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Riesenfreude am Treuenbrietzener Gymi

Siebte Klassen gerettet Riesenfreude am Treuenbrietzener Gymi

Welche eine Freude am Gymnasium Treuenbrietzen: Anders als vom Schulamt vorige Woche noch verkündet, können am Burgwall jetzt doch siebte Klassen für das nächste Schuljahr 2016/17 eingerichtet werden. Das ist am Montagabend bei einer internen Versammlung mit großem Jubel und Freudentränen aufgenommen worden.

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Offene Türen gibt es überraschend nun doch für neue siebte Klassen am Gymnasium Treuenbrietzen.

Quelle: MAZ-Archiv

Treuenbrietzen. Welch eine Überraschung: Das Gymnasium „Am Burgwall“ in Treuenbrietzen darf jetzt doch noch zwei siebte Klassen für das neue Schuljahr 2016/17 bilden. Mit riesigem Jubel und Freudentränen aufgenommen wurde diese Nachricht am Montagabend während einer internen Versammlung mit Eltern sowie Vertretern der Schule und der Stadt als deren Träger.

Damit hat das Staatliche Schulamt in Brandenburg an der Havel seine noch in der Vorwoche verkündete Absage für eine erneute Ausnahmegenehmigung revidiert. Eltern, Schulkonferenz und Kommune sowie Schüler hatten sich dennoch weiter in Gesprächen und auch Briefen an Behörden vehement für den Erhalt der Abiturstufe eingesetzt. Im Vorjahr konnten keine siebten Klassen gebildet werden. Damals lagen nur 16 Anmeldungen vor.

Großes Engagement gewürdigt

Im Beisein von Brandenburgs Bildungsminister, Günter Baaske (SPD), verkündete Schulamtschefin Kerstin Niendorf am Montag nun die neuen Möglichkeiten und erntete dafür starken Beifall in der mit gut 60 Betroffenen besetzten Aula des Gymnasiums. Demnach seien jetzt „um die 40 Schüler zur Verfügung“, nachdem einige Eltern und Schüler spontan noch ihre Erstwünsche geändert hatten. Ein erneuter Versuch, den seit Jahren mit schwankenden Anmeldezahlen kämpfenden Standort nun erneut auch mit knapper Unterfrequenz zu sichern, sei auch damit zu rechtfertigen, dass ab dem Schuljahr 2017/18 durchaus wieder größere Klassenstärken zu erwarten seien. 40 Schüler gelten als Mindestzahl, um eine weiterführende Schule mit Abiturstufe per Ausnahme genehmigen zu können.

Lange Tradition als Schulstandort

Das Hauptgebäude des heutigen Gymnasiums in Treuenbrietzen war ursprünglich um 1864 als Lazarett errichtet worden. Bis zum Jahr 1882 war eine Baugewerkeschule dann der Nutzer.

In der Provinz Brandenburg wurde das Haus ab 1905 für den Kreis Zauch-Belzig als landwirtschaftliche Winterschule“ genutzt.

Zu DDR-Zeiten war der Komplex an der Berliner Chaussee Polytechnische Oberschule (POS).

Direkt nach der Wende wurde 1991 daraus ein Gymnasium in Trägerschaft der Stadt Treuenbrietzen.

Ihr Einzugsgebiet reicht heute noch bis in die Ämter Niemegk und Brück sowie in den Landkreis Teltow-Fläming hinein.

Trotz eigener Finanzsorgen investiert die Kommune regelmäßig nach ihren Möglichkeiten in die Sanierung, einen Anbau, eine Sporthalle sowie einen neuen Schulhof, moderne Sportanlagen und sanierte die Aula.

„Entgegen anderer Behauptungen, haben wir Treuenbrietzen nie abschreiben wollen“, sagt Kerstin Niendorf. „Wir wollen diesen Standort. Er ist wichtig für die Region“, so die Schulamtsleiterin. „Jetzt ist es ja gut möglich, dass weitere Schüler kommen und wir 40 oder mehr erreichen“, fügt die Schulrätin hinzu. Das sei auch mit Blick auf den späteren Übergang in die Oberstufe und zur Sicherung des Kurssystems dort nötig. Der Kommune, der Schule und den Eltern sei es „durch eine große und bewundernswerte Kraftanstrengung“ gelungen, eine deutlich höhere Anmeldezahl als im Vorjahr zu erreichen. „Das zeigt, dass diese Schule gewollt ist und eine gute Zukunftschance hat“, so Niendorf. Angesichts der neuen Situation seien auch aktuell noch Ummeldungen nach Treuenbrietzen möglich.

Gesamtschule mit Abiturstufe weiter im Blick

Schulamt und Bildungsministerium unterstützen zudem den seit mehr als zwei Jahren in Treuenbrietzen verfolgten Wunsch, parallel zum Gymnasium eine Gesamtschule mit Gymnasialer Oberstufe aufzubauen. Diese Schulform gibt es im Hohen Fläming bislang nicht. Sie wird von Eltern anderswo aber als gute Alternative auf dem Weg zum Abitur in 13 Jahren angesehen. So auch in Lehnin, wo das Angebot stark nachgefragt ist. Laut Kreistagsbeschluss zum Schulentwicklungsplan sollen die Städte Treuenbrietzen und Brück für einen weiteren Standort kooperieren. „Ich begrüße es, wenn es gelingt, im südlichen Fläming eine Gesamtschule mit Abitur nach 13 Jahren einzurichten“, sagt Günter Baaske. „Jetzt ist es wichtig, dass sich die Kommunen zusammensetzen und eine gute Lösung finden. Treuenbrietzen könnte dafür ein Standort sein. Die räumlichen Voraussetzungen sind da“, so der Bildungsminister, der selbst aus dem Fläming stammt.

Klare Position vom Minister

„Wir sind alle überglücklich“, sagt André Biebow noch am Montagabend nach der nichtöffentlichen Versammlung. „Auch zur Bildung der Gesamtschule hat Minister Baaske sehr klare Worte gefunden“ und habe sich „erfreulich klar für den Bildungsstandort Treuenbrietzen ausgesprochen“, so der Vorsitzende der Schulkonferenz. „Wir werden das in uns gesetzte Vertrauen rechtfertigen“, sagt André Biebow. Er freue sich besonders über die neue Situation und das Umdenken der Behörden, „weil dieser Schritt niemand anderem weh tut und für die Region die Chance zum Erhalt eines wichtigen Bildungsangebotes in Wohnortnähe bietet“.

Für Treuenbrietzens Bürgermeister Michael Knape (parteilos) bleibt für die Stadt als Schulträger nun die Herausforderung, „zum Schuljahr 2017/18 den Beschluss zur Gesamtschule umzusetzen“. Ziel bleibe es, für alle Beteiligten „nicht jedes Jahr von neuem, diese Achterbahn der Emotionen durchmachen zu müssen“. Dazu gebe es auch aus dem Brandenburger Schulamt mit neuem Zuständigkeitsbereich gute Signale, über die Kreisgrenze nach Teltow-Fläming hinweg zu schauen. „Bis zum Beginn des neuen Ü7-Anwahlverfahrens im Oktober sollte zur Gesamtschulfrage endlich Klarheit herrschen, um nicht erneut für Verunsicherung bei Eltern zu sorgen“, sagt Knape am Dienstag der MAZ.

Von Thomas Wachs

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