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Rätsel um die Bomben gelöst

Kemnitz Rätsel um die Bomben gelöst

Sprengmeister Mike Schwitzke vom Kampfmittelräumdienst wird es richten: In Kemnitz soll der Mann am Donnerstag zwei Weltkriegsbomben deutscher Herkunft kontrolliert sprengen. Der Munitionsfund hat in dem Werderaner Ortsteil Verwunderung ausgelöst, denn im Gegensatz zu Potsdam blieb Werder von der großen Zerstörung des Zweiten Weltkriegs eigentlich verschont.

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Sprengmeister bei der Arbeit: Mike Schwitzke entschärfte in Potsdam zuletzt eine 250-Kilogramm-Bombe im Sacrow-Paretzer-Kanal.

Quelle: Julian Stähle

Kemnitz. Der 240-Seelen-Ort Kemnitz steht Kopf. Am Donnerstag werden am Rande des Werderaner Ortsteils im Wald gleich zwei Bomben gesprengt. Am Dienstagabend hatte die Stadt den Fund der beiden 70 Kilogramm schweren Fliegerbomben bestätigt. Diese Nachricht kam für Ortsvorsteher Joachim Thiele (SPD) äußerst überraschend, denn Werder ist von der ganz großen Zerstörung zum Ende des Zweiten Weltkriegs verschont geblieben. „Ich habe mich sehr gewundert, dass gerade bei uns Bomben gefunden wurden“, sagte er am Mittwoch auf Nachfrage der MAZ. Für noch mehr Verwirrung sorgte die Tatsache, dass es sich um Bomben deutscher Herkunft handelt. Dieses Rätsel ist mittlerweile gelöst.

„Sie befinden sich auf einer Kampfmittelverdachtsfläche und gehören zu einem früheren nahen Fliegerhorst der Wehrmacht“, erklärte Stadtsprecher Henry Klix. Gemeint ist der damalige Flugplatz in den Havelauen. Die Vermutung gehe dahin, dass die Bomben eben nicht abgeworfen, sondern vergraben wurden, bevor die Sowjets kamen, so Thiele. Neben Munition seien ganze Flugzeugteile verbuddelt worden. Weil die beiden bei einer routinemäßigen Durchsuchung gefundenen Bomben nicht mehr transportfähig sind, müssen sie kontrolliert gesprengt werden. Das übernimmt mit Mike Schwitzke ein in der Region bekannter und erfahrener Sprengmeister vom Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Brandenburg. Der Ortsvorsteher ist optimistisch: „Da wird nichts passieren. Die Leute wissen, was sie tun“, so Thiele.

Unternehmen Sodexo liegt doch nicht im Sperrkreis

Um den Fundort der Bomben wird ein Sperrkreis im Umkreis von etwa einem Kilometer gezogen. Wie berichtet, sind Bewohner aus rund einem Dutzend Häuser am Ostrand des Dorfes und an der Dicken Eiche, Teile des Golfplatzes, eine Kleingartenanlage, das Gestüt Bon Homme und die Westseite des Kemnitzer Gewerbegebietes mit einer Lagerhalle des Unternehmens Herbstreith&Fox davon betroffen. Das Unternehmen Sodexo befinde sich nicht, wie am Dienstag angekündigt, im Sperrkreis, sagte Klix. Die Grenze sei am Rand entsprechend korrigiert worden. Bis spätestens 8 Uhr müssen Anwohner und Berufstätige ihre Häuser oder Arbeitsorte sowie den Sperrkreis verlassen. Wer für die Zeit der Sperrung eine Unterkunft sucht, findet sie im Gemeindezentrum, Kemnitzer Dorfstraße 27b. Betroffene Kemnitzer können sich dort ab 7 Uhr einfinden. „Wir haben auch ein bisschen Verpflegung organisiert“, sagte Joachim Thiele, der selbst auch dort sein wird. Die Stimmung im Ort sei trotz allem entspannt. „Es wäre schlimmer, wenn es mitten im Dorf gewesen wäre“, so Thiele.

Während der Sprengung der Bombe ist die Anschlussstelle Phöben kurzzeitig gesperrt

Während der Sprengung der Bombe ist die Anschlussstelle Phöben kurzzeitig gesperrt.

Quelle: Detlev Scheerbarth

Pendler trifft der Bombenfund dafür umso härter, denn die Autobahn A 10 und die Bahnstrecke der Linie RE1 liegen mitten im Sperrkreis. Die Stadt kündigt dort zeitweise Vollsperrungen an, die von der Autobahnpolizei mit der Autobahnmeisterei und von der Deutschen Bahn durchgesetzt werden. Wann die Strecken genau dicht gemacht werden, könne die Stadt nicht sagen. Laut Landesbetrieb Straßenwesen liegt das Zeitfenster grob zwischen 8 und 12 Uhr. Gesperrt wird die Autobahn zum Zeitpunkt der Sprengung zwischen den Anschlussstellen Groß Kreutz und Leest. Die Deutsche Bahn warnte die Pendler in einer Mitteilung am Mittwoch vor einer Sperrung auf der Strecke Brandenburg Hauptbahnhof nach Werder/Havel zwischen etwa 9.30 Uhr und 11 Uhr. Die Züge der Linie RE1 entfallen und werden durch Busse ersetzt, heißt es weiter.

Mitarbeiter der Verwaltung werden eingespannt

Fast alle Rathausmitarbeiter werden an der Evakuierung und die Durchsetzung der Sperrmaßnahmen beteiligt sein, berichtete Klix. Unterstützung bekommen sie von der Landespolizei. Beide Rathäuser und das Stadtarchiv bleiben daher am Donnerstag geschlossen. Der Bürgerservice wird mit einer Notbesetzung arbeiten.

Auch für die Evakuierung sicherte die Stadt Unterstützung zu. Einen großen logistischen Aufwand bedeutete die Räumung zum Beispiel für das Gestüt Bon Homme, das etwa hundert Pferde beherbergt. Wo die Tiere hingebracht werden, wollte die Leitung aus Sicherheitsgründen aber nicht bekannt geben.

Info: Ab 7 Uhr können sich betroffene Bürger über den Sperrkreis unter 03327/78 33 49 informieren. Auch hilfsbedürftige Bürger können sich unter dieser Nummer melden.

Von Luise Fröhlich

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