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Rentenversicherung schließt Beratungsstelle

Bad Belzig Rentenversicherung schließt Beratungsstelle

Die Deutsche Rentenversicherung schließt im nächsten Jahr ihre Beratungsstelle in Bad Belzig. Für die Stadt ist das ein weiterer herber Verlust, in Lokalpolitik und Bevölkerung herrscht Unverständnis. Die Rentenversicherung verspricht, ab und zu vor Ort zu sein – doch selbst eine Mitarbeiterin ist skeptisch.

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Rentenversicherungs-Büroleiterin Christine Franze bei einem Beratungsgespräch. Künftig müssen die Bürger des Hohen Flämings weite Strecken für diesen Service auf sich nehmen.

Quelle: Saskia Popp

Bad Belzig. Die Deutsche Rentenversicherung wird im kommenden Jahr ihre Beratungsstelle in Bad Belzig schließen. Bei einem von der CDU initiierten Gespräch am Donnerstag bestätigten RV-Pressesprecher Denis McGee und Referatsleiter Lutz Breddin die seit längerem in der Stadt kursierenden Gerüchte, nach denen sich der Regionalträger aus der Stadt zurückziehen wolle.

Wann genau das Büro in der Magdeburger Straße schließt, steht laut den Vertretern der Rentenversicherung noch nicht fest. „Der Mietvertrag läuft bis ins Jahr 2017“, sagt der zuständige Referatsleiter Lutz Breddin. Eine Verlängerung schließt er aus: „Die Beratungsstelle wird es in dieser Form nicht mehr geben.“ Bislang bieten vier Mitarbeiterinnen an vier Tagen in der Woche Beratungsgespräche an, rund 800 Menschen pro Monat nutzen dieses Angebot. Die Zahl der Gespräche ist seit Jahren stabil, bei Gesetzesänderungen gibt es jeweils kurzzeitig enorme Anstiege.

Bisher gibt es Beratung an vier Tagen in der Woche – ab 2017 wird das Büro jedoch nur noch geschlossen sein

Bisher gibt es Beratung an vier Tagen in der Woche – ab 2017 wird das Büro jedoch nur noch geschlossen sein.

Quelle: Saskia Popp

Die Neustrukturierungspläne der Rentenversicherung sehen für die hiesigen Versicherten die Büros in Potsdam, Brandenburg/H. und Rathenow als Anlaufstellen vor. Sprecher McGee sieht das nicht als Problem. „Nicht für jede Frage muss ein persönlicher Termin vereinbart werden“, sagt er, „Informationen können auch online oder am Telefon beschafft werden.“

Rentenversicherung fordert Mobilität

Er fordert Mobilität von den Menschen im Rentenalter. „Alle Beratungsstellen sind für die Versicherten erreichbar“, sagt McGee, der im selben Atemzug zugeben muss, dass die Anbindung schwierig sein könne. „Manchmal muss man vielleicht umsteigen“, so seine Einschätzung der Verkehrswege.

Zudem wolle sich Rentenversicherung nicht gänzlich aus dem Hohen Fläming zurückziehen. Ein „bedarfsgerechtes Beratungsangebot“ will die Körperschaft realisieren. „Wir werden uns ansehen, was sinnvoll ist“, sagt Referatsleiter Breddin.

Denis McGee, Pressesprecher der Rentenversicherung und Referatsleiter Lutz Breddin verteidigen die Entscheidung gegen die Kur- und Kreisstadt

Denis McGee, Pressesprecher der Rentenversicherung und Referatsleiter Lutz Breddin verteidigen die Entscheidung gegen die Kur- und Kreisstadt

Quelle: Saskia Popp

Vorstellbar seien regelmäßige Beratungstermine vor Ort an einem festen Platz, die dann von einer einzelnen Beraterin durchgeführt werden. Für die Mitarbeiterinnen der Rentenversicherung ist das ein leeres Versprechen. „Ich glaube nicht daran“, sagt eine der Mitarbeiterinnen gegenüber der MAZ.

Die Beraterinnen sollen in den anderen Dienststellen eingesetzt werden, daher würden sie dort fehlen, wenn sie Termine in Bad Belzig wahrnehmen. „Für mich ist das ganz klar der Todesstoß für eine Beratung im Hohen Fläming“, so die Mitarbeiterin.

Das sehen auch die Besucher der Informationsveranstaltung am Donnerstag so. „Sie nennen es bedarfsgerechte Beratung, ich nenne es Schließung“, sagt Bad Belzigs CDU-Ortsvorsitzender Tobias Paul.

Unverständnis und Wut in der Lokalpolitik

„Eine katastrophale Entscheidung, das ist ein Sterben auf Raten. Wir zahlen alle gleich viel in die Rentenkasse ein und haben das gleiche Recht auf eine anständige Beratung wie die Menschen in den Ballungsräumen.“ Hannelore Klabunde-Quast, parteilose Bürgermeisterin von Bad Belzig

„Das ist ein bemerkenswertes Signal an die ländliche Bevölkerung. Die Versorgung wird auf allen Ebenen immer schlechter. Bürger ohne eigenes Fahrzeug können eine Beratung auf diesem Weg nicht mehr wahrnehmen.“ Astrid Rabinowitsch, Die Linke, Mitglied des Kreistags Potsdam-Mittelmark

„Die Rentenversicherung hat die Verantwortung, auch in der Fläche vertreten zu sein. Das unklare Aussageverhalten führt zur berechtigten Sorge, dass unsere Region abgehängt wird.“ Franz Herbert Schäfer, CDU-Kandidat für die Landratswahl

„Es wurde an keiner Stelle erklärt, wie eine Bedarfsermittlung stattfinden soll, wenn es hier keine Stelle mehr gibt. Ich ahne Schlimmes für die Zukunft der Beratung im Hohen Fläming.“ Hendrik Hänig, Bad Belziger Bürgermeisterkandidat der SPD

„Rathenow und Brandenburg liegen so nahe beieinander! Diese Entscheidung ist für die Bürger hier nicht nachvollziehbar.“ Torsten Slabon, parteiloser Anwärter auf die Kandidatur als Bürgermeister in Bad Belzig

Brandenburgs heutiger Bildungsminister Günter Baaske (SPD) wurde noch in seiner vorigen Funktion als Sozialminister über die Entscheidung der Rentenversicherung in Kenntnis gesetzt.

Baaske fordert regelmäßige Beratung

„Ich bedauere die Schließung zutiefst“, sagt Baaske, „gerade für ältere Bürger, die akut Hilfe brauchen, ist die Fahrt nach Brandenburg oder Potsdam nicht zumutbar.“ Baaske fordert die in Aussicht gestellte verlässliche, regelmäßige Beratung in der Kreisstadt.

Zur Schließung der Bad Belziger Stelle führte ein Beschluss des Rentenversicherungsvorstandes aus dem Jahr 2014, der eine bundesweite Neukonzeption der Beratungsstellen vorsieht.

Jede Dienststelle sei bezüglich ihrer Wirtschaftlichkeit und anderer Punkte überprüft worden, sagt Lutz Breddin. „In Bad Belzig gibt es nicht genug Versicherte, die es rechtfertigen, an vier Tagen in der Woche geöffnet zu haben“, verteidigt Breddin die Entscheidung.

Von Saskia Popp

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