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Potsdam-Mittelmark Von einem, der auszog, um Filme zu drehen
Lokales Potsdam-Mittelmark Von einem, der auszog, um Filme zu drehen
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20:11 13.01.2019
Der Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler Eberhard Weißbarth lebt seit Sommer 2018 in Borne. Quelle: Josephine Mühln
Borne

 Einer der größten Alfred Hitchcock-Fans im Hohen Fläming lebt in Borne. „Dieser Mann war für mich die Schule meiner Regiearbeit“, sagt Eberhard Weißbarth über den 1980 in Kalifornien verstorbenen britischen Filmregisseur, Drehbuchautor, Filmproduzent und Filmeditor. „Wie arbeitet er mit seinen Schauspielern? Wie baut er Spannung auf? – Er ist mein Hauptmentor.“

Eberhard Weißbarth ist jemand, den man gut und gerne als Tausendsassa bezeichnen kann: Schauspieler, Drehbuchautor, Synchronsprecher und Regisseur. Seinem Vorbild Hitchcock hat er bereits einen Film gewidmet – „Exitus“, ein 28-minütiger Kurzfilm. Geht es nach Weißbarth, verfilmt er die Geschichte noch einmal – in Spielfilmlänge und für die Kinoleinwand.

Im Dorf schnell aufgenommen

Brutstätte dieser und anderer Ideen ist seit Juni vergangenen Jahres ein 150 Quadratmeter großes Haus in Borne. „Ich wollte Ruhe, weg vom Stadtleben in Berlin und der Autobahn. Weg von den langen Wegen – ich wollte eine Luftveränderung“, sagt der 70-Jährige.

Insgesamt neun Grundstücke habe er sich in und um Berlin angeschaut. „Der ehemalige Besitzer des Hauses war in meine Filme verliebt und wir fanden uns auf Anhieb sympathisch. Deshalb konnte ich mich gegen die 49 anderen Bewerber durchsetzen.“ Im Dorf sei er schließlich auch sehr gut und sehr schnell aufgenommen worden.

Berufswunsch reifte früh

In seiner alten Heimat Berlin ist Eberhard Weißbarth trotzdem noch regelmäßig, um als Synchronsprecher zu arbeiten. „Ich mache das wahnsinnig gerne, aber ich bin genauso gerne Regisseur, Autor und Schauspieler.“ Bei seinen Lesungen schätze er das Live-Erlebnis mit dem Publikum. „Es gibt ja auch Schauspieler, die sich vor Regen verbeugen, der ans Fenster klatscht – zu denen gehöre ich nicht. Aber Applaus ist schon schön“, sagt Weißbarth.

Der Wunsch, einmal vor oder hinter der Kamera zu arbeiten, reifte schon früh. „Mit zehn Jahren war ich in einem Erholungsheim in der Lüneburger Heide“, erinnert sich der Wahl-Borner. „Dort habe ich Kindertheater gespielt und immer, wenn ich mich einsam fühlte, in meiner Fantasie Geschichten entwickelt. Außerdem hat mir meine Mutter damals eine Art Fotoapparat geschenkt – eine kleine Kamera mit Filmstreifen, der sich immer wiederholte, ähnlich einem Daumenkino. Das hat mich fasziniert und ich wollte wissen, wie sich der Löwe auf den Bildern bewegen kann.“

Für WDR nach Köln gezogen

Zunächst folgte später jedoch eine Ausbildung beim Bezirksamt Berlin-Steglitz, geschauspielert wurde nur nebenbei. „Meine damalige Lehrerin hat mir eine außergewöhnliche Begabung bescheinigt – und so habe ich dann eine dreijährige Schauspielausbildung begonnen“, erzählt Eberhard Weißbarth. Außerdem arbeitete er beim „Sender Freies Berlin“ (SFB) als Hörfunk-Nachrichtensprecher – und bewarb sich schließlich als Fernsehansager.

„Ich bin freier Reporter für die Abendschau geworden und habe begonnen, Kurzfilme zu drehen. Der WDR hat mich entdeckt und gefragt, ob ich für ihn Autor und Regisseur sein wolle. Ich bekam einen Zehnjahresvertrag und bin nach Köln gezogen.“ Als die Sendung „Hilferufe“ später eingestellt wurde, kam Eberhard Weißbarth zurück nach Berlin.

Viele Erinnerungen an Filmdrehs

Es folgten die Dreharbeiten zu insgesamt 90 Filmen, die der 70-Jährige auch größtenteils selbst produziert hat. Gefragt nach einem Dreh, an den er sich noch besonders gut erinnern könne, erzählt Eberhard Weißbarth vom Film „Das Attentat – München 72“, der 1992 nach seiner Aussage beim Privatsender RTL mehrere Millionen Zuschauer erreicht habe.

„Wir haben teilweise bis zu 17 Stunden am Tag gedreht, der Regieassistent ist in Ohnmacht gefallen. Am Drehort waren rund 170 Leute von der Presse, um zu berichten.“ Der Film handelt vom Attentat auf die Olympischen Spiele 1972, das als Geiselnahme begann und mit der Ermordung aller elf israelischen Geiseln sowie dem Tod von fünf Geiselnehmern und eines Polizisten endete.

Enge Beziehung zu Dagmar Altrichter

„Sehr berührt hat mich auch meine Dokumentation über Heimkinder in der DDR. Die Recherche dazu war mit am schwierigsten – und sich den Kindern zu nähern“, erzählt Eberhard Weißbarth. Acht Kinder im Alter von fünf bis 16 Jahren hat er für die Doku interviewt. Er würde gerne eine Fortsetzung drehen, zeigen, wie es den Kindern heute geht.

Und Schauspieler, an die sich Eberhard Weißbarth noch besonders gut erinnern kann? Es fallen die Namen Dagmar Altrichter, Ingrid Bergmann und Elisabeth Taylor. Altrichter habe er seinerzeit für eine WDR-Doku engagiert – sie habe ihn im Nachgang immer als ihren dritten Sohn bezeichnet. „Ich habe diese Frau geliebt, sie war wie eine Mutter für mich“, sagt auch er heute noch.

Regal voller Filme und Soundtracks

So problemlos wie mit der 2010 verstorbenen Schauspielerin lief es jedoch nicht immer. „Einen Filmdreh habe ich nach 14 Tagen abgebrochen, weil die Hauptdarstellerin so schlecht war“, erinnert sich Eberhard Weißbarth – der von sich selbst sagt, er sei aus Zelluloid, also dem Material, aus dem Filmrollen sind. „Sie hat gespielt, als käme sie gerade von der Schauspielschule, außerdem kam sie in einem anderen Kostüm an den Drehort – da habe ich beschlossen: Meinen Namen setze ich da nicht drunter.“

Wer den Ex-Berliner in seinem Haus in Borne besucht, dem fällt sofort ein nahezu die ganze Wand füllendes Regal ins Auge, das neben Büchern und CDs vor allem natürlich eins beinhaltet: Filme. Darunter seine eigenen Werke archiviert und jene, die er persönlich als Meisterwerke betrachtet –wie zum Beispiel „Es war einmal in Amerika“ und „Tod in Venedig“. In Letzeren habe er sich wegen der Musik von Gustav Mahler verliebt.

Schreiben bis zum Schluss

Seit etwa einem Dreivierteljahr schreibt der 70-Jährige an seiner Biografie – 250 Seiten sind bereits fertig, 500 sollen es am Ende sein. Als Lebenswerk habe er all seine Filme der Stiftung Deutsche Kinemathek vermacht. „Denn solange über einen gesprochen wird, ist man nicht tot“, sagt Eberhard Weißbarth. „Film ist mein Leben, ich kann nicht anders. Ich schreibe, bis der Sargdeckel zufällt.“

Von Josephine Mühln

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