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Resort Schwielowsee in den Miesen

Wirtschaftskrimi um Hotelier Axel Hilpert Resort Schwielowsee in den Miesen

Zwei Jahre nach der Verurteilung des Petzower Hoteliers Axel Hilpert (66) wegen Fördermittelbetrugs beim Bau seines "Resort Schwielowsee" (Potsdam-Mittelmark) ist wieder vieles unklar in diesem Wirtschaftskrimi. Wird der schillernde Investor jemals einen weiteren Tag in Haft verbringen müssen? Wird sein Unternehmen die Turbulenzen überstehen?

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Das "Resort Schwielowsee" in Petzow.

Quelle: dpa

Petzow. Zur Zukunft des Strafverfahrens kann man nur spekulieren, doch seit zwei Wochen weiß die interessierte Öffentlichkeit wenigstens, wie es um das Resort steht. Ums kurz zu machen: Die "Theodor Fontane Besitz- und Betriebsgesellschaft" hat ein strukturelles Problem - sie häuft Schulden an. Wenn dem Touristik-Unternehmen am Schwielowsee, das rund 100 Mitarbeiter beschäftigt, kein weiterer Schuldenschnitt gewährt wird, kein unbekannter Groß-Investor einsteigt oder die Übernachtungszahlen nicht wider Erwarten explodieren, führt kein Weg aus den roten Zahlen.

Das ist bitter, denn in Sachen Tourismus läuft es besser in der "weißen Stadt". Die Auslastung der Hotelzimmer und Ferienwohnungen konnte 2012 - das ist das neueste Berichtsjahr - gegenüber 2011 um 4,5 Prozent gesteigert werden. Die Betten sind zu 53 Prozent ausgelastet, und das bei gleichbleibendem Zimmerpreis. Dennoch kommen die Wirtschaftsprüfer zu der Erkenntnis, dass in den Folgejahren "der Zinsaufwand für die langfristigen Darlehen der Deutschen Kreditbank (DKB) nicht verdient werden kann", sollte die Rentabilität des Unternehmens sich nicht wesentlich verbessern.

Dies Eingeständnis ist deswegen bitter, weil die Hausbank DKB Hilperts Firma bereits im Jahr 2009 mehr als 18 Millionen Euro an Hypotheken-Schulden gestundet hat - erst wenn das Haus tatsächlich Geld verdient, soll die Rückzahlung wieder einsetzen. Nicht nur die Bank war kulant, auch das Finanzamt Potsdam und die Stadt Werder/Havel haben auf ausstehende Steuern vorerst verzichtet - es geht um rund 900000 Euro. Gerade in der Kommune grassiert die Sorge, das 2005 mit Pomp eröffnete Prestige-Objekt könnte im schlimmsten Fall als Invest-Ruine enden. Denn tatsächlich Gewinne gemacht hat die Anlage seit ihrer Eröffnung noch nicht. Vielmehr hat sie auch im zuletzt bilanzierten Geschäftsjahr 2012 knapp 1,2 Millionen Euro Miese gemacht. Der Schuldenberg beträgt mittlerweile 30 Millionen Euro.

Wie ein Damoklesschwert hängt auch noch die Rückforderung der Landesinvestitionsbank (ILB) über dem Ferienstädtchen. Von den mehr als 40 Millionen Euro Bau- und Einrichtungskosten hatte die ILB 9,2 Millionen übernommen - zur Förderung der touristischen Infrastruktur. Weil aber Hilpert bei der Beantragung der Steuergeldzuschüsse nach Auffassung des Gerichts in großem Stil geschummelt hat, will die landeseigene Bank die komplette Summe zurück haben. Muss das Resort tatsächlich 9,2 Millionen Euro zurück zahlen, gäbe es kaum eine Rettung. Deshalb hat die Geschäftsführung nach Auskunft der Wirtschaftsprüfer "gegen den Widerspruchsbescheid der ILB Klage beauftragt".

Der ehemalige Bild-Zeitungs-Chefredakteur Hans-Hermann Tiedje hat sich schon länger aus der Geschäftsführung zurück gezogen - nur Hilpert ist übrig.

Was aber blüht nun dem ehemaligen DDR-Antiquitätenhändler, Stasi-IM "Monika" und einst rechte Hand von Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski? Er darf nach der teilweise erfolgreichen Revision beim Bundesgerichtshof auf ein milderes Urteil hoffen - fünf Jahre und acht Monate hatte er in erster Instanz vorm Landgericht Potsdam kassiert. Wie berichtet, hatte vorige Woche das oberste Strafgericht Deutschlands geurteilt, Hilpert sei zwar schuldig, allerdings habe er einen geringeren Schaden angerichtet, als im Potsdamer Urteil berücksichtigt.

Ein Jahr Untersuchungshaft hat der gesundheitlich angeschlagene Unternehmer bereits hinter sich - diese Zeit wird auf Haftstrafen angerechnet. Angenommen, die Richter in Frankfurt (Oder), denen der Fall jetzt übertragen wurde, würden ihn nur zu drei Jahren Gefängnis verurteilen, könnte Hilpert sofort in den so genannten offenen Vollzug einrücken. Das hieße: er müsste nachts im Knast schlafen, könnte sich aber tagsüber frei bewegen. In Brandenburg ist es die Regel, dass Straftäter Haftstrafen unter drei Jahren in dieser milden Form der Einkerkerung verbringen dürfen. Zunächst werden die Frankfurter Richter prüfen, ob der Haftbefehl noch gültig ist. Der ist derzeit außer Kraft gesetzt, weil Hilpert eine halbe Million Euro Kaution bezahlt hat. Tritt er seine Strafe an, erhält er das Geld zurück. Seinen Pass musste Hilpert abgeben, damit er seine guten Kontakte ins Ausland nicht zur Flucht nutzen kann.

Mit einer Wundertüte aus belebenden Maßnahmen will Hilpert nun das Geschäft ankurbeln - so steht's im Jahresbericht. Schirme, Tassen und andere Mitbringsel will er verstärkt verkaufen, eine Acquisereise nach Nordrhein-Westfalen ist geplant, Gutscheine, Reisegewinnspiele und Kreuzworträtsel-Aktionen sollen forciert werden. Und das Resort Schwielowsee soll PR-Agenturen verstärkt als "Standort für Reportagen" angeboten werden - in der Hoffnung auf andere Schlagzeilen als bisher.

Von Ulrich Wangemann

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Schadenssumme angeblich zu hoch angesetzt

Der wegen Betruges verurteilte Brandenburger Hotelier Axel Hilpert muss sich erneut vor Gericht verantworten. In Teilen sei das Urteil aufgehoben worden, teilte der Bundesgerichtshof in Karlsruhe am Freitag mit. Es gehe um die Höhe des durch Betrug angerichteten Schadens sowie die angeordnete Gesamtstrafe.

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