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Reger Münzentausch in Niemegk

Apothekerin umgeht Bankgebühr Reger Münzentausch in Niemegk

Um Bankgebühren zu sparen, tauschen Niemegker Geschäftsleute derzeit eifrig Münzgeld. Seitdem Banken schärfere Auflagen beim Umgang mit Kleingeld erfüllen müssen, geben sie ihre Kosten an die Kunden weiter. Diese sind mitunter verärgert über die neue Praxis.

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Apothekerin Astrid Bergler bedient Willi Roßmann in Niemegk.

Quelle: Foto: Thomas Wachs

Niemegk. Unter Niemegker Geschäftsleuten ist ein reger Tauschhandel entbrannt. Objekt der Begierde ist Münzgeld. Für dessen Ausgabe sowie auch für die Annahme des Kleingeldes kassieren Banken neuerdings nämlich Gebühren, die in einigen Fällen zu nicht unerheblichen Summen anwachsen. Das kritisiert unter anderem Apothekerin Astrid Bergler. Sie hat ihrer Hausbank bereits einen Beschwerdebrief geschrieben. Als langjährige Kundin der Mittelbrandenburgischen Sparkasse (MBS) vermisst sie Kundenservice und beklagt, „dass Kosten für Dienstleistungen der Kreditinstitute einfach auf die Kunden übertragen werden“. Im Schnitt zweimal wöchentlich benötige die Unternehmerin frisches Wechselgeld für die Kasse. Jedes Mal fallen dafür 0,25 Prozent des Betrages als Gebühr an. Das würde die Geschäftsfrau noch akzeptieren. Ärgerlich findet Astrid Bergler jedoch den Zusatz, dass pro Aktion mindestens zehn Euro zu berappen sind. „Das will ich nicht akzeptieren, immerhin können wir diese Zusatzkosten auch nicht an unsere Kunden weiterreichen“, sagt die Pharmazeutin. Sie wechselt Scheine inzwischen in der Schulküche gegen Münzgeld ein, das Kinder dort für ihr Essen berappen. „Auch die Postagentur ruft mich schon an, wenn dort viel Kleingeld zum Tausch gegen Scheine aufgelaufen ist“, erzählt Astrid Bergler. Eine Bad Belziger Kollegin nutze inzwischen das Kleingeld aus dem Klingelbeutel der Kirchen-Kollekte zum Tausch, erzählt die Apothekerin. Sie betreibt seit 1990 die Robert-Koch-Apotheke in Niemegk mit derzeit fünf Mitarbeitern.

Einige Kunden zahlen mit Geldrollen

Ein Ärgernis in doppelter Hinsicht sind die Gebühren für Münzgeld auch beim Getränkehandel Höhne in Niemegk. „Wenn wir nach großen Veranstaltungen wie dem Oktoberfest viele Münzen einzahlen, kommt schon eine enorme Gebühr zusammen“, sagt Astrid Höhne. „An anderen Tagen benötigen wir dann selbst viele Münzen, um Wechselgeld zu haben. Wir zahlen also doppelt Gebühr“, so die Geschäftsfrau. Eigene Depots für Kleingeld anlegen wollen die Unternehmer aus Sicherheitsgründen dennoch nicht. „Immerhin zahlen auch viele unserer Kunden, die auf Festen Bierwagen betreiben, bei uns dann mit Geldrollen“, erzählt die Geschäftsfrau. „Und wir können den Gebührenbetrag ja auch kaum an die Kunden weitergeben, nur weil sie mit Münzen zahlen“, fügt Astrid Höhne hinzu. „Geld ist doch Geld, egal ob als Münze oder Schein“, findet die Niemegkerin. Sie habe daher auch schon mal an der Kasse im Supermarkt mit Geldrollen bezahlt. „Freilich müssen die Münzen müssen dann mühsam gezählt werden, was auch den Verkehr aufhält“, weiß Höhne.

Neue Auflagen der Bundesbank

Apothekerin Astrid Bergler erhielt von der MBS umgehend eine Antwort auf ihren Beschwerdebrief. Demnach sei die Bearbeitung von Hartgeld inzwischen mit einem relativ hohen Aufwand verbunden. Früher konnte eingenommenes Hartgeld wieder direkt an Kunden herausgegeben werden. „Wir wurden nunmehr verpflichtet, Hartgeld vollständig an die Bundesbank abzuführen“, schreibt Sandra Grützmacher. „Für die Herausgabe müssen wir im Gegenzug neue Münzen bestellen und bevorraten“, erklärte die MBS-Mitarbeiterin der Abteilung Qualitätsmanagement. Damit diese Dienstleistung allen Geschäftskunden weiterhin angeboten werden könne, „ist ein Entgeltverzicht nicht mehr möglich“, teilt die MBS der Apothekerin weiter mit.

MBS-Sprecher Robert Heiduck

MBS-Sprecher Robert Heiduck.

Quelle: privat

INTERVIEW

Robert Heiduck ist Sprecher der MBS in Potsdam. Er erklärt, warum sein Kreditinstitut jetzt Gebühren für Hartgeld-Transfers in Rechnung stellt.

MAZ: Warum zieht die MBS mit Kleingeld-Gebühren den Zorn ihrer Kunden auf sich?

Robert Heiduck: Zunächst muss man sagen, dass es dieses Entgelt für gewerbliche Kunden schon immer im Preisverzeichnis gab und es allgemein üblich ist. Bislang wurde es jedoch nicht in jedem Fall erhoben.

Warum änderte sich das nun im Sommer zum Ärger der Kunden?

Heiduck: Weil es für uns und alle Banken neue Auflagen der Bundesbank zu erfüllen gilt. Sie verteuern den Umgang mit Hartgeld enorm. Vorgeschrieben sind nun eine noch sorgfältigere Prüfung der Münzen sowie alle zwei Jahre zu wiederholende Schulungen der damit beauftragten Mitarbeiter. Zudem bestellen wir das Hartgeld selbst bei Dienstleistern und lassen es in die gewünschte Geschäftsstelle transportieren.

Die MBS kann also aus Kostengründen nicht mehr auf die Gebühr verzichten?

Heiduck: Wie jede Dienstleistung hat auch diese ihren Wert. Dazu kommt, dass wir das Institut mit den meisten Standorten in der Region sind – für die Hartgeldversorgung, aber auch für alle anderen Bankdienstleistungen.

Von Thomas Wachs

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