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Radfahrer als „Rammböcke der Nation“

Späte Kritik an Ausbauplänen Radfahrer als „Rammböcke der Nation“

In Treuenbrietzen ist die SPD-Fraktion mit ihrem späten Vorstoß gescheitert, mit dem sie die seit einem Jahr laufende Planung zum Ausbau der Ortsdurchfahrt der B 2 in der Berliner Chaussee neu diskutieren wollte. Besonders die Führung der Radfahrer auf der Fahrbahn wird scharf kritisiert. Auch für die B 102 fühlen sich Bürger ungenügend in die Ausbaupläne eingebunden.

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Wenn die Berliner Chaussee in Treuenbrietzen ab 2016 ausgebaut wird, sollen Radspuren auf der Fahrbahn statt Radwege entstehen.

Quelle: Thomas Wachs

Treuenbrietzen. Als „Rammböcke der Nation“ sieht Frank Ernicke Treuenbrietzener Radfahrer, weil sie künftig „unnötigen Risiken ausgesetzt werden“. Mit scharfen Worten hat der SPD-Fraktionsvorsitzende in der Sitzung der Stadtverordneten die vom Landesbetrieb Straßenwesen Brandenburg (LSB) verfolgten Pläne zum Ausbau der Berliner Chaussee an der Ortsdurchfahrt der B 2 kritisiert. Wie mehrfach berichtet, sollen bei dem ab nächstes Jahr geplanten Ausbau zwischen Nieplitzbrücke und Ortsausgang Richtung Potsdam die maroden Radwege entfallen und durch Radspuren auf der Fahrbahn ersetzt werden. „Dabei gibt es dort genügend Platz, um getrennte Wege zu bauen, die mehr Sicherheit besonders auch für Schüler und ältere Radler bieten“, so Ernicke.

Die Mehrheit der Stadtverordneten trug den spontanen SPD-Antrag für Radwege nicht mit. Auch der von CDU-Chefin Anja Schmollack beantragte Rückverweis in den Fachausschuss wurde abgelehnt. „Wir haben seit gut einem Jahr mit Planern stets öffentlich über Entwürfe diskutiert und einige Änderungen eingebracht“, sagte Bürgermeister Michael Knape (parteilos). „Irgendwann muss Schluss sein, um anfangen zu können“, ergänzte Christoph Höhne. Der Zustand der alten Wege sei „oft bereits Anlass für Kritik“, so der Bauamtsleiter. Er kündigte nun die Ermittlung der Kosten an. Danach sollen Anlieger bei einer Versammlung im Januar über den Ablauf und die Höhe der individuellen Beiträge informiert werden, die sie für die Seitenbereiche und Beleuchtung leisten müssen.

Anders als bei Anliegerstraßen, wo Grundstücksbesitzer 90 Prozent der umlagefähigen Kosten der Kommune tragen, werden sie an der Haupterschließungsstraße mit 60 Prozent beteiligt. 40 Prozent trägt die Stadt. Würde sie auf einen Radweg drängen, lägen die Kosten dafür bei der Kommune sowie anteilig bei Anliegern. Für das Bauvorhaben sind Gesamtkosten von rund 815 000 Euro kalkuliert. Auf die Kommune entfallen davon 395 000 Euro. Ihr Anteil werde in Teilen vom Land gefördert.

Die Kommune favorisiert auch aus Sicherheitsgründen die vom Land vorgeschlagenen Radspuren auf der Fahrbahn. Diese Variante werde auch vom Radclub ADFC bundesweit unterstützt, weil Konfliktpunkte an Einmündungen und Zufahrten reduziert werden. Als genehmigungsfähig gelte im Bauabschnitt jetzt auch ein Tempolimit auf 30 Stundenkilometer, kündigte Höhne an.

Ebenfalls beschloss die Mehrheit der Stadtverordneten die Neugestaltung der Seitenbereiche an der Belziger Straße sowie in der Friedhofskurve an der L 85. Wie zuvor einzelne Anlieger der Berliner Chaussee kritisierte auch Klaus-Dieter Nitzschke die ungenügende Einbindung seiner Nachbarn. „Wir freuen uns zwar, an der B 102 endlich einen Gehweg in die Stadt zu erhalten“, so Nitzschke. „In Details wären aber andere Lösungen möglich“, so der fachkundige Anlieger. Für die Projekte rund um die Belziger Straße rechnet die Stadt mit eigenen Kosten von 372 000 Euro. Auch dort sind Anliegerbeiträge fällig.

Von Thomas Wachs

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