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Potsdam-Mittelmark Rappen gegen Ausgrenzung
Lokales Potsdam-Mittelmark Rappen gegen Ausgrenzung
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18:21 25.04.2016
Videokünstler Hans-Friedrich Baum in Aktion. Der Funke zu den Geltower Schülern ist beim Auftakt noch nicht ganz über gesprungen. Quelle: Greiner
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Geltow

Die Mädchen wollen sich beim Shoppen oder beim Schwimmen im neuen Rap-Video sehen. Maria ist sich noch unschlüssig, aber ihre Mitschülerin möchte beim Schwimmen beweisen, was sie kann. „Weil es mir einfach keiner zutraut, dass ich es schaffen kann.“ Maik hat sich gerade das Bein verletzt, will aber beim Dreh trotzdem unbedingt dabei sein. Daniel liebt das Wasser und das Fischen. Gewalt und Ausgrenzung können alle vier nicht ausstehen.

Hans-Friedrich Baum aus Berlin, alias Rapper Graf Fidi, hört den Schülern der 9. und 10. Klasse der Geltower Förderschule für Erziehungshilfe ganz genau zu, erfährt von ihren Hobbys aber auch ihren Sorgen. Der Sozialarbeiter und Rapper mit Handicap stellt mit den Mädchen und Jungen der Karibu-Oberschule ein Rap-Video zusammen. Beim Workshop am Montag in der Schule wollten der Graf und seine Mitwirkenden schon ein gutes Stück Vorarbeit für das Musikvideo mit tiefgründigen Texten der Schüler leisten. Zuvor hatten sich die Mädchen und Jungen für das Projekt „janz schöön anders“ mit Filmwettbewerb gegen Ausgrenzung initiiert vom Berliner Verein Inklusive Medienbildung beworben. „Und ich haben ihnen Mut gemacht, sie bestärkt, mitzumachen“, sagt Eva Furrer, Lehrerin für Deutsch und Kunst an der Schule.

Zum Beginn des Workshops am Montag konnten die Mädchen und Jungen nur staunen, wie Graf Fidi ihre Sorgenpakete und Vorlieben in einen Sprechgesang verwandelte – cool und bewegend zugleich. Der 35jährige Rollstuhlrapper Hans-Friedrich Baum führt solche Workshops seit fünf Jahren durch. „Man spürt, wie man die Jugendlichen zwischen 14 und 25 Jahren mit Raptexten erreicht und zugleich aus der Reserve locken kann“, sagt Fidi. Wenn zum Anfang der Gespräche und Aufnahmen alles noch eher steif erscheint, fängt der Rapper zum Aufwärmen an, zu singen und dabei Storys zu erzählen. Dann ist das Eis meistens schnell gebrochen und verschwindet, wenn er den Mädchen und Jungen zuhört, sie ernst nimmt und aus ihrem Seelenleben ein Kunstwerk macht.

Baumann, durch eine Gehbehinderung auf den Rollstuhl angewiesen, konnte für seine Projekte schon viele Jahre Erfahrung als Sozialpädagoge an einer Kinder- und Jugendeinrichtung in Berlin-Steglitz sammeln. Er findet in Geltow die Sprache der Schüler, die aus verschiedenen Gründen die Förderschule besuchen oder wegen familiärer Probleme im Kinder- und Jugendheim gleich nebenan leben.

Beim Wettbewerb für Inklusion und gegen Ausgrenzung dreht sich alles um das, was „janz schöön anders ist“, sagt Markus Götte vom Verein Medienbildung. Welche Aspekte des Andersseins die Schüler in ihren Kurzfilmen beleuchten wollen, bleibt ihnen überlassen. In manchen Filmen entdecken Schüler ihren Körper neu, setzen sich mit sexuellen Orientierungen, Religion oder Kulturen auseinander. „Doku oder Musikvideo, der Kreativität der Schüler sind keine Grenzen gesetzt“, betont Götte. Zu gewinnen gibt es eine Reise nach Hamburg. „Noch bis 20. Juni können sich Schüler aus Berlin und Brandenburg am Kurzfilmwettbewerb mit kostenlosen Drehbuch- und Filmworkshops bewerben“, sagt Götte. Zum Auftakt der Aktion haben die Geltower schon die ersten Texte verfasst und die passende Musik ausgewählt. Dabei zeigten die Mädchen und Jungen völlig neue Stärken. „Rappen lernen ist nicht leicht, macht aber viel mehr Spaß als die übliche Schulstunde“, sagt Maria.

Lernen und Helfen

Das einstige DDR-Kinderheim auf dem Franzensberg in Geltow wurde Anfang der 90er Jahre von der Evangelischen Jugendhilfe Geltow übernommen.

In der Förderschule für Erziehungshilfe lernen 30 Mädchen und Jungen. In der integrierten Oberschule weitere 30 Schüler.

Im angrenzenden Kinder- und Jugendheim werden 80 Mädchen und Jungen von 120 Mitarbeitern betreut.

Zur Einrichtung gehören Tagesgruppen in Teltow, Berlin und Potsdam. In der Landeshauptstadt werden auch minderjährige Flüchtlinge ohne Begleitung betreut.

Das gegenwärtige Filmprojekt an der Karibuschule wird von Stiftungen und der Medienanstalt Berlin-Brandenburg gefördert.

Von Regine Greiner

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