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Potsdam-Mittelmark Rieslingschorle für die Esskastanie
Lokales Potsdam-Mittelmark Rieslingschorle für die Esskastanie
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02:32 22.04.2018
Die Deutsche Baumkönigin Anne Köhler an einer Esskastanie, die Baum des Jahres 2018 ist. Am 24. April pflanzt sie drei Esskastanien im Tempel-Wald. Quelle: Privat
Potsdam-Mittelmark

Da staunte der Förster und fragte den Waldbesitzer: „Sie wässern die Bäume wohl mit Rieslingschorle?“ Nein, das Pfälzer Nationalgetränk trinkt Karl Tempel lieber selbst. Den gebürtigen Rheinland-Pfälzer hat es schon vor vielen Jahren in den Norden verschlagen, wo er Sehnsucht nach den Wäldern der Kindheit bekam und deshalb 1998 Besitzer eines Waldes in der Busendorfer Heide wurde. Dort baut er den märkischen Kiefernforst in einen Mischwald um und setzt dabei auch auf den „Brotbaum des Südens“, die Esskastanie, die gerade zum Baum des Jahres 2018 gekürt wurde. Tempel ist im Brandenburger Land ein Vorreiter beim Einsatz der Esskastanie, die in seinem Wald zwischen Borkwalde und Fichtenwalde so prächtig gedeiht, dass der Förster vermutete, es ist Doping mit Rieslingschorle im Spiel. Schon 2003 begann Tempel, mit der Esskastanie zu experimentieren. Seitdem hat er etwa 2000 dieser Bäume gepflanzt, die einst die Römer mit dem Weinbau in den Süden Deutschlands brachten.

Am 24. April kommen drei Esskastanien hinzu. Für den Pflanztermin erwartet Karl Tempel hohen Besuch. Deutschlands Baumkönigin Anne Köhler kommt in den mittelmärkischen Wald, um den Baum des Jahres zu pflanzen. Anne Köhler, die aus Frankfurt am Main stammt, wird gegen 14.30 Uhr die Bäumchen in die Erde setzen. Für ihre Amtszeit hat sie sich vorgenommen, „den Menschen nahezubringen, wie wertvoll Bäume für unser Leben sind“. Und der Esskastanie will die Baumkönigin, deren Eltern eine Baumschule haben, mit zahlreichen Pflanzungen „ein Denkmal setzen“.

Die Esskastanie hat es verdient, in Zukunft auch in Brandenburg zu Ehren zu kommen, sagt Karl Tempel. Der Waldbesitzer plädiert dafür, den „Brotbaum des Südens“, der bis zum 17. Jahrhundert dort die Menschen ernährte, wenn das Getreide knapp war, in die Förderung beim Waldumbau aufzunehmen. „Die Esskastanie wächst schnell, ist robust und verträgt sich wunderbar mit der Kiefer“, sagt er. Sie wachse sogar doppelt so schnell wie die Eiche. „Meine These ist ja, dass wir die Esskastanie vor der letzten Eiszeit schon einmal hier in der Region hatten“, so Tempel. Als das Eis kam, wichen die Bäume über zwei Routen aus – über Südfrankreich und über die Balkanroute, sagt er. Die Flucht der Bäume kannte damals nur eine Richtung – den Süden. Weil der einzelne Baum freilich nicht wegrennen kann, waren es die Samen, die südlich der Alpen den im Norden verschwundenen Baumarten zu neuem Leben verhalfen.

„Sie ist robust und verträgt sich gut mit der Kiefer.“ Karl Tempel an einer jungen Esskastanie in seinem Wald in der Busendorfer Heide Quelle: Jens Steglich

„Die Römer haben dann die Esskastanie über die Alpen nach Deutschland zurückgebracht.“ Da waren die Kiefern und Birken schon längst wieder da, weil ihre Samen der Wind verbreitet. „Sie haben die schnellste Ausbreitungsgeschwindigkeit“, sagt Tempel, der zwar seinen Kiefernforst in einen Mischwald umbaut, aber trotzdem ein hohes Lied auf den märkischen Baum anstimmt. Tempel singt freilich keine Lieder, er argumentiert klug und präzise und nimmt als gebürtiger Rheinland-Pfälzer die märkische Kiefer gern in Schutz. Zum Beispiel, wenn in Brandenburg abwertend vom Kiefernstangenwald die Rede ist. „Es ist eine Wachstumsphase des Kiefernwaldes. Zu sagen, dieser junge Wald sei nicht wertvoll, wäre – auf den Menschen übertragen – genauso, als wenn ich sagen würde, die Teenies unter uns wären nicht wertvoll.“ Die Kiefer bleibt für ihn der ideale Baum für Brandenburger Verhältnisse. „Hier wächst sie von selbst“, was man im Forstjargon Naturverjüngung nennt.

Tempel redet sich in grundsätzlichen Waldfragen in einen Rausch, ohne böse zu werden, obwohl sein 80-Hektar-Wald mitten in einem Forstgebiet liegt, das zur Kampfzone geworden ist. In privaten Wäldern in der Nachbarschaft sollen Windräder aufgestellt werden. Für Tempel sind solche Pläne umweltpolitische Irrläufer: „Sie können doch im Namen des Klimaschutzes für ein Windrad keine Bäume abholzen. Das Windrad hat nach 20 Jahren ausgedient, da ist der Baum gerade im Grundschulalter“, sagt er und fügt hinzu: „Wenn die fünfte Windradgeneration hinüber ist, schaltet der Baum erst auf Höchstleistung um.“

Beim Waldspaziergang findet der Waldbesitzer seinen Humor schnell wieder, lädt die Menschen in der Gegend herzlich ein, am 24. April dabei zu sein, wenn die Baumkönigin drei Esskastanien im Tempel-Wald pflanzen wird. „Es gibt Blechkuchen, belegte Brötchen, Säfte und für die Esskastanien Rieslingschorle.“

Die Esskastanie – Baum des Jahres 2018

Der botanische Blick richtet sich 2018 auf eine hierzulande eher seltene Baumart: die Esskastanie. Den „Brotbaum des Südens“ sollen die Römer vor rund 2000 Jahren über die Alpen nach Deutschland gebracht haben. In Brandenburg ist die Esskastanie heute fast noch eine Rarität.

Die Früchte der Esskastanien galten früher im Süden Europas als das Brot der Armen. Für große Teile der Bevölkerung in ländliche-kargen Regionen Südeuropas, wo der Anbau von Getreide schwierig war, war die Esskastanie bis ins 19. Jahrhundert hinein Hauptnahrungsmittel. Die Maronen kamen geröstet oder gekocht auf den Tisch.

Der älteste Esskastanienbaum Deutschlands wird auf gut 400 Jahre geschätzt und steht im Rheinland-Pfälzischen Dannenfels. Er hat einen Stammumfang von neun Metern.

Dicker und älter ist eine Esskastanie, die auf Sizilien am Osthang des Ätnas steht. Ihr Alter wird auf 2000 Jahre geschätzt.

Die Esskastanien im Wald vom Karl Tempel werden am 24. April, 14.30 Uhr, in der Nähe der Info-Tafel am Siebenbrüderweg gepflanzt.

Von Jens Steglich

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