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Rasanter Start in die Spargelsaison

Beelitz Rasanter Start in die Spargelsaison

In Beelitz ist am Dienstag offiziell die Spargelsaison eröffnet worden. Die ersten Stangen gab es dieses Jahr freilich schon im März und damit ungewöhnlich früh. Das lag an der warmen Märzsonne und an den Folien, mit denen die Spargelbauern den eigentlichen Erntebeginn deutlich nach vorn gezogen haben.

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Ein rumänischer Feldarbeiter beim Spargelstechen.

Quelle: Dpa

Beelitz. Am Tag der offiziellen Saisoneröffnung fegt ein ziemlich eisiger Wind über die Felder. Die Momentaufnahme hätte in anderen Zeiten zu der Annahme verführt, in den geschäftswichtigen Tagen vor Ostern werde es eher mau aussehen mit Spargel aus der Region. Das Gegenteil ist der Fall. Der Beelitzer Spargelbauer Jürgen Jakobs spricht von einem rasanten Start in die diesjährige Spargelzeit, die wegen der warmen Temperaturen im Vormonat und der Folienbewirtschaftung ungewöhnlich früh bereits Ende März begann. Den Spargelfans, die jedes Jahr auf die ersten Stangen lauern, fällt es wahrscheinlich nicht mehr auf, dass sie das Edelgemüse inzwischen ziemlich zeitig auf den Teller bekommen und es in früheren Zeiten gewiss Ende März noch keinen Beelitzer Spargel gegeben hat. „Ohne Folie würden wir Anfang Mai mit der Ernte beginnen“, sagt Jürgen Jakobs, der dieses Jahr mit seinem Bruder Josef Gastgeber des Spargelanstiches war und am Dienstag alle Hände voll zu tun hatte, die vielen Gäste zu begrüßen und zu bewirten.

Die Eröffnung der Beelitzer Spargelsaison ist inzwischen ein gesellschaftliches Ereignis wie der Bieranstich zum Münchner Oktoberfest. Für Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) war es der achte Spargelanstich, den er nutzte, um die Erfolgsstory zu würdigen, die Brandenburg inzwischen bundesweit zum zweitgrößten Spargelanbaugebiet gemacht hat. Nur in Niedersachsen wird mehr Spargel angebaut. Den Hauptanteil daran haben die Spargelbauern rund um Beelitz. Dort wachsen die Stangen auf mittlerweile 1650 Hektar. Jürgen Jakobs, der jetzt auch Vorsitzender des Spargelvereins ist, rechnet mit einer guten Ernte. „Wir erwarten in der Beelitzer Region 9500 bis 10 000 Tonnen. Das ist die Hälfte der gesamten Erntemenge in Brandenburg“, so Jakobs, dessen Frau Silke die Kleider der Beelitzer Spargelköniginnen entwirft. Sie hat auch das Kleid von Nicole Hahn kreiert, der neuen Majestät im Spargelland, die am Dienstag ihren ersten Auftritt hatte.

Die Beelitzer Spargelfrauen mit Maskottchen Spargelino am Dienstag bei der Saisoneröffnung auf dem Jakobshof

Die Beelitzer Spargelfrauen mit Maskottchen Spargelino am Dienstag bei der Saisoneröffnung auf dem Jakobshof.

Quelle: dpa

Der beste Spargel kostet derzeit zwischen acht und zehn Euro je Kilo. „Der Preis wird bis Mai noch um etwa zwei Euro sinken“, schätzt Jakobs, der mit seinem Bruder auf 250 Hektar Spargel kultiviert. Die Jakobsbrüder arbeiten wie alle Beelitzer Spargelbauern mit Folie, die den Boden zusätzlich wärmt und so einen frühen Erntestart ermöglicht.

Beim Anstich verteidigte Agrarminister Vogelsänger die in die Kritik geratene Folie als notwendig, um konkurrenzfähig zu bleiben und so auch zu ermöglichen, dass auf den Höfen den Spargelstechern der Mindestlohn gezahlt werden kann.

„Wer die Folie abschaffen will, trägt dazu bei, dass der Spargel dann aus Peru kommt und damit zum Ende des Spargels hier“, sagte Potsdam-Mittelmarks Landrat Wolfgang Blasig (SPD), der den Kontrahenten hierzulande freilich rät, aufeinander zuzugehen. Er nannte als Stichwort Blühstreifen.

Spargelbauern in Beelitz gehen offensiv mit der Folienkritik um und beteiligen sich bereits an einem Projekt eines Buchholzer Vereins, das solche Blühstreifen als Lebensraum für Vögel und Insekten zwischen Anbauflächen ermöglichen soll. 1,5 Tonnen Blumenwiesensamen sollen in die Erde gebracht werden, sagte der Beelitzer Bürgermeister Bernhard Knuth. Die Stadt unterstützt das Vorhaben finanziell. „Wir wollen außerdem mit dem Spargelverein viele hundert Obstbäume an landwirtschaftlichen Wegen pflanzen“, kündigte er an.

Spargelland Brandenburg

Im Land Brandenburg produzieren 92 Betriebe Spargel auf einer Anbaufläche von insgesamt 4407 Hektar. Davon stehen aktuell nach Angaben des Brandenburger Agrar-Ministerium 3345 Hektar im Ertrag, weil Flächen zwischendurch auch Pausen brauchen.

Der Landkreis Potsdam-Mittelmark ist seit vielen Jahren Spitzenreiter im Land – 2016 wurde dort auf 2192 Hektar Spargel angebaut.

Die Anbauflächen wachsen kontinuierlich, seit der Spargel nach dem Ende der DDR wieder eine große Rolle spielt. Zum Vergleich: Die Spargelanbaufläche betrug 1991 im ganzen Land Brandenburg nur 552 Hektar.

Im vergangenen Jahr ernteten Brandenburgs Spargelbauern 19 600 Tonnen des Edelgemüses. Der Durchschnittsertrag lag bei 58,5 Dezitonnen je Hektar und damit über dem gesamtdeutschen Durchschnittsertrag von 53,9 Dezitonnen pro Hektar.

 

Von Jens Steglich

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