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Potsdam-Mittelmark „Kampfmaschinen“ im Rollstuhl
Lokales Potsdam-Mittelmark „Kampfmaschinen“ im Rollstuhl
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20:12 26.05.2016
BB-Radio-Moderator Jürgen Karney (M.) „trainierte“ am Mittwoch in Stahnsdorf bei den „Red Eagles Preussen“ des RSV Eintracht 1949 unter anderem mit Mirko Primus, Fritz Meiners und René Schumann (v. l.). Quelle: Martin Steger
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Stahnsdorf

Bei den „Red Eagles Preussen“ des Regionalen Sportvereins (RSV) Eintracht 1949 Teltow-Kleinmachnow-Stahnsdorf rollt der Ball im doppelten Sinne. Die preußischen roten Adler sind das bislang einzige Rollstuhl-Rugby-Team im gesamten Land Brandenburg. „Das mag daran liegen, dass unsere Sportart noch relativ unbekannt ist und erst in den vergangenen vier oder fünf Jahren populärer wurde. Wir trainieren seit 2007 und wollen den Alltag einfach mal hinter uns lassen, um uns sportlich ein wenig zu verausgaben“, sagt Mannschaftssprecher Rico Teske (37) über seinen „bunten Haufen“. Die Sportler kommen aus der Region sowie aus Werder, Saarmund, Bergholz-Rehbrücke oder Fahrland. Einmal wöchentlich treffen sie sich in der Schulsporthalle in Stahnsdorf mit ihrer Trainerin Nadine Fritsche aus Bad Saarow.

Beim jüngsten Training am Mittwoch hatte die Mannschaft einen prominenten „Mitspieler“: BB-Radio-Moderator Jürgen Karney übergab dem Team einen Scheck in Höhe von 1000 Euro. Die „Red Eagles Preussen“ waren als Tagesgewinner in der Radio-Kampagne „Scheine für Vereine“ ausgelost worden. „Wir können das Geld gut gebrauchen. Die Fahrkosten zu unseren Punktspielen sowie die Reparaturen an unseren Rollstühlen müssen wir selbst bezahlen“, meint Teske. Ein Spezial-Rollstuhl, dessen Räder angeschrägt sind und der mit einem Aufprallschutz sowie einem hinteren Kippschutz ausgerüstet ist, kostet zwischen 6000 und 8000 Euro. Jährlich fallen Aufwandskosten von durchschnittlich 400 Euro an.

Gespielt wird nicht mit dem berühmten „Ei“, sondern mit einem Volleyball, der auf dem Schoß transportiert werden kann, aber alle zehn Sekunden getippt werden muss. Der direkte Körperkontakt ist verboten, doch um sich dem Gegner in den Weg zu stellen, dürfen die Rollstühle schon mal etwas härter aneinander krachen. Kippt ein Rollstuhl um, wird das Spiel unterbrochen. Jede Mannschaft hat ihre „Lowpointer“ (Verteidiger), die den Gegner aufhalten und/oder den „Highpointern“ (Angreifern) den Weg zum gegnerischen Tor freimachen sollen.

Die „Red Eagles Preussen“ spielen derzeit in der Regionalliga Nord-Ost. Ein Aufstieg in die zweite oder erste Bundesliga und in die Champions League ist möglich. Die Organisation der Spieltage jeweils am Jahresanfang ist immer wieder eine kleine Herausforderung, sagt Teske. Für die bis zu acht Mannschaften mit etwa 70 Teilnehmern müssen barrierefreie Hallen und Unterkünfte gefunden werden.

Neue Mitspieler sind im Rollstuhl-Rugby-Team jederzeit willkommen. Ihre körperliche Verfassung wird mit einer Skala von 0,5 (niedrigste Stufe) bis 3,5 Punkten (fit) klassifiziert. Mit der höchsten Punktzahl gehört man zu den „Kampfmaschinen“, wie Teske die „Highpointer“ scherzhaft nennt.

Vom „Murderball“ zum „Rollstuhl Rugby“

Mitspielen darf nur, wer Einschränkungen an drei oder an allen vier Gliedmaßen (Tretraplegiker) vorweisen kann.

Ein Spiel in der Regionalliga dauert viermal sechs Minuten. Bei Unterbrechungen durch Fouls oder Ballverlust muss die Zeit nachgespielt werden.

Gespielt wird auf einer Fläche in der Größe eines Basketballfeldes.

Eine Mannschaft besteht aus vier Mitspielern, die nicht mehr als sieben punkte auf der Klassifizierungsskala mitbringen dürfen.

Ein weiteres Rollstuhl-Rugby-Team gibt es beispielsweise in Berlin mit den „Berlin Raptors“ am Unfallkrankenhaus Marzahn-Hellersdorf. Die „Red Eagles Preussen“ überlegen, gemeinsam mit den Berliner Sportfreunden einen Berlin-Brandenburg-Cup auszurichten.

Trainiert wird jeweils mittwochs von 20 Uhr bis 21.30 Uhr in Stahnsdorf.

Rollstuhl-Rugby stammt ursprünglich aus Kanada und wurde dort zunächst „Murderball“ genannt. Für Europa wurde eine abgeschwächte Variante unter dem Begriff „Wheelchair (Rollstuhl) Rugby“ entwickelt.

Von Heinz Helwig

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