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Rettungsgasse: Polizei will ordentlich durchgreifen

Verstärkte Kontrollen Rettungsgasse: Polizei will ordentlich durchgreifen

So mancher Autofahrer hat Probleme damit, eine Rettungsgasse zu bilden – dabei zählt nach einen Unfall jede Sekunde. Die Polizei will nun im Rahmen einer Aktionswoche verstärkt kontrollieren. Wer sich nicht an die Regeln hält, riskiert sogar eine Freiheitsstrafe. Im MAZ-Video macht die Autobahnpolizei ihrem Ärger Luft.

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Von wegen Rettungsgasse: Ein heilloses Durcheinander macht es Polizei und Rettungskräfte schwer.

Quelle: Julian Stähle

Niemegk. Es wird ernst für Kraftfahrer auf der Autobahn: Die Beamten der Polizeidirektion West kontrollieren mit dem Beginn der Ferien verstärkt, ob beim Stau die Rettungsgasse richtig gebildet wird. Verkehrssünder müssen mit heftigen Bußgeldern, im schlimmsten Fall aber auch mit einer Strafanzeige rechnen. Durchaus kann das Fehlverhalten im Verkehr auch eine Nötigung sein, erklärt der Leiter der Direktion, Peter Meyritz. Die Kontrollen betreffen unter anderem die A 9 und den Berliner Ring (A 10).

In den vergangenen Jahren habe man noch viel zu selten hingesehen, meint Meyritz – das ändert sich ab sofort. Peter Meyritz betonte die verstärkten Kontrollen am Montag bei der Auftaktveranstaltung zur Aktionswoche „Bei Stau: Rettungsgasse!“ gegenüber der MAZ.

20 Polizisten informierten Auto- und Lastwagenfahrer auf dem Rasthof Fläming-Ost über die Risiken beim Ausbleiben der Spur für Rettungskräfte und zeigten unter anderem symbolisch mit Spielzeug-Wagen, wie sie korrekt gebildet wird. Problematisch ist zudem, dass die Gasse oft wieder geschlossen wird, sobald die ersten Rettungskräfte durch sind. Sie muss jedoch grundsätzlich offen bleiben. „Manchmal geht es um Sekunden, die ein Menschenleben retten.“ Gleichzeitig ersparen sie jedem Verkehrsteilnehmer unnötige Wartezeiten, wenn Feuerwehr, Sanitäter, Polizei und Bergungsunternehmen ihre Arbeit schnell leisten können.

Es soll auch noch der letzte wach gerüttelt werden

Eine Woche lang wird nun vor allem über soziale Medien im Internet Aufklärungsarbeit geleistet. „Wir wollen mit unserer Aktionswoche nun auch den letzten Verkehrsteilnehmer erreichen und wach rütteln“, sagt Meyritz. Insbesondere jetzt, da auf A 9 und A10 Baustellen sind, komme es immer wieder zu Unfällen. Der achtspurige Ausbau des Berliner Rings bei Michendorf hat im ersten Halbjahr statistisch gesehen allein zu täglich mehr als drei Unfällen geführt. Bis Juni wurden 571 Zusammenstöße auf dem Abschnitt gezählt, bei denen 28 Menschen verletzt wurden. Gerade jetzt, aber auch langfristig sei es deshalb notwendig, dass es einen Mechanismus gibt, der automatisch bei Verkehrsteilnehmern hochfahre, wenn es kracht.

Ältere Menschen haben die Rettungsgasse anders gelernt

Heidrun Nowak aus Naumburg hat die Gelegenheit auf dem Rastplatz genutzt, um ihre Kenntnisse aufzufrischen. Die 69-jährige Autofahrerin ist viel auf Autobahnen unterwegs, um ihre Kinder zu besuchen. Mit der Rettungsgasse sei sie jedoch nicht sehr bewandert, gibt sie zu. „Es ist aber wichtig, Bescheid zu wissen und nicht unwissend im Stau zu stehen. Man kann ja selbst mal verunglücken und dann wartet man und nichts passiert.“

Ein Rettungsgasse bei zwei Spuren bilden, das sei noch einfach. Nur bei drei Spuren, da wird es kniffelig für die Seniorin. Polizisten Freya Lindauer-Schulze erklärt es ihr. Zwei Reihen bilden sich rechts, eine links, in der Mitte bleibt die Rettungsgasse frei. Aber bitte nicht den kompletten Standstreifen ausreizen. „Ältere Menschen haben das Bilden der Rettungsgasse noch anders gelernt. Da fuhr man von der Mittelspur nach links“, sagt Polizistin Freya Lindauer-Schulze.

Freya Lindauer-Schulz von der Polizeiinspektion zeigt Heidrun Nowak aus Naumburg, wie man im Falle eines Unfalls eine Rettungsgasse bildet

Freya Lindauer-Schulz von der Polizeiinspektion zeigt Heidrun Nowak aus Naumburg, wie man im Falle eines Unfalls eine Rettungsgasse bildet.

Quelle: Christin Iffert

Neben Heidrun Nowak haben sich auch viele andere Verkehrsteilnehmer bei der Polizei auf dem Rastplatz informiert. Es gab jedoch nicht nur Fragen zur Rettungsgasse. So mancher rückte das Thema Gaffer und Telefon am Steuer in den Mittelpunkt des Interesses. Beides sei unverantwortlich, meint Lindauer-Schulze. So filmen immer wieder auf der gegenüberliegenden Fahrspur Auto- oder Kraftfahrer das Geschehen. Ab und an krache es durch die Unaufmerksamkeit.

Dabei sollten sich Fahrer bewusst sein, dass das Filmen nicht immer nur als „Telefonieren am Steuer“ mit einem Bußgeld und einem Punkt zu werten sei. Mitunter kann das Filmen als Gewaltverherrlichung angesehen werden, sofern die Videos oder Bilder veröffentlicht- und mit falschen Fakten angereichert werden. Die höchstmögliche Strafe: eine Verurteilung mit einem Strafmaß bis zu zwei Jahren. Ganz abgesehen davon, dass jeder das Recht am eigenen Bild hätte, gibt ein Polizist zu bedenken. Kommt eine Anzeige hinzu, ginge es um hohe Geldstrafen und Unterlassungen.

Gaffer indes seien insgesamt eine große Gefahr. Oftmals hindern sie Rettungskräfte in der Not. Und die Fälle, die häufen sich, machten die Polizisten deutlich.

Von Christin Iffert

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