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Rheuma-Therapie in extremer Kälte

Treuenbrietzen Rheuma-Therapie in extremer Kälte

Rheumapatienten werden am Johanniter-Krankenhaus Treuenbrietzen jetzt auch in einer hochmoderne Kältekammer behandelt. In drei Schritten werden sie extremer Kälte von bis zu 110 Grad Minus ausgesetzt. Die Rheumaklinik ist die einzige von vier solcher Spezialkliniken Brandenburgs, die seit 1997 über eine Kältekammer verfügt.

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Schocktherapie: Bei Minus 110 Grad Celsius werden Patienten der Treuenbrietzener Rheumaklinik jetzt in einer neuen Kältekammer behandelt.

Quelle: JKH

Treuenbrietzen. Von außen betrachtet wirken die Räume mit ihrer Holzverkleidung im Inneren wie eine moderne Sauna. Doch haben die Container-Boxen das andere Extrem in sich: Eine Kältekammer der neuesten Genaration ist jetzt in der Klinik für Internistische Rheumatologie, Osteologie und Schmerztherapie am Johanniter-Krankenhaus Treuenbrietzen in Betrieb gegangen. Das Fachkrankenhaus ist in Brandenburg eine von vier Kliniken für Rheumapatienten, jedoch die einzige mit einer Kältekammer. Bereits seit Dezember 1997 werden dort rheumatologische Krankheitsbilder mit extremen Frosttemperaturen von bis zu Minus 110 Grad Celsius behandelt.

„Mit dem neuen Drei-Kammer-System erzielen wir eine bessere Verträglichkeit der Therapie“, erklärt Gabriele Zeidler, die Chefärztin der Rheumaklinik. Bisher wurden die Patienten in zwei Kammern schrittweise über Minus 40 Grad auf Minus 110 Grad heruntergekühlt. Das neue System ist komfortabler, denn es verfügt über drei Stufen von 10, 60 und schließlich 110 Grad unter Null.

Herabgekühlt in drei Schritten

Herabgekühlt in drei Schritten. Mehr als zwei Minuten bleiben Patienten in der extremen Kälte.

Quelle: JKH

„Das belastet den Kreislauf weniger, ist damit deutlich verträglicher und bietet einen angenehmeren Übergang, gerade für die zunehmend älteren Nutzer“, erklärt Zeidler. Das tue auch der Haut gut, denn die Gefahr von Erfrierungen ist deutlich geringer, da die Hautfeuchtigkeit besser reguliert sei. Durch das vorsichtigere Heranführen an die extreme Kälte könnten Patienten zudem länger in den frostigen Kammern verweilen, was sich positiv auf den Behandlungserfolg auswirke, erklärt die Doktorin.

Marlies Prüß, Leiterin der Physiotherapie, stellt Teilnehmern einer Tagung der Rheumaliga Brandenburgs die modernisierte Kältekammer vor

Marlies Prüß, Leiterin der Physiotherapie, stellt Teilnehmern einer Tagung der Rheumaliga Brandenburgs die modernisierte Kältekammer vor.

Quelle: JKH

Jede der drei Kammern hat nun große Fenster. Patienten und Therapeut stehen im Sicht- und Sprechkontakt, während die Patienten in Bewegung bleiben – animiert durch schnellere Musik. Die Therapie absolvieren sie in trockener Badekleidung, Sportsocken und festem Schuhwerk. Handschuhe, Stirnband und Mundschutz gehören zur Ausrüstung, um sich vor Erfrierungen zu schützen.

Bis zu zwei Minuten bleiben die Patienten in der extremen Kälte der höchsten Stufe. Zuvor verbringen sie zehn Sekunden in der ersten und 30 Sekunden in der zweiten Schleuse der neuen Kältekammer .

Auch aus ökologischer Sicht stelle diese einen Fortschritt dar. Sie sei energieeffizienter, da die Temperaturdifferenz zwischen erster Kammer und Raumtemperatur deutlich niedriger ist. Somit sei der Kälteverlust beim Öffnen der Türen geringer. Zudem wird mit der Abwärme der Kühlanlagen das Warmwassertherapiebecken des Krankenhauses geheizt.

Eine der größten Kliniken Deutschlands

Die Klinik für Internistische Rheumatologie, Osteologie und Schmerztherapie am Johanniter-Krankenhaus im Fläming Treuenbrietzen ist eine der größten rheumatologischen Akutkliniken Deutschlands.

Zur Verfügung stehen dort gegenwärtig 75 Betten und 16 tagesklinische Behandlungsplätze.

Hinzu kommen 26 Betten für orthopädische und rheumachirurgische Behandlungen.

Mit der neuen Anlage können nun deutlich mehr Patienten behandelt werden. Statt bisher durchschnittlich 18 Patienten pro Tag sind es nun circa 30 Männer und Frauen, die bei ihrer Therapie der extremen Kälte ausgesetzt werden. Zur Investitionssumme machte das Krankenhaus auf Nachfrage der MAZ keine Angaben.

„Von einer Ganzkörper-Kältetherapie profitieren sowohl Patienten mit entzündlichen als auch nichtentzündlichen Rheumaerkrankungen. Sie wird schmerztherapeutisch eingesetzt und ist immer Teil eines umfassenden Behandlungskonzeptes“, erklärt die Rheuma-Expertin des Treuenbrietzener Fachkrankenhauses.

Nach dem Gang in die Kältekammer erfolgen gezielte physiotherapeutische Behandlung. Da die Schmerzen durch die Kälte-Anwendung deutlich verringert werden, könne der Bewegungsspielraum effizient erweitert werden. „Darüber hinaus zeigen Studien, dass die Ganzkörper-Kältetherapie sich positiv auf das Immunsystem auswirkt und damit Entzündungsbotenstoffe verringert werden“, sagt Gabriele Zeidler. Dies mache die Kältekammer zu einer wertvollen Ergänzung einer ganzheitlichen Behandlung.

Warmstrampeln  nach der Kältetherapie

Warmstrampeln nach der Kältetherapie: Erika Redegeld nutzt die Kältekammer seit 2008.

Quelle: JKH

Erika Redegeld aus Rathenow ist seit 2008 regelmäßig Patientin in der Treuenbrietzener Rheumaklinik. Sie kennt die alte und die neue Kältekammer im Hause. „Die neue Kammer ist größer und heller, das Raumgefühl ist angenehmer. Der blaue Teppichboden gibt den Füßen einen guten Halt, auch wenn der Atem sofort gefriert und es mal nebelig wird“, erzählt die Patientin von ihren Erfahrungen. „Bei Minus 110 Grad aktivieren sich innere Kräfte, die Durchblutung wird stark angeregt, so dass ich nicht friere“, sagt Erika Redegeld. „Das macht auch frisch im Kopf“, fügt sie schmunzelnd hinzu, während sie sich auf ein Fahrrad-Ergometer wider warm fährt.

Von Thomas Wachs

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