Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -3 ° Regen

Navigation:
Rohkunstbau zeigt die Kinderwelt dazwischen

Roskow Rohkunstbau zeigt die Kinderwelt dazwischen

„Zwischen den Welten – Between the Worlds“ heißt die Rohkunstbau-Schau im Schloss Roskow bei Brandenburg, die die Heinrich-Böll-Stiftung jetzt erstmals Journalisten präsentiert hat. Am Samstag feiert der 22. Rohkunstbau seine Vernissage. Es werden bis September tausende Besucher erwartet.

Voriger Artikel
6 Mal Tanke geprellt: Wer kennt den Betrüger?
Nächster Artikel
Diebe bestehlen schlafende Hausbewohner

Anthonys Goicoleas schlafende Jünglinge bilden den räumlichen Mittelpunkt der 22. Rohkunstbau-Ausstellung im Schloss Roskow. Medienvertreter durften sie vorab sehen.

Quelle: Marion von Imhoff

Roskow. „Zwischen den Welten – Between the Worlds“ heißt die Rohbaukunst-Schau im Schloss Roskow bei Brandenburg, die die Heinrich-Böll-Stiftung jetzt erstmals Journalisten präsentiert hat. Am morgigen Samstag feiert der 22. Rohkunstbau seine Vernissage. Im vorigen Jahr zog die Ausstellung nach Veranstaltungsangaben rund 4000 Besucher an.

Kurator Mark Gisbourne (rechts) und Arvid Boellert, Mitbegründer des Rohkunstbaus

Kurator Mark Gisbourne (rechts) und Arvid Boellert, Mitbegründer des Rohkunstbaus.

Quelle: Marion von Imhoff

Kurator Mark Gisbourne benennt das Thema als kennzeichnend für die Phase zwischen Kindheit und Erwachsenwerden. Zwischen der Zeit der Unschuld und der Jugend, „in der Kinder missbrauchbar sind und für andere Ziele empfänglich“. Kinderrechte und Kindheitserleben bilden den Kern des 22. Rohkunstbaus, umgesetzt von elf Künstlern aus Europa, Afrika, Asien und Amerika. In den Räumen des leerstehenden, aber gut bewachten Schlosses entfalten sich die vielfältigen Kunstobjekte auf einem Boden, der teils wie von Flammenwerfern bearbeitet wirkt. Rote und schwarze Flecken untermalen die Rohheit des einst schmucken Baus, dessen beste Zeiten hinter ihm und hoffentlich noch vor ihm liegen.

Die Sicht auf die Kindheit eines Künstlers

„Jeder Raum ist eine kleine Welt für sich“, sagt der in Berlin lebende Engländer Gisbourne. Durch jeden Schritt durch eine Tür nähert sich der Besucher einer anderen Sicht auf die Kindheit eines der Künstler. Jeder Saal eine andere Kinderwelt. Eine heile zeigt keiner. Krieg spielt in vielen dieser Schlossarealen eine Rolle. Die comicartigen Zeichnungen des Hamid Sulaimans etwa lassen auf verstümmelte Körper blicken. Tuschebilder direkt auf die Schloss-Tapete gemalt, davor steht ein Rollstuhl. Sulaiman wurde 1986 im syrischen Damaskus geboren und lebt in Paris.

Ein Raum weiter läuft der Film „Berliner Runde“ über fünf Damen in einem israelischen Altersheim, gedreht von dem Österreicher Clemens Krauss. Die Renterinnen unterhalten sich auf Deutsch über das Berlin ihrer Kindheit. „Endlich leben wir in einem Land, in dem wir reden können und das tun wir auch“, kommt selbstbewusst von einer der Damen.

Ein Minishop als Kaufmannsladen

Die Chinesin Jia zeigt nebenan den Minishop. Wie ein Kaufmannsladen wirken dort die Auslagen als „Botschaften der Liebe“. Keine Kinderhand wird ihnen widerstehen.

Die Chinesin Jia gestaltete einen Minishop mit „Botschaften der Liebe“

Die Chinesin Jia gestaltete einen Minishop mit „Botschaften der Liebe“.

Quelle: Marion von Imhoff

Seit 20 Jahren ist es Tradition, dass Künstler für den Rohkunstbau Objekte entwerfen. So entstanden in achtwöchiger Arbeit im Schloss die sargförmigen Plexiglasscheiben von Anthony Goicolea. Hinter sie platzierte der New Yorker gezeichnete Selbstportraits in Lebensgröße. Sieben schlafende Jünglinge, die wie tot in Leichentücher gehüllt auf dem geflammten Boden des Schlosssaales liegen. „Er schläft“, versichert Rohkunstbau-Mitbegründer Arvid Boellert, und meint diesen gezeichneten Jüngling, „aber es ist so dazwischen.“ Zwischen Tod und Schlaf.

Zwischen der Welt des Kindes und der des Heranwachsenden

„Dazwischen“, dieses Wort fällt häufig bei der Präsentation des Rohkunstbaus. „Zwischen den Welten.“ Die Bilder von Goicolea liegen zwischen Welten. „Er ist nicht mehr rein wie ein kleinens Kind“, sagt Gisbourne. „Das schlafende Erwachsenwerden, das Alter, in dem ein Mensch am meisten manipuliert werden kann, ist am gefährlichsten für die Gesellschaft.“

Ammar al-Beik  vor seinem Film über Kinder, die den syrischen Krieg erleben müssen

Ammar al-Beik vor seinem Film über Kinder, die den syrischen Krieg erleben müssen. Die Jungen spielen auf einem Balkon. Im Hintergrund sind Scud-Raketen zu hören.

Quelle: Marion von Imhoff

Unschuld, Gefahr, diese beiden Begriffe passen auch zu den Werken von Ryan Mosley und Ammar al-Beik. Mosley, 1980 im englischen Chesterfield geboren und heute Londoner, schuf ein großformatige Zirkusbild mit geradezu unheimlicher Ausstrahlung. „Kinder lieben Zirkus“, sagt Gisbourne, aber dieses Zauberer- und Artistenbild mit hohen Zylindern, langen Federn, klauenartigen Fingern und falschen Bärten machten auch Erwachsenen etwas Angst.

Der Film von Ammar al-Beik lief auf der Berlinale

Angst haben die kleinen Jungen, die Ammar al-Beik auf einem Balkon für den Experimentierfilm „La Dolce Siria“ gefilmt hat. Der Streifen lief auf der Berlinale und nun in einem abgedunkelten Saal des Schlosses. 27 Minuten Bürgerkrieg und das Leben in seiner Mitte. Da sind die beiden Jungen, die mit einer Filmkamera spielen. Im Hintergrund sind Scud-Raketen zu hören. Einer der Jungen schreckt auf und weint nach seiner Mutter. „Sind das Raketen? Sind das Raketen?“, ist einer der häufigen Rufe der vom Krieg so nervös gewordenen Kinder.

Rohkunstbau

Rohkunstbau: Skulpturen und Gemälde im Schloss Roskow.

Quelle: Marion von Imhoff

Ruhe hingegen trotz seiner Spaltung strahlt der Baumstamm aus, der die Kunst des gebürtigen Potsdamers Arne Schreiber zeigt. Von Hand mit einer Motorsäge gespalten, sollen die Stammhälften zeigen, dass sie „jeweils minimal anders sind“, sagt Schreiber. Zwischen die beiden quer im Kaminzimmer arrangierten Hälften ist Platz geblieben. Für das Dazwischen.

Diese Skulpturen, leuchtend gelb und orange, hat die in London lebende Spanierin Angela de la Cruz geschaffen

Diese Skulpturen, leuchtend gelb und orange, hat die in London lebende Spanierin Angela de la Cruz geschaffen. 2010 war die Künstlerin für den renommierten Turner-Preis nominiert.

Quelle: Marion von Imhoff

info Zu sehen ist der XXII. Rohkunstbau vom 10. Juli an bis zum 18. September im Schloss Roskow, Dorfstraße 30, jeweils samstags und sonntags von 12 Uhr an bis um 18 Uhr. Die Vernissage ist am Samstag, 9. Juli, um 15 Uhr.

Von Marion von Imhoff

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam-Mittelmark

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg