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Raser-Irrsinn: Mit 109 km/h an Schule vorbei

Landkreis hat mit Temposündern zu kämpfen Raser-Irrsinn: Mit 109 km/h an Schule vorbei

Der Landkreis Potsdam-Mittelmark hat mit Rasern vor Grundschulen zu kämpfen. Die Tempoverstöße haben sich verdoppelt. Einer hat es dabei besonders auf die Spitze getrieben und einen erschütternden Rekord aufgestellt. Beim Kreis werden nun Konsequenzen gezogen.

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Die Ampel in Glindow hat sich bewährt. Nun hat der Kreis zusätzlich einige Meter hinter der Haltestelle eine Blitzersäule aufgestellt.

Quelle: FOTO: Christel Köster

Glindow. Mit 109 Stundenkilometern fegt ein Autofahrer an der Grundschule Wollin (Amt Ziesar) vorbei – mehr als doppelt so schnell wie erlaubt. Das ist der erschütternde Rekord von Geschwindigkeitskontrollen der Verkehrsbehörde des Kreises in den vergangenen Wochen. „Aber die Raserei vor Schulen hat leider insgesamt deutlich zugenommen“, sagt die Chefin der Straßenverkehrsbehörde Heike Vierke-Eichler auf Nachfrage der MAZ.

Anzahl der Bußgelder haben sich beim Kreis verdoppelt

Messungen vor Grundschulen im Landkreis Potsdam-Mittelmark in den vergangenen Wochen haben laut Verkehrsbehörde ergeben, dass sich die Zahl der Verstöße verdoppelt hat. Im Durchschnitt waren bei der Kontrolle acht Prozent der Autos im Umfeld der Schule zu rasant auf Tour. So waren in Kleinmachnow 32 Prozent der Fahrer zu schnell, in Beelitz dagegen nur 16 und in Werder 10 Prozent zu hurtig. „Während im vergangenen Jahr 36 Bußgelder zu zahlen waren, mussten in diesem Jahr doppelt so viele Fahrer belangt werden“, sagt Vierke-Eichler. Darüber hinaus wurden drei Fahrverbote ausgesprochen, 2014 war keine nötig. Laut Kreisbehörde ist nicht auszuschließen, dass der Zuwachs an Verkehrsvergehen auch dadurch zustande kam, dass die Messungen mit neuer Technik erfolgten. Der besondere Einsatz mit VW-Bus war möglicherweise für viele Fahrer nicht erkennbar – und so gaben nicht wenige von ihnen tüchtig Gas, obwohl sie im Schulumfeld unterwegs waren.

Neue Blitzersäulen sollen Sicherheit erhöhen

Auch in Glindow sollen künftig Geschwindigkeitskontrollen den Weg zur Schule an der Landesstraße sicherer machen. „Wir haben dort gerade eine Säule mit neuer Technik aufgebaut, denn dort sind tagsüber 30 Stundenkilometer erlaubt, danach 50“, sagt Vierke-Eichler. Der Kreis investiere 66.000 Euro in die Anlage. Die tiefschwarze Säule zwischen zwei Baumstämmen ist auf den ersten Blick schnell zu übersehen, insbesondere, wenn jemand rücksichtslos an der Schule vorbeirast. Die meisten Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, haben sie aber längst entdeckt.

Schule übt mit Kindern den sicheren Weg zur Schule

„Wir begrüßen die neue Blitzer-Säule sehr, denn aufmerksame Fahrer bremsen zusätzlich ab – und das kann für den Verkehr vor der Schule nur gut sein“, sagt Schulleiterin Rosemarie Jerichow. „Schließlich herrscht vor der Schule auf der Landesstraße und Ortsdurchfahrt oft dichter Verkehr. Deshalb ist auch die Ampel wichtig.“ Laut Jerichow ist der sichere Schulweg oft Thema in den Schul- und Elternkonferenzen. Schülerlotsen hat die Einrichtung abgelehnt. „Wir finden das zu gefährlich an dieser Straße. Auch ist es schwierig, wenn Kinder Eltern als Lotsen belehren“, sagt die Schulleiterin. Aber die Glindower Schule beteiligt sich an der Aktion „Zu Fuß zur Schule“ mit dem Deutschen Kinderhilfswerk und dem Verkehrsclub Deutschland. „Wir motivieren die Schüler, wo es der Wohnort ermöglicht, auch zu Fuß in die Schule zu kommen oder nicht unbedingt vor der Schule aus dem Auto zusteigen“, sagt Jerichow. In den Klassenräumen der Grundschule hängen gerade Listen aus, in den Schüler eintragen, wie sie zur Schule kommen, ob zu Fuß, mit dem Fahrrad oder im Auto der Eltern. Ende November soll die Aktion bei einer Schulversammlung ausgewertet werden.

Wir haben Eltern gefragt – schicken Sie Ihre Kinder mit einem guten Gefühl auf den Schulweg?

Many Schauksdat (34)

Many Schauksdat (34): „In Glindow kann ich das als Mutter mit gutem Gewissen mit „Ja“ beantworten. Auch deshalb, weil oft vor Schulbeginn die Polizei an der Ampel steht:“

Quelle: MAZ
Detlef Möller (51)

Detlef Möller (51): „Die Ampel in Glindow ist notwendig, wird von Kindern auch gedrückt. Mit dem neuen Blitzer nahe der Schule ist es noch besser.“

Quelle: MAZ
Katrin Maiwald (32)

Katrin Maiwald (32): „In meinen Augen ist der Schulweg für mein Kind in Ordnung. Ich kann mich nicht beklagen, Ampel und Blitzer sind aber wirklich erforderlich.“

Quelle: MAZ
Torsten Koch (45)

Torsten Koch (45): „Alles super im Umfeld der Glindower Schule. Doch den Blitzer an der stark befahrenen Straße vor der Schule begrüße ich sehr, zusätzlich zur Ampel.“

Quelle: MAZ

Von Regine Greiner

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