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Am Herzen des Güterverkehrs

Neuseddin Am Herzen des Güterverkehrs

Der Rangierbahnhof Seddin hat seiner Eröffnung im Jahre 1924 nichts von seiner Bedeutung verloren. Er ist heute das Herzstück des Güterverkehrstandortes Seddin der DB Cargo. Die 100 Mitarbeiter auf dem Bahngelände fertigen in 24 Stunden rund 60 Züge und 1200 Wagen ab – und das an sieben Tagen in der Woche.

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Auf dem Güterbahnhof Seddin werden 60 Züge und mehr als 1200 Wagen täglich abgefertigt.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Neuseddin. Ohne zwei entscheidende Dinge hätte es Neuseddin vielleicht niemals gegeben: Den Rangierbahnhof und die DDR-Volksarmee. Letztere ist längst aus dem Ort verschwunden. Der Güterbahnhof ist geblieben und hat seit seiner Eröffnung im Jahre 1924 nichts von seiner Bedeutung verloren. Heute ist er das Herzstück des Güterverkehrstandortes Seddin der DB Cargo AG, einer Tochter der Deutschen Bahn. In Neuseddin wird der gesamte Güterverkehr für die Länder Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern abgewickelt – von Saßnitz bis nach Cottbus, von Brandenburg/Havel bis an die Landesgrenze zu Polen. Vom Rangierbahnhof gehen die Züge zu anderen Güterbahnhöfen in Maschen im Norden, in Seelze im Westen, nach Leipzig-Engelsdorf im Süden oder nach Polen und nach Tschechien auf die Reise.

„Wir fertigen in 24 Stunden etwa 60 Züge und mehr als 1200 Wagen ab, und das sieben Tage in der Woche“, sagt die stellvertretende Standortleiterin Karola Klande. Die Hauptstoßzeit liegt in den Abend- und Nachtstunden zwischen 18 Uhr und vier Uhr morgens. In der Nacht fahren nur wenige Personenzüge, das kommt dem Güterverkehr sehr entgegen, meint Klande.

Der Rangierbahnhof könnte ihrer Meinung nach etwa noch mal soviel leisten, doch die Anzahl der Transporte auf der Schiene ist enorm gesunken. Seit der Energiewende wird keine Kohle mehr gefahren, das Russland-Embargo und der schwankende Stahlmarkt wirken sich auch auf die Eisenbahn hemmend aus, und der Güterverkehr auf der Straße ist ein ernst zu nehmender Konkurrent.

Jeder Bahnhof hat eine Codierung und jeder Wagen einen Richtungscode, erklärt Klande. Die Wagennummer und der Zielcode werden bei der DB Cargo hinterlegt. Beim Eingang überprüft der Wagenmeister, ob sich der Wagen in der Zugreihe an genau derselben Stelle befindet, wie in der Zugfolge im Rechner angegeben. Die Übereinstimmung meldet der Rechner dem sogenannten Ablaufsteuerrechner, der den Wagen elektronisch auf das richtige der insgesamt 28 Richtungsgleise leitet, auf denen die Züge neu zusammengestellt werden. Wie von Geisterhand geschoben, rollen die Wagen übers Bahngelände.

Trotz moderner Technik bleibt noch genügend Handarbeit übrig. Die Wagen müssen ab- und wieder angekoppelt, die Bremsen und die ordnungsgemäße Sicherung der Ladung kontrolliert und der technisch einwandfreie Zustand des Wagens überprüft werden.

„Den Job will nicht jeder machen. Die Arbeit ist körperlich anstrengend und schmutzig. Man ist bei Wind und Wetter draußen“, sagt Karola Klande. Bei einer Aktion der Arbeitsagentur, die kürzlich dreißig junge Leute nach Neuseddin ins Rangierwerk eingeladen habe, seien nur zwei erschienen.

Dass sich an einem Ende des Rangierbahnhofs ein Instandsetzungswerk der DB Cargo befindet, ist ein unschätzbarer Vorteil für den Standort. So haben Loks und Wagen bei technischen Mängeln keinen langen Weg in die Werkstatt.

„Die meisten Ausfälle entstehen durch Verschleißerscheinungen, besonders bei den alten Loks aus Reichsbahnzeiten“, erklärt Werkleiter Andreas Liebing. Je nach Umfang der Arbeiten reparieren oder warten die Mechatroniker und Instandhaltungsmechaniker bis zu 40 Güterwagen und 15 Loks am Tag. Da kommen im Jahr schon mal 10 000 Wagen und etwa 3000 Loks zusammen. „Das Wichtigste bei einer Lok ist der Rahmen, der nicht verzogen sein darf. Alles andere lässt sich erneuern“, so Liebing. Der Preis für eine neue Lokomotive soll im einstelligen Millionenbereich liegen. Darum muss solch ein Fahrzeug auch lange halten.

Um künftig noch effektiver zu sein, lässt die DB Cargo gerade eine der Fahrzeughallen umbauen. Derzeit können die Beschäftigten nur am Boden oder mit transportablen Gerüsten an den Fahrzeugen arbeiten. Nach dem Umbau soll es drei Arbeitsebenen unter den Fahrzeugen, zu ebener Erde und im Dachbereich geben, auf denen die Schlosser, Schweißer und Elektriker mitunter gleichzeitig hantieren können. Im April des nächsten Jahres soll der Umbau abgeschlossen sein. „Dann werden wir den alten Teil nur noch für Revisionen nutzen“, meint Liebing.

Einmal im Jahr öffnen der Werkleiter und sein Team die Werktore zum Familienfest. Dann dürfen neugierige Besucher einen Blick übers Werksgelände und in die Hallen werfen, die ihnen sonst nicht zugänglich sind. „Wir würden uns sehr freuen, wenn wir auch in diesem Jahr wieder am 26. August recht viele Gäste bei uns begrüßen könnten“, lädt Werkleiter Liebing alle Interessierten ein.

Einziger Güterverkehrstandort in Ostdeutschland

Der Rangierbahnhof Seddin ist der einzige Güterverkehrsstandort der DB Cargo in Ostdeutschland.

Auf dem Rangierbahnhof Seddin arbeiten etwa 100 Angestellte als Rangierbegleiter, Wagenmeister oder Lokrangierführer. In den vergangenen Jahren hat die DB Cargo zwölf Lehrlinge ausgebildet.

In den zurückliegenden drei Jahren hat die DB Netz AG, eine Tochter der Deutschen Bahn, knapp 50 Millionen Euro in den Standort investiert. Davon wurden die Gleisanlagen und die Gleisfeldbeleuchtung erneuert sowie die Überwachung des Schienenverkehrs digitalisiert.

Das Werk Seddin ist das größte der DB Cargo in Ostdeutschland. Dort arbeiten rund 190 Mitarbeiter teilweise rund um die Uhr. Eine Außenstelle mit 70 Mitarbeitern unterhält die DB Cargo am Seehafen in Rostock. Zwei kleinere Niederlassungen befinden sich in Ziltendorf bei Eisenhüttenstadt und auf dem Gelände eines Stahlkonzenrs in Schwedt.

In den vergangenen Jahren hat der Betrieb 60 Lehrlinge zum Mechatroniker oder Instandhaltungsmechaniker ausgebildet. Neu ist die Ausbildung zum Logistiker für die Lagerhaltung.

Der längste Güterwagen misst 56 Meter.

Von Heinz Helwig

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