle: Christiane Sommer

Bad Belzig. „In etwa kann ich mir jetzt vorstellen, wie man im Mittelalter gereist ist“, so Ulrich Naumann aus Rochlitz. Der 71-Jährige gehörte zu einer zwölfköpfigen Reisegesellschaft, die kürzlich zu einer Postkutschentour auf den Spuren Martin Luthers aufbrach.

Die 35 Kilometer lange Tour ins Mutterland der Reformation mit Start in Bad Belzig wurde dabei zu einer Tagesreise. „Obwohl Luther es natürlich nicht so bequem hatte wie wir“, ergänzt Ehefrau Doris. Der Historiker Thomas Langer, der die Sonderfahrt im Jubiläumsjahr der Reformation organisiert hat, nickt zustimmend.

Unterwegs wurde ein Picknick abgehalten

Unterwegs wurde ein Picknick abgehalten.

Quelle: Christiane Sommer

Hätte er die Reise mit einem zeitgemäßen Gefährt angeboten, hätte sich die Reisegesellschaft mit einem einfachen und ungefederten Kastenwagen zufrieden geben und wohl auch auf Strohsäcken Platz nehmen müssen. „Diese Postkutsche ist der Mercedes unter den Kutschen jener Zeit“, sagte der Kurstädter zu dem Reisefahrzeug, das noch vor 200 Jahren regelmäßig auch als solches genutzt wurde.

Sieben Stunden dauerte die 35 Kilometer lange Tour auf der alten Heer- und Handelstraße von Bad Belzig nach Wittenberg. Es ging querfeldein. Holpriges Kopfsteinpflaster, märkischer Sand und teils asphaltierte Wege wechselten unterwegs einander ab. Die weite, durch die Eiszeiten geprägte Fläminglandschaft zeigte dabei ihr schönstes Gesicht. Von Kornblumen umsäumte Getreidefelder, duftende Heckenrosen und stille Wälder rahmten den fast endlos erscheinenden Horizont. Mutter Natur sorgte in der Reisegesellschaft immer wieder für entzücken.

Die Pferde von Tino Baatz aus Oberjünne beim Tränken

Die Pferde von Tino Baatz aus Oberjünne beim Tränken.

Quelle: Christiane Sommer

„Wir folgen nach 150-jähriger Unterbrechung jener Route, die erstmals 1703 von der fahrenden Post Kursachsens genutzt wurde. Auch zuvor war diese Verkehrsverbindung von überregionaler Bedeutung. So reiste beispielsweise Martin Luther im Januar 1530 über den alten Pass zur ersten Kirchenvisitation nach Belzig“, berichtete Langer auf halber Strecke.

Die Reisenden, fast allesamt nicht aus dem Fläming, hatten unterwegs viel Zeit. Wer sich auf die Tour eingelassen hatte, musste bereit für eine Entschleunigung sein. Wie Johanna und Paul Schuchardt aus Blankensee: Die Postkutschentour hatten sie als Geschenk erhalten. Mittelalterlich gewandet bestiegen die Eheleute die Postkutsche. „Wir wollen schließlich nach Wittenberg und nach unserer Ankunft dort noch die Luther-Hochzeit feiern“, sagten sie. Zum 23. Mal feierten die Wittenberger an jenem Wochenende den Tag, an dem Martin Luther und Katharina von Bora sich einst das Ja-Wort gaben.

Hintergrund

Neben der Postkutschentour via Wittenberg bietet Thomas Langer weitere touristische Reisehighlights quer durch den Hohen Fläming an. Interessierte haben die Qual der Wahl - zwischen einer Handvoll Erlebnistouren mit Zeitreisepotenzial und anderen Postkutschentouren.

Auf den Spuren Martin Luthers von Bad Belzig nach Wittenberg verkehrt die Postkutsche im noch einmal im August und im September.

Weitere Informationen unter www.flaeming-tourist.de.

Die strengen Sicherheitsbestimmungen für das große Fest sorgten deshalb auch dafür, dass die Reisegesellschaft ihr eigentliches Ziel – die Thesentür der Schlosskirche – nicht erreichen konnte. Ein Parkplatz wurde notgedrungen zur Endhaltestelle.

Aber selbst dort wurde die mit den vier schweren Kaltblutpferden bespannte Postkutsche immer wieder zum beliebten Fotomotiv. „Es ist toll, dass es Menschen gibt, die so etwas einmaliges organisieren“, lobte Bernd Struck aus Wildau. Er reiste mit Ehefrau Magdalena und deren Schwester Dagmar Bendig aus Berlin mit der Kutsche. „Wir hatten uns fest vorgenommen, eine Veranstaltung im Lutherjahr zu besuchen. Als wir in der MAZ von dieser Tour gelesen hatten, stand für uns sofort fest, dass wir mitfahren und dies unsere Reformationsveranstaltung wird“, so der 68-Jährige.

Im August und September wird die Postkutsche noch einmal auf Luthers Spuren gen Wittenberg rollen. Jüngst wurde auch für das Fernsehen angespannt, das inzwischen ebenfalls über die Jubiläumstour berichtet hat.

Von Christiane Sommer

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