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Reha-Klinik setzt auf Protein-Bomben

Gesunde Ernährung in Bad Belzig Reha-Klinik setzt auf Protein-Bomben

Die Reha-Klinik „Hoher Fläming“ Bad Belzig setzt verstärkt auf gesunde Ernährung. In Kooperation mit dem Institut für Getreideverarbeitung Bergholz-Rehbrücke und der Wirtschaftsförderung des Kreises werden nun „Pflanzliche Protein-Extrudate“ in der Küche eingesetzt. Damit werden Speisen ohne Zusatzstoffe, Gentechnik und Allergene für die vegane Küche möglich.

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Pflanzliche Protein-Extrudate gehen als Spaghetti, Chips oder Nuggets in die Bad Belziger Reha-Küche.

Quelle: Thomas Wachs

Bad Belzig. Moderne Lebensmitteltechnologie macht’s möglich: In der Bad Belziger Rehabilitationsklinik „Hoher Fläming“ kommen nun auch Speisen mit Protein-Nuggets oder Faden-Spaghetti auf den Tisch, die aus gelben Erbsen oder roten Linsen entstanden. Diese und weitere Produkte des Instituts für Getreideverarbeitung GmbH in Bergholz-Rehbrücke (IGV) sind Teil einer weiteren Offensive der Klinik für eine gesunde Ernährung ihrer Patienten und Mitarbeiter. Dazu kommen „Pflanzliche Protein-Extrudate“ als vollwertige Alternative zu Weizen- und Ei-Proteinen zum Einsatz bei Chefkoch Henning Gödecke.

Völlig frei von Allergenen, Gentechnik und Zusatzstoffen

„Das Besondere an den Produkten ist, dass sie völlig frei sind von Allergenen, Gentechnik und Zusatzstoffen“, sagt Gerd Huschek, Geschäftsführer des IGV. Für diese Protein-Extrudate, die mit Hilfe von Druck und Temperatur in einem ausschließlich physikalischen Verfahren aus pflanzlichen Rohstoffen wie Erbsen, Linsen oder Hanf produziert werden, hat das IGV im Juni den Brandenburger Innovationspreis der Ernährungswirtschaft erhalten.

Landkreis unterstützt die Kooperation

Unterstützt wird die Kooperation mit der Rehaklinik von der Wirtschaftsförderung des Landkreises Potsdam-Mittelmark. „Uns geht es darum, lokale Kreisläufe in der Produktion mit Forschung und Anwendung zu vernetzen“, sagt Landrat Wolfgang Blasig (SPD) beim Start der Kooperation: „Diese Wertschöpfung im Kleinen ist unsere Antwort auf die globalisierten Märkte“. Das IGV biete dafür eine hervorragende Innovationskraft.

Kostprobe

Kostprobe: Gerd Huschek (re.) macht Klinikchefin Kathrin Eberhardt, Küchenchef Henning Gödecke und Landrat Wolfgang Blasig seine Protein-Produkte schmackhaft.

Quelle: Thomas Wachs

Aus den von der Rehbrücker Forschungs- und Produktionsstätte als Trockenprodukte in Form von Chips, Nuggets oder Pasta gelieferten Proteinkreationen kann der Küchenchef nach seinen Vorstellungen und Erfahrungen diverse Speisen kreieren. Bouletten oder eine Bolognese ohne Fleisch sind ebenso möglich wie Nudelgerichte oder Müsli voller Proteine.

Forscher übernehmen auch die Produktion

„Für uns ist der Kontakt zu den Verarbeitern und Konsumenten sehr wichtig für die weitere Entwicklung“, sagt Gerd Huschek. Gesunde Ernährung liegt im Trend, wissen auch die Forscher des IGV schon längst. Um nicht nur ihre Innovationskraft selbst zu vermarkten, übernehmen sie auch die Produktion dieser modernen Nahrungsmittel. „Die Protein-Extrudate bieten Menschen eine Lösung, die vermehrt auf vegane und proteinreiche Ernährung achten, Alternativen zu tierischen Produkten suchen und auf die Zusammensetzung pflanzlicher Proteinprodukte achten“, erklärt der promovierte Lebensmittelforscher Huschek.

Geballte Innovationskraft

Die Mitarbeiter der IGV GmbH sind Partner der Industrie und Landwirtschaft für die Entwicklung von Produkten und Verfahren zur Nutzung von pflanzlichen Rohstoffen für Lebensmittel, Futtermittel, Industriegüter sowie alternative Energiegewinnung.

Die nachhaltige Nutzung der Ressource „Pflanze“ in Form der Verwertung aller Pflanzenbestandteile, der Herstellung von gesunden und sicheren Lebensmitteln sowie der Verarbeitung von Reststoffen aus pflanzlichen Rohstoffen steht im Fokus der Entwicklungstätigkeit des Unternehmens.

Die IGV GmbH verfügt über besondere Expertise im Bereich der Nutzung von Getreide und Mikroalgen. Ergebnisse sind bio-basierte Produkte, zu deren Herstellung biotechnische, chemische, thermische oder mechanische Verfahren kombiniert werden.

Am Firmensitz in Bergholz-Rehbrücke beschäftigt die IGV rund 100 spezialisierte Mitarbeiter. Darunter Biologen, Chemiker, Verfahrens- und Lebensmittelchemiker, Ingenieure, Betriebswirtschaftler, Techniker, Meister, Chemie und Biologielaboranten, IT-Spezialisten und Mechaniker.

Für die Bad Belziger Rehaklinik ist Ernährung ohne Fleisch kein neues Thema. „Der Montag ist seit längerer Zeit der vegetarische Tag“, sagt Geschäftsführerin Kathrin Eberhardt. Auch die Kooperation mit regionalen Anbietern gehört längst zur Philosophie des Hauses. „85 Prozent unserer Lebensmittel stammen heute aus der Gegend“, so die Klinikchefin. Sie setzt – entgegen dem allgemeinen Trend zur Kostenreduzierung in der Gesundheitsbranche – nicht auf Fertigprodukte und Personalabbau in der Küche. In der Rehaklinik werde bewusst selbst gekocht. Statt drei Kochkräften gibt es nun fünf Köche. Zwar sei diese Strategie „auf den ersten Blick teuerer, zahlt sich aber langfristig aus“, erklärt Eberhardt. So werde die Klinik heute von ihren Patienten in Bezug auf das Essen in Umfragen zum Qualitätsranking weit über dem Durchschnitt positiv bewertet.

Geprägte Vorstellung vom Geschmack einer Boulette

Der Einsatz der pflanzlichen Protein-Extrudate in der Klinikküche sowie auch in der Lehrküche für Patienten soll langsam gesteigert werden. „Von anfangs drei Prozent sind bis zu 20 Prozent denkbar“, sagt die Geschäftsführerin. Sie ist gespannt auf die Akzeptanz bei Patienten und Mitarbeitern. „Am Ende ist es immer auch eine Frage des Mundgefühls“, sagt Küchenprofi Gödecke. „Die Menschen haben nun mal eine geprägte Vorstellung davon, wie beispielsweise eine Boulette schmecken soll“, so der Chefkoch. Er will mit Gewürzen experimentieren und die Proteinprodukte anfangs womöglich auch mal mit Fleisch kombinieren. Bis zu 260 Frühstücke und Abend-Mahlzeiten sowie 300 Mittagessen verlassen täglich die Klinikküche.

Von Thomas Wachs

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