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Potsdam-Mittelmark Rosinen an den Sträuchern
Lokales Potsdam-Mittelmark Rosinen an den Sträuchern
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18:44 14.08.2015
110 Oechsle – der Zuckergehalt der Beeren ist hoch: Gerhard Jochen misst mit dem Refraktometer die Zuckerkonzentration. Quelle: Jens Steglich
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Beelitz

Sie gilt als robuste Powerbeere, die selbst sibirische Verhältnisse ohne Probleme aushält. Doch in der Sahara-Hitze, die bis Samstag hierzulande Einzug gehalten hat, macht sie schlapp. Auf der Plantage des Beelitzer Landwirts Gerhard Jochen sehen viele Aroniabeeren, von denen hier die Rede ist, wie Rosinen aus. Zwölf Stunden pralle Sonne am Tag und die langanhaltende Trockenheit waren für die genügsame Superbeere, die schon die Indianer als Heilpflanze kannten, zu viel. „Mindestens die Hälfte der Beeren sind vertrocknet und Rosinen lassen sich schlecht verkaufen“, sagt der Landwirt trocken.

Es ist ein trauriges Bild: Die Sträucher auf seinem Feld zwischen Beelitz und Zauchwitz tragen Trockenfrüchte und unweit der Plantage lauern die Stare, die sich morgens und abends, wenn die Hitze nicht mehr so drückend ist, Beeren schnappen. Doch der Aroniabeeren-Bauer stimmt keinen Klagegesang ein. Er sagt: „Damit muss ein Landwirt leben. Es gab in der Weltgeschichte immer mal Missernten. Die waren früher allerdings mit Hungersnöten verbunden.“ Der Beelitzer, der vor fünf Jahren 20 000 Euro in das Nischenprodukt investierte, 6000 Pflanzen kaufte und sie nahe Schlunkendorf in die Erde setzte, beobachtet durchaus fasziniert, wie seine Pflanzen in ihrem Überlebenskampf genau das richtige tun. Um sich zu retten, gibt die Pflanze einen Teil ihrer Früchte auf, erklärt er. Die Aroniabeeren, die nicht mehr versorgt werden können, fallen ab oder verdorren am Strauch.

Dinge, die Landwirt Jochen nicht ändern kann, betrachtet er mit Ironie und sagt Sätze wie diesen: „Dafür gibt es dieses Jahr weniger Arbeit. Es ist kein Problem, die Ernte einzufahren. Es gibt wenig Beeren und die Stare helfen bei der Ernte auch noch mit.“ Eine Konsequenz, die er zieht: Er stellt komplett auf Selbstpflücke um, Erntehelfer, wie im vergangenen Jahr, setzt er keine mehr ein. Es wäre zu teuer.

Beere mit heilender Wirkung

Ihren Ursprung hat die Aroniabeere in Nordamerika. Ein russischer Botaniker entdeckte die Aronia Anfang des 20. Jahrhunderts in Amerika, brachte sie nach Russland und züchtete auch Sorten, die das sibirische Klima vertragen.

Aroniabeeren sind reich an Vitaminen und Antioxidantien und gelten als Heilpflanzen. 2015 war es den Beeren auf den Feldern bei Beelitz zu heiß und zu trocken. Laut Landwirt Gerhard Jochen fielen auf seiner Plantage von Mai bis August weit mehr als 100 Liter pro Quadratmeter weniger Regen als in den Vorjahren.

Das heißt: Auch Kunden, die er bisher beliefert hat, müssen die Beeren nun selbst pflücken. Er redet auch nicht um den heißen Brei herum. Einer Kundin, die den Saft der Aroniabeere für Likör braucht, sagte er mit ironischem Unterton: „Sie können Rosinen-Kuchen backen.“ Zumindest der Zuckergehalt der 2015er Beeren ist für die noch frühe Zeit bereits ungewöhnlich hoch. Das wird die Erntesaison aber nicht retten.

Jochen denkt sogar darüber nach, seine Anlage freizugeben – zur kostenfreien Selbsternte. „Ich sehe ja jeden Tag die Tragödie.“ Im vergangenen Jahr hatte der studierte Landwirt, der im Großraum Berlin noch der einzige Aroniabeeren-Bauer ist, drei Tonnen auf seiner drei Hektar großen Plantage geerntet. Wenn er Glück hat, kommt dieses Jahr noch eine Tonne per Selbstpflücke zusammen – die Hälfte davon als Trockenfrüchte. Dabei tragen die noch jungen Pflanzen normalerweise jedes Jahr mehr Beeren. „Wenn sie in die Ertragsphase kommen, sind es fünf Kilo Beeren pro Strauch.“ Das wären dann 30 Tonnen insgesamt auf Jochens Feld. Er denkt deshalb auch gar nicht daran, seine Aroniabeeren aufzugeben. Für ihn sind die genügsamen Pflanzen, die für Krankheiten nicht anfällig sind und deshalb keine Pflanzenschutzmittel brauchen, eine Freude. „Es ist bemerkenswert, wie sie zwölf Stunden pralle Sonne täglich überhaupt aushalten“, sagt er.

Am Strauch vertrocknet: Eine Hand voll verschrumpelter Aroniabeeren. Quelle: Jens Steglich

Und: „Die Selbsternte wird trotzdem ein Gaudi“, so der Beelitzer. Ab sofort kann man auf seiner Plantage an der Trebbiner Straße täglich von 9 bis 18 Uhr Aroniabeeren pflücken. „Ich habe Stellplätze für mehrere tausend Autos und 500 Kilo vertrocknete Beeren“, sagt er.

Von Jens Steglich

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