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Riesenbatterie in Feldheim am Netz

Energiewende beflügelt Riesenbatterie in Feldheim am Netz

Nach einem Jahr Bauzeit ist am Montag im energieautarken Dorf Feldheim bei Treuenbrietzen Europas größter Energiespeicher ans Netz gegangen. Die riesige Lithium-Ionen-Batterie speichert zehn Megawatt Primärregelleistung für das Übertragungsnetz. Das Regionale Regelkraftwerk (RRKW) soll die Energiewende beflügeln.

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Wirtschaft und Politik starten den Feldheimer Energiespeicher.

Quelle: Thomas Wachs

Feldheim. Von außen bunt und im Inneren voller innovativer Technologie präsentiert sich am Rande der energieautarken Dorfes Feldheim jetzt ein ansonsten eher unspektakulärer Hallenbau. Er zog am Montag reichlich geladene Gäste aus Politik und Wirtschaft an. In dem Gebäude ist im zurückliegenden Jahr für insgesamt rund 13 Millionen Euro nämlich Europas größter Energiespeicher entstanden. Die riesige Lithium-Ionen-Batterieanlage hat eine Kapazität von zehn Megawatt. Sie wird im Windpark Feldheim erzeugte Energie speichern und Primärregelleistung für das Stromnetz zur Verfügung stellen. Diese Regelleistung wird benötigt, um kurzfristige Schwankungen der Netzfrequenz auszugleichen.

Regelkraftwerk reagiert innerhalb von Sekunden

Bei einem Stromüberangebot kann das Regelkraftwerk innerhalb kurzer Zeit das Netz entlasten. Im umgekehrten Fall wird innerhalb von Sekunden Leistung abgegeben und somit das Netz stabilisiert, erklärte Michael Raschemann, Inhaber der Energiequelle GmbH am Montag den zahlreichen Gästen. Somit sei das Projekt ein wesentlicher Baustein, um die Energiewende in Deutschland zu beflügeln, so der Geschäftsführer und Mitinhaber der Energiequelle GmbH als Investor. „Perspektivisch ist eine Kopplung vieler solcher lokaler Anlagen nötig, damit eine breitere Zahl von Bürgern die Vorteile der Erneuerbaren Energien direkt nutzen können und so die Akzeptanz steigt“, so Raschemann. Zu große Probleme bereiteten jedoch derzeit rechtliche Fragen zur Durchleitung in den Stromnetzen sowie die Finanzierung der innovativen Speichertechnologie, kritisierte der Unternehmer. Mit seinem Wirkungsgrad von 85 Prozent gilt der Feldheimer Speicher derzeit als Weltspitze.

André Pasemann zeigt   die in 48 Schränken verbauten Speichermodule

André Pasemann zeigt die in 48 Schränken verbauten Speichermodule.

Quelle: Thomas Wachs

Die Einweihung der innovativen Anlage bezeichneten viele Festredner am Montag als historischen Tag. Von Feldheim aus soll die Technologie, die gemeinsam vom Zossener Windparkplaner Energiequelle GmbH und dem Auricher Windenergieanlagenhersteller Enercon AG realisiert wurde, Schule machen. Die Entwickler und Experten gehen davon aus, dass Speicheranlagen diese Größenordnung schon bald flächendeckend üblich sein werden und schnell in der Leistung wachsen.

Land Brandenburg steuert fünf Millionen Euro bei

Für das innovative Projekt steuerte das Land Brandenburg fünf Millionen Euro Fördergeld der Europäischen Union zur Förderung erneuerbarer Energien bei. „Das ist bislang die größte Einzelsumme aus dem Programm Ren-Plus, die wir bislang überhaupt zur Verfügung gestellt haben“, sagte Albrecht Gerber (SPD) in Feldheim. „Das zeigt, welchen Stellenwert wir dem neuen Kapitel in der Speichertechnologie beimessen“, so Brandenburgs Minister für Wirtschaft und Energie. Er fordert bundesweit die schnellere Klärung rechtlicher und finanzieller Rahmenbedingungen zur Durchleitung und dem Netzausbau sowie zur Förderung von Speichertechniken. „Nur durch Vernetzung und Speicher kann die Energiewende eine runde Sache werden“, so Gerber.

Immer neue Visionen umgesetzt

Landrat Wolfgang Blasig (SPD) sah sich in seinem „Optimismus bestätigt“, den er als Vorsitzender der regionalen Planungsgemeinschaft „Havelland-Fläming“ dem Ausbau Erneuerbarer Energie entgegen gebracht hatte. Michael Knape (parteilos) lobte die Innovationskraft der Investoren in Feldheim. „So alle fünf Jahre werden hier immer neue Visionen umgesetzt, die jede für sich immer unglaublich klangen“, sagte Treuenbrietzens Bürgermeister. Feldheims Ortsvorsteherin Petra Richter lobte die gute Zusammenarbeit bei allen Schritten zur Energiewende, sie in den zurückliegenden 20 Jahren hier gegangen wurden. Das habe die Akzeptanz der Bürger beflügelt. „Nun haben wir uns an den Besucheransturm gewöhnt“, so Richter. Jährlich besuchen bis zu 3500 internationale Gäste das autarke Dorf im Fläming. Sie werden heute im Neue-Energien-Forum-Feldheim empfangen, das voriges Jahr im ehemaligen Gasthaus eingeweiht wurde. Ein Förderverein und die Firma Energiequelle waren dafür federführend.

Seit 2010 autarkes Netz in Feldheim

Die Energiequelle GmbH besteht seit 1997. Mit seinen rund 140 Mitarbeitern an den Standorten Bremen, Kallinchen bei Zossen, Penzing in Bayern und Rennes in Frankreich ist das Unternehmen im ganzen Spektrum der Erneuerbaren Energien aktiv. Inzwischen hat die Firma Anlagen mit einer Gesamtkapazität von mehr als 1000 Megawatt (MW) sowie Umspannwerke mit 1460 Megavoltamper (MVA) schlüsselfertig errichtet. Neben vielen Vorhaben in Deutschland hat die Gesellschaft in den vorigen fünf Jahren zahlreiche Projekte in Spanien, Italien und Frankreich umgesetzt. Im Bereich der technischen und kaufmännischen Betriebsführung von regenerativen Kraftwerken und Umspannwerken gehört die Energiequelle GmbH zu den bundesweit leistungsstärksten Unternehmen: Derzeit werden mehr 1200 MW Leistung betreut, davon rund 150 MW im Ausland bis hin nach Pakistan. Im Energieautarken Dorf Feldheim hat die Firma Energiequelle, die dort 46 Windkraftanlagen betreibt, über eine Bürgergenossenschaft ein autarkes Ortsnetz für Strom und Wärme ausschließlich aus regenerativen Quellen aufgebaut. Es ging 2010 in Betrieb.

Von Thomas Wachs

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