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Potsdam-Mittelmark Reisender in Sachen Mord
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17:46 18.03.2018
Siegfried Schwarz, Ex-Kriminalist im DDR-Bezirk Halle, fand in der Fläming-Bibliothek zu Rädigke ein interessiertes Pubklikum. Quelle: Andreas Trunschke
Rädigke

Siegfried Schwarz, der Ex-Kriminalist, steht vorn an der Bühne in Anzug mit Weste. Ein Hand ist auf den Tisch gestützt, an dem er gleich aus seinem zweiten Buch „Der Makronenmord“ lesen wird. Vor ihm sind alle Plätze in der Flämingbibliothek im Gasthof Moritz zu Rädigke voll besetzt.

Vor der eigentlichen Lesung plaudert der 83-jährige Schwarz aus seinem Leben, das selbst als Stoff für einen Roman taugen würde. Vom Krieg entwurzelt, ohne Schulbesuch und zeitweilig ohne Vater aufwachsend, geriet er auf die schiefe Bahn. „Mein erstes Fahrrad habe ich geklaut“, bekennt Schwarz. Eher zufällig kommt er dann 1955 zur Polizei und bereits nach acht Monaten zur Kriminalpolizei, noch immer ohne Ausbildung.

Reicher Fundus an Erlebnissen

Gleich in einem seiner ersten Fälle muss er ausgerechnet einen Fahrraddieb vernehmen. Die Grundlagen seines Berufes eignet er sich von erfahrenen Kollegen und aus einem aus dem Russischen übersetzten Lehrbuch an. Schließlich leitet er von 1966 bis 1988 die Mordkommission im damaligen Bezirk Halle und ermittelte bei circa 400 Mordfällen in der ganzen DDR mit. Da die Mordkommissionen der einzelnen Bezirke meist nur aus vier Leuten bestanden, mussten sie sich gegenseitig unterstützen. Manchmal fühlte er sich als „Reisender in Mordsachen“, erzählt Schwarz in Rädigke.

Aus diesem reichen Fundus von Erlebnissen schöpft Schwarz in seinen Büchern. Auch die Geschichte „Das Westpaket“ schildert einen realen Fall aus Berlin. Der Autor Siegfried Schwarz lässt die Atmosphäre am Tatort lebendig werden. Er bezieht seine Zuhörer in seine Überlegungen zum Tathergang ein – die gedanklichen Irrwege eingeschlossen. Nur selten reizt Schwarz dabei die möglichen Spannungsbögen seiner Geschichten wirklich aus. Das macht den Zuhörenden immer wieder bewusst, dass sie nicht einem kunstvoll arrangierten Krimi zuhören, sondern der Schilderung eines tatsächlich stattgefundenen Mordes.

Nordhäuser Doppelkorn als psychischer Betreuer

Ganz nebenbei fügt Schwarz Interessantes aus der damaligen Praxis ein. Auch als Leiter der Mordkommission habe er erst nach der Wende erfahren, wie Todesurteile, die es bis 1981 in der DDR gab, konkret vollstreckt wurden. Eine psychische Betreuung wie heute erhielten die Kriminalisten damals nicht. „Unsere Betreuer hießen Wilthener Goldbrand und Nordhäuser Doppelkorn“, bekennt der frühere Polizist. „Besonders schlimm war es, wenn Kinder betroffen waren“, erzählt Schwarz. Diese Fälle fehlen auch in seinem Buch nicht.

Am Ende der kurzweiligen Lesung verkauft und signiert Siegfried Schwarz eifrig seine Bücher. Quelle: AndreasTrunschke

Im Unterschied zu den gängigen Vorurteilen, sei in der DDR durchaus über Mordfälle berichtet worden, aber nur in den Kreiszeitungen. „Die Berichterstattung war differenziert“, sagt Schwarz zu dieser Praxis, die er verteidigt. Denn so habe sich keine allgemeine Angst aufbauen können. „Wenn heute ein Mord in Hamburg passiert, fahren die Eltern auch in Leipzig ihre Kinder fast bis in die Schule hinein“, sagt der Ex-Kriminalist.

Zu viele Details mit Täterwissen veröffentlicht

Auch anderes stört den erfahrenen Polizisten an der heutigen Praxis. „Da werden schnell Details veröffentlicht, die wichtiges Täterwissen enthalten.“ Heute gebe es keine Mordkommissionen in den ehemaligen Bezirken mehr. Bei Bedarf werden Sonderkommissionen eingerichtet, „in der oft Leute mitarbeiten, die keine Fachleute seien“, behauptet Schwarz. Außerdem werde nach seiner Einschätzung „mehr am Schreibtisch als in der Kneipe ermittelt“, so der Polizist. „Ich habe nach einem Verbrechen erst einmal mit dem Wirt der nächstgelegenen Kneipe gefrühstückt. Danach kannte ich einen Teil der infrage kommenden Personen“, berichtet der heutige Buchautor in der Fläming-Bibliothek zu Rädigke. Am Ende der kurzweiligen Lesung verkauft und signiert Siegfried Schwarz eifrig seine Bücher.

Von Andreas Trunschke

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