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Rätsel um Autowerkstatt in Töplitz

Anwohner starten Initiative Rätsel um Autowerkstatt in Töplitz

Die Anwohner der Heidestraße in Töplitz haben genug von Lärm, Schmutz und Staub. Seit einiger Zeit gehen sie gegen die Autowerkstatt vor, die sich vor Jahren in einer Halle oberhalb der Straße niedergelassen hat. Für die einst als Lagerstätte gebaute Halle gibt es keine Baugenehmigung, wie ein Anwohner herausfand. Die Bauaufsicht bestätigt dies.

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Seit etwa 16 Jahren wird die einstige Lagerhalle an der Heidestraße in Töplitz unter anderem als Autowerkstatt genutzt.

Quelle: Privat

Töplitz. Den Anwohnern der Heidestraße in Töplitz reicht es. Seit geraumer Zeit beobachten sie, dass immer mehr Autos, große Transporter mit Anhängern und Baufahrzeuge durch ihre enge Anliegerstraße fahren und dabei nicht nur Lärm machen, sondern auch Staub und Schmutz hinterlassen. 30 Töplitzer haben sich deshalb zusammengetan und wollen dagegen vorgehen. Im Visier haben sie die Nutzer der Halle oberhalb der Straße, darunter den Betreiber der Autowerkstatt Michael Zosky. „Besonders die größeren Fahrzeuge, die über die Heidestraße Richtung Friedhof über einen Sandweg zu der Halle fahren, sind sehr störend“, schrieben die Anwohner in einem Brief an die Stadtverwaltung Werder im September vergangenen Jahres. Im November ist der Beschwerdebrief, auf der dritten Seite unterschrieben von den 30 Töplitzern, dort eingegangen. Geändert hat sich an der Situation seitdem kaum etwas.

Federführend bei der Initiative ist Uwe Hinzmann, der in der Zwischenzeit unter anderem Nachforschungen beim Gewerbeamt, der Unteren Bauaufsichtsbehörde und dem Landesamt für Umwelt angestellt hat. Der Verdacht hat sich erhärtet, dass für die Halle – nach Angaben der Anwohner einst eine Lagerhalle – keine Umnutzungsgenehmigung vorliegt. Das Landesamt für Umwelt bestätigt dies in einem Schreiben an Hinzmann, das der MAZ vorliegt. Die Stadtverwaltung Werder verwies auf die Zuständigkeit der Unteren Bauaufsichtsbehörde des Landkreises Potsdam-Mittelmark. Dieser teilte auf Anfrage Anfang Mai zunächst mit, dass keine förmliche Genehmigung vorliegt und ein ordnungsrechtliches Verfahren begonnen wurde. „Nach Lage der Dinge ist mit einem Bauantrag zu rechnen, damit ein rechtmäßiger Zustand erreicht werden kann“, so Kreissprecher Kai-Uwe Schwinzert. Zwischenzeitlich habe es eine Anhörung gegeben, bei der die Bauaufsicht mit Planern und dem Bauherren an einem Tisch zusammenkam, sagte Schwinzert auf erneute Anfrage am Mittwoch. Die Behörde rechnet damit, dass der Bauantrag bald eintrifft. Der Werkstattbetreiber Michael Zosky lehnte indes eine Stellungnahme der Firma auf wiederholte Nachfrage der MAZ wegen mehrerer derzeit laufender Verfahren ab.

Grundstücksbesitzer sind mit der Nutzung nicht einverstanden

Inhaberin der Werkstatt soll Kathrin Zosky sein. Das besagt ein an der Autowerkstatt angebrachtes Schild. Sie ist die Schwester von Michael Zosky und Inhaberin des Töplitzer Einkaufsladens. Rätselhaft kommt den Anwohnern bei dem Schild vor, dass für die Werkstatt nicht die Adresse der Halle, sondern die des Einkaufsladens, und im Internet noch zwei andere (An der Havel 51 und Leester Straße 1) angegeben sind. Auch Werbung oder Hinweisschilder, die zur Halle führen, fehlen. Die Werkstatt gibt es in der Halle an der Heidestraße seit etwa 16 Jahren. Angefangen habe Michael Zosky dort allein, sagt Hinzmann. „Das hat uns ja auch gar nicht gestört, aber er zieht sich immer mehr Unternehmen, wie einen Tischler, einen Autohändler oder einen Garten- und Landschaftsbauer heran. Das bedeutet natürlich auch mehr Verkehr“, so der Anwohner. Die Autowerkstatt werde mehrmals täglich mit Ersatzteilen beliefert, es würden Probefahrten durchgeführt und Kunden kämen sogar sonntags, berichtet er weiter. Und das alles über die Straße, die von den Anwohnern anteilig mit bezahlt wurde. Die Laterne vor Hinzmanns Haus sei schon oft umgefahren worden, weil Autofahrer die Einfahrt verpassten und zurücksetzen mussten. „Andere Unternehmer müssen auch Geld in die Hand nehmen und haben Auflagen zu erfüllen, wenn sie eine Firma gründen oder bestehende Gebäude umnutzen. Das ist einfach unfair“, schildert er.

Das Grundstück, auf dem die Halle steht, ist im Besitz der Erbengemeinschaft von Dieter Petsch aus Ludwigshafen am Rhein und seiner Schwester. „Dieses Grundstück gehört nach meiner Kenntnis seit über 300 Jahren zum Familienbesitz“, sagt Petsch auf MAZ-Anfrage. 1953 floh seine Mutter mit den Kindern aus der DDR, wonach das Grundstück zunächst zum Volkseigentum der DDR erklärt worden war. „2002 fand die Rückübereignung an meine Familie statt“, erklärt Petsch. „Nicht nur die Anwohner, sondern auch wir als Erbengemeinschaft sind durch die wohl unzulässige, Nutzung des Grundstückes erheblich beeinträchtigt.“ Er erklärt weiter, dass Kathrin Zosky Ansprüche gegen die Erbengemeinschaft nach dem Sachenrechtsbereinigungsgesetz geltend mache und beabsichtige, den Teil des Grundstückes zu kaufen, auf dem die Lagerhalle steht, die sie als ihr Eigentum bezeichnen würde. „Das Verfahren wird seit Jahren verschleppt“, sagt Petsch. Seine Schwester und er halten die Ansprüche für unbegründet. Eine Lösung sei nicht absehbar.

Für den nachträglichen Bauantrag droht eine Strafe

Warum jetzt, nachdem jahrelang bekannt gewesen sei, dass die Lagerhalle ein Bau ohne Genehmigung ist, ein Bauantrag gestellt wird, ist aus seiner Sicht bemerkenswert.

Kurz vor der Wende sei die Lagerhalle errichtet und für ihren ursprünglichen Zweck nie genutzt worden. Man habe wiederholt Kontakt zu Michael Zosky aufgenommen, allerdings ohne zielführendes Ergebnis. Die Nutzung der Halle auf seinem Grundstück begrüßt Dieter Petsch keinesfalls.

Denn Autos, die den Staub auf der Sandstraße aufwirbeln, sind nur ein Problem. „Anlieger klagen über laute Knallgeräusche der Fässer, die dann auftreten, wenn es Temperaturschwankungen gibt“, erläutern die Heidestraßen-Anwohner in ihrem Brief an die Stadtverwaltung Werder. „Vor der Halle stehen oft alte und kaputte Autos, aus denen auch schon mal Öl und andere Flüssigkeiten ins Erdreich gelangen“, heißt es weiter. Weil es sich bei der Lagerhalle ursprünglich um einen Rohbau gehandelt haben soll, sei zudem nicht bekannt, wie es mit Brandschutz und Versorgungsleitungen aussieht. Eine nachträgliche Baugenehmigung könnte die Firma Zosky teuer zu stehen kommen. Laut Bußgeldkatalog des Landes Brandenburg drohen je nach Größe des Gebäudes Strafen in Höhe von mehreren zehntausend Euro.

Was ist das Sachenrechtsbereinigungsgesetz?

Das Sachenrechtsbereinigungsgesetz wurde 1994 im Zuge des Wiedervereinigungsprozesses verabschiedet, um die Rechtsverhältnisse über die bauliche Nutzung von Grundstücken in der DDR an die Ordnung des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) anzupassen.

Notwendig wurde es , da nach dem Recht der DDR die bauliche Nutzung eines Grundstücks in der Regel nicht an das Grundeigentum geknüpft war. Nach dem BGB folgt das Eigentum an einem Gebäude dem Eigentum an dem Grundstück.

In der DDR beruhte die Nutzung vielfach lediglich auf einer öffentlich-rechtlichen Nutzungszuweisung, einer formlosen Gestattung oder wurde auch ohne rechtliche Absicherung durchgeführt. An den Gebäuden entstand dabei in der Regel ein vom Grundstück selbstständiges Eigentum.

Das Gesetz sieht als Lösung vor , dass der Nutzer vom Grundstückseigentümer gegen eine Entschädigung den Abschluss eines Vertrags über die Bestellung eines Erbbaurechts oder den Abschluss eines Kaufvertrags verlangen kann.

Von Luise Fröhlich

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