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Potsdam-Mittelmark Restaurierung der Niemegker Orgel beginnt
Lokales Potsdam-Mittelmark Restaurierung der Niemegker Orgel beginnt
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20:56 06.04.2018
Rainer Nass, Orgelbauer im Ruhestand, arbeitete ab 1995 bei der damals begonnenen Restaurierung des Instruments federführend mit. Quelle: Christiane Sommer
Niemegk

Die Restaurierung der Niemegker Kirchenorgel hat begonnen – auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint. Schließlich hat sich weder ihr äußeres Erscheinungsbild verändert, noch muss vorübergehend auf den Klang der Orgel verzichtet werden.

Erst auf den zweiten Blick fällt eine Veränderung auf der Orgelempore auf: Seit 20 Jahren stapelten sich dort neben den Kirchenbänken Kartons. Zugeklebt und beschriftet wirkten sie wie Umzugskisten.

Ansgar Gaulke und Elisabeth Bauer von der Berliner Orgelbaufirma „Karl Schuke“ haben sich nun genau dieser Kisten angenommen. Ihr Auftrag: Die vor mehr als zwei Jahrzehnten darin eingelagerten Orgelpfeifen in die Werkstatt nach Berlin holen, damit sie über den Winter repariert und überarbeitet werden können.

Pfarrer Daniel Geißler strahlte und unterbrach für die Abholung der in den Kartons verstauten Orgelpfeifen sogar eigens seinen Urlaub. „Im Frühjahr, wenn die Temperaturen es wieder zulassen, sollen die Pfeifen wieder eingebaut und gestimmt werden“, sagt er. Sind diese Arbeiten erledigt, ist zugleich der erste von insgesamt fünf zur Orgelrestaurierung vorgesehen Bauabschnitten erledigt.

Mit Rainer Nass fieberte ein weiterer Orgelbauexperte der Abholung der Pfeifen entgegen. Der 76-jährige Orgelbauer im Ruhestand arbeitete ab 1995 bei der damals begonnenen Restaurierung des Instruments federführend mit. Mangels Geld mussten die Arbeiten 1998 eingestellt werden. Weshalb er darum bat, bei den aktuell wieder anlaufenden Arbeiten dabei sein zu dürfen – zur Freude der jungen Kollegen.

Nass sagt, sein Engagement sei eine Herzensangelegenheit. Weil die Niemegker Kirchenorgel, die zugleich die größte im gesamten Landkreis Potsdam-Mittelmark ist, etwas ganz Besonderes ist. „Sie ist das größte Instrument, das Baer jemals gebaut hat“, sagte der Senior und lädt zu einem Rundgang durch das Innere der Orgel ein.

Restaurierung soll in zwei Jahren beendet sein

1850 brannte die Niemegker Kirche ab. Ihr Wiederaufbau begann 1851.

Orgelbaumeister Wilhelm Baer wurde beauftragt, für die neue Kirche eine Orgel zu bauen. Er wohnte nur schräg gegenüber und fertigte sein größtes Werk damit quasi direkt vor der Haustür an.

Sein Kostenvoranschlag für die mit 1671 Pfeifen und 30 Registern ausgestattete Orgel belief sich auf 1755 Thaler.

Bis zum Ersten Weltkrieg konnten sich die Niemegker am Klang des Instruments erfreuen. Dann mussten die Orgelpfeifen abgegeben werden und nahmen ihren Weg in die Schmelzöfen der Rüstungsindustrie.

Die Orgelpfeifen aus Zinn wurden später durch solche aus Zink ersetzt.

Die jetzt beginnende komplette Restaurierung der Orgel ist in fünf Bauabschnitte eingeteilt und soll in zwei Jahren beendet sein.

Dort stehen kleine und große Orgelpfeifen aus Zink und Holz einträglich nebeneinander, auf einer Etagere gleich auch übereinander. Doch nicht alle Etagen sind bestückt. Die seit mehr als 20 Jahren in Kartons verstauten Pfeifen hatten ursprünglich dort ihren Platz. Andere Pfeifen stehen nicht mehr dort, wo Baer sie einst platziert hatte. Doch das bleibt dem Auge des Laien verborgen. Um zu erkennen, dass Holzwurm und Holzbock sich in den vergangenen 100 Jahren am hölzernen Orgelgehäuse, den Aufbauten und den Pfeifen gütlich getan haben, muss hingegen niemand Experte sein.

Dem originalen Werk des Niemegker Orgelbaumeisters Baer zollt Nass größten Respekt. Schmerzlich empfindet er hingegen die in den 1950er Jahren getätigten Umbauarbeiten an den Registern des Instruments. „Was man heute hört, hat nichts mit der ursprünglichen Klangfarbe zu tun“, so der 76-Jährige. Der Orgelbauer Wiegand Helfenbein aus Gotha war damals beauftragt worden, die infolge von Kriegsbeschuss in Mitleidenschaft gezogene Orgel wieder herzurichten und zu modernisieren. Doch Helfenbein verstarb während der Umbauphase.

Deshalb schlagen seitdem zwei Herzen in dem Instrument – anstatt mit- jedoch gegeneinander. Diese Disharmonie sollte bereits in den 1990er Jahren während der Restaurierung beseitigt werden. Auf die stolze Summe von 392 660 D-Mark zuzüglich zwölf Prozent Mehrwertsteuer bezifferte sich damals der Kostenvoranschlag.

Nachdem es der Kirchengemeinde gelang, Spendengelder in Höhe von 50 000 Euro einzuwerben, soll die Instandsetzung nun fortgesetzt werden. Zwischenzeitlich sind nunmehr jedoch schon 250 000 Euro, zuzüglich 16 Prozent Mehrwertsteuer, dafür aufzubringen.

Von Christiane Sommer

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