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Rendezvous mit 80 Büchern

Ansturm in der Flämingbibliothek Rendezvous mit 80 Büchern

Staub im Bücherregal ist das Letzte, was man in der Rädigker Flämingbibliothek finden dürfte. Vier Mal im Jahr wird der Buchbestand ergänzt und erneuert. Nur wenige bleiben länger als ein Jahr im Regal. Was dort an Neuerscheinungen unbedingt hinein gehört, verriet Bibliotheksgründer Steffen Gommel vor großem Publikum.

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Steffen Gommel (2.v.l.) genießt den Ansturm auf den Büchertisch.

Quelle: Uwe Klemens

Rädigke. Steffen Gommel ist ein Bücherwurm. Wie schnell sich ein solcher durch einen Berg aus 80 Büchern fressen kann, demonstrierte der gebürtige Thüringer und Wahl-Rädigker am vergangenen Wochenende in der von ihm im Ort gegründeten Fläming-Bibliothek.

Das Urteil des Bücher-Papstes hat Gewicht

Die Vorstellungsreihe „Sechzig Bücher in sechzig Minuten“ hat hier seit der Gründung vor neun Jahren Tradition und kann sich vor Besuchern kaum retten. Auch diesmal platzte der Saal des Gasthofes Moritz, in dem sich die Bibliothek befindet, buchstäblich aus allen Nähten. Denn das Urteil des Rädigker Bücher-Papstes hat Gewicht und bestimmt mit, was in den kommenden vier Monaten vorrangig gelesen wird.

Viermal im Jahr rückt Steffen Gommel mit Kisten voller Neuerscheinungen an, so dass sich der Bestand von ungefähr 4 000 Büchern etwa im Jahresturnus erneuern kann. Als Leiter der Abteilung Taschenbuch im Frankfurter S. Fischer Verlag kann Gommel dabei nicht nur auf das komplette Sortiment des eigenen Hauses zurückgreifen. „Kollegen in anderen Verlagen, denen ich von der Fläming-Bibliothek erzählt habe, sind von der Idee begeistert und steuern Rezensionsexemplare bei“, erzählt Gommel, der vor zwanzig Jahren nach Rädigke zog und hier für seine Bibliotheks-Idee schnell Mitstreiter fand.

Bücherlesen ist mehr als Beruf

Das Sprichwort von der Qual der Wahl nimmt Gommel gelassen. Denn Bücherlesen gehört nicht nur zu seinem Beruf, sondern auch zu seinen privaten Leidenschaften. Zwei Wochenenden vor der Bücherpräsentation liegen dann deutlich mehr Bücher unter seinem Kopfkissen als üblicherweise.

Ein gutes Drittel im Umlauf

Die Flämingbibliothek Rädigke wurde vor neun Jahren gegründet. Steffen Gommel hatte sie ursprünglich als Projekt für die Zeit als Rentner geplant. Da die Rädigker so begeistert waren, wurde es deutlich früher.

Der Bestand umfasst 4 000 Bücher aus allen Bereichen. 900 eingetragene Leser sorgen dafür, dass rund 1 500 Bücher ständig im Umlauf sind.

Die Einrichtung gilt als Bibliothek mit den längsten Öffnungszeiten. Denn Stöbern und Ausleihe sind während der gesamten Öffnungszeit des Gasthauses möglich. Die Ausleihe selbst ist kostenlos und eine Mitgliedschaft nicht erforderlich.

Fünf Bücherfrauen sorgen dabei für Ordnung im Regal und in der Kartei. Die Leser mit der weitesten Anreise kamen aus China und Schweden und haben die Bücher mit der Post wieder zurück geschickt.

Die Beschränkung auf 60 Neuerscheinungen, die unbedingt genannt werden müssen, gelingt dem Literaten diesmal jedoch nicht. 170 waren in der engeren Wahl, 80 davon stellt er diesmal binnen 75 Minuten im Gasthaus vor. Selbst hinter Schnellsprech-Legende Dieter Thomas Heck braucht sich Gommel dabei nicht zu verstecken und schafft es im Eifer des Gefechts sogar, mit seinen Zuhörern über Textpassagen und Hintergrundinformationen zu plaudern. Ein weiteres Büchlein über die Historie der Flämingregion überreichte ihm Gastwirt Bernd Moritz als kleines Dankeschön.

Fleißige Bücherfrauen halten die Bibliothek auf dem neuestem Stand

Während die Zuhörer im Anschluss den überladenen Büchertisch stürmen, um sich eines oder gleich einen ganzen Stapel Lieblingslektüre zu sichern, beginnt für die fünf fleißigen Bücherfrauen im Hintergrund die eigentliche Arbeit. Denn wie in jeder Bibliothek müssen auch hier alle Bücher erfasst und Lesekärtchen vorbereitet werden. Dann wird anhand der Ausleih-Statistik entschieden, welche Lektüre ihren Platz im Bücherregal zugunsten des neuen Lesestoffs räumen muss.

Auch Bad Belzigs Bibliotheksleiterin Ines Eschholz gehört zu den Besuchern, die sich am Büchertisch mit neuem Lesestoff und ein paar Hörbüchern versorgen. „Dabei will ich vor allem schauen, was vielleicht auch etwas für meine Leser sein könnte“, sagt sie. „Macht und Widerstand“ zur Tätigkeit des bulgarischen Staatssicherheitsdienstes vor dem Fall des Eisernen Vorhangs, Naomi Kleins Gesellschaftskritik „Die Entscheidung – Kapitalismus vs. Klima“ und eine Hand voll Biografien sind ihre Favoriten.

„Steffen Gommel kann die Inhalte so wunderbar in knapper Form und trotzdem informativ rüberbringen“, schwärmt die Bibliothekarin. Der Vorschlag, dass die Märkischen Literaturtage im kommenden Frühjahr in der Fläming-Bibliothek eröffnet werden, ist nicht nur ein Lob an die Bibliothek, sondern auch an ihren Gründer.

Von Uwe Klemens

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