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Potsdam-Mittelmark Rock mit Doppelknoten und Flipflops
Lokales Potsdam-Mittelmark Rock mit Doppelknoten und Flipflops
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17:28 24.07.2016
Sänger Stefan Krähe rührte das Rabener Publikum zu Tränen Quelle: Potratz
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Raben

Einschulung. Konfirmation. Erstes Date. Im Leben eines Mannes gibt es Tage, an denen er sich in sein schickstes Hemd zwängen muss. Da gibt es auch für Rocker kein Entkommen. So ging es der Band SIX am vergangenen Freitag bei ihrem „SIX goes ClasSIX“-Konzert auf dem Hof der Burg Rabenstein, das sie gemeinsam mit einem Streichquintett angekündigt hatte.

Wenige Minuten vor Konzertbeginn zeigen sich Frontmann Stefan Krähe und Gitarrist Frank Engelmann. Im knittrigen weißem Hemd sowie mit viel zu locker und mithilfe eines Doppelknotens gebundener Krawatte schleichen sie rauchend über den Burghof. Einige Fans drehen sich verwirrt um. Der „feine Zwirn“, wie Krähe später das Outfit der Band nennen wird, wirkt wie ein Fremdkörper auf der Rockerhaut. Zu dem trägt er Flipflops. „Bei allen Konzerten habe ich bisher seinen Oberkörper gesehen“, ruft eine blonde Frau aus der ersten Reihe, als sie Krähe entdeckt. Dazu wird es diesmal nicht kommen. Die Hemden bleiben an, denn die Rockband will dem traditionell elegant gekleideten Bachus-Streichquintett um Geiger Jakub Kotowski in nichts nachstehen.

Die Bühne platzt aus allen Nähten

Die Streicher betreten zunächst ohne SIX die kleine Bühne und spielen Beethovens „Eine kleine Nachtmusik“. Sie spielen laut, dynamisch und mit viel Freude. Wie soll diese Musik jetzt mit den Rockern zusammenpassen?

„Es sind die klassischen Instrumente. Die geben der eigenen Musik noch mal viel Macht und Wucht“, kommentiert Stefan Krähe vor dem Konzert.

Nach zwei Einzelstücken der Klassik-Musiker wird es eng auf der Bühne. Jetzt kommt das Rock-Quintett SIX dazu. Es entwickelt sich vom ersten Ton an ein interessanter Mix aus charmanter und kraftvoller Streichmusik und dem rauchigen und doch gefühlvollen Gesang von Stefan Krähe. Insgesamt zehn Musiker stehen während auf wenigen Quadratmetern. Die musikalische Beweglichkeit bleibt dennoch.

Emotionaler Höhepunkt: der Gruß an den Bruder

SIX lässt das Publikum aufstehen, klatschen und spielt ihre bekannten Titel wie „Geiler isses hier“, „In Flammen“ und „So viel mehr noch“. Als die Nacht dunkler wird, holt Stefan Krähe sogar einen elften Musiker auf die Bühne. Beim Stück „Gebrannte Kinder“ aus dem dritten Studioalbum von 2014 setzt er einen kleinen Jungen aus der ersten Reihe auf seinen Schoß und singt mit ihm. Der Applaus hält danach minutenlang an. „Siehst du, man braucht nur ein Kind auf die Bühne holen und schon hast du die Leute auf deiner Seite. Ganz einfach“, frotzelt er ins Mikrofon.

Doch die Band zeigt an dem lauen Sommerabend auch eine emotionale Seite. Mit hängendem Kopf und geschlossenen Augen singt Stefan Krähe „Wärst Du noch hier“. Hier rollen bei vielen der rund 200 Zuschauer Tränen. Es ist ein Song, den Krähe für seine verstorbene Mutter geschrieben hat.

Von Tobias Potratz

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